Julius mochte keine Begräbnisse. Mit zusammengekniffenen Lippen stand er da und beobachtete die beiden Totengräber, die Erde in das frische Grab schaufelten. Die Körper der beiden Männer hoben und senkten sich abwechselnd und erinnerten ihn an die Erdölpumpen im nahe gelegenen Marchfeld, die als dunkle, einsame Gesellen in der flachen Landschaft unermüdlich ihren Dienst verrichten und den Lebenssaft unserer Gesellschaft aus den vergessenen Tiefen heraufbefördern. Einen Saft, der von Lebewesen stammt, die vor Millionen von Jahren die Oberfläche der Erde bewohnten und deren Tod uns jetzt ein Leben in lärmendem und hektischem Luxus ermöglicht. In der Natur ist alles auf Kreisläufe ausgerichtet, weder Materie noch Energie verschwinden – nur das Individuum bleibt auf der Strecke. Und diesmal hatte es seinen Freund Sebastian getroffen.
Eigenartig, dachte Julius, für mich als Naturwissenschaftler ist der Tod, so schrecklich er ist, eine Konsequenz der Evolution. Ohne Tod keine Weiterentwicklung; das Alte muss dem Neuen Platz machen. Damit muss man leben und eben sterben. Aber wie ist das bei den Gläubigen, die an einen allmächtigen und sich in alles einmischenden Gott glauben? Warum loben und preisen diese selbst bei Begräbnissen Gott, der ihnen einen geliebten Mitmenschen genommen hat? Warum, überlegte Julius weiter, wird das nicht als Ärgernis gesehen? Warum gab es bei Begräbnissen nie Protest gegen die göttliche Entscheidung? War es Gleichgültigkeit, war es Angst, oder nahmen selbst die Gläubigsten an, dass man ihnen da oben ohnehin nicht zuhören würde?
Wütend trat er gegen einen Stein, ohne z