Die Zeit „davor“
Hallo, ihr Menschen überall auf der Welt, schön, dass ihr wieder vorbeischaut. Es gefällt mir sehr, dass so viele Zweibeiner an meinem Leben teilhaben und sich dafür interessieren, was ich zu berichten habe. Verwunderlich ist es eigentlich nicht, denn das, was ich erzähle und erlebe, ist alles andere als langweilig. Zum Glück ist allerdings selbstmein Leben zwischen all den Abenteuern und Erlebnissen hin und wieder auch ruhig und beschaulich. Dann kann ich zusammen mit meinen Weggefährten all das, was wir gelernt und erfahren haben, auch mal in der Praxis anwenden, und wir dürfen uns daran erfreuen, dass es unser Dasein so viel einfacher, glücklicher und zufriedener macht.
Momentan ist allerdings mal wieder keine ruhige Phase angesagt und ich lebe nicht wirklich beschaulich.
Ich bin SO aufgeregt – denn bald fahren wir in den Urlaub! Ich muss gestehen, ich freue mich zwar sehr darauf, bin aber auch hin-und hergerissen, meine Gefühle sind zwiespältig. Einerseits möchte ich eigentlich gar nicht weg von meinem schönen Zuhause, andererseits spüre ich so viel Vorfreude in mir und es drängt mich, Neues zu erleben und vor allen Dingen – das Meer zu sehen …
Seit die Idee, zum Meer zu fahren, in Frauchens Gedanken ist, ist sie auch in meinen Gedanken. Ich spüre deutlich die Veränderung, ich spüre die Freude.
Es war ein Tag im August, als ich nach einem Telefongespräch mit unserem Menschenmann die Neuigkeit in ihren Gedanken lesen konnte. Durch einen glücklichen Umstand sollte sich die Möglichkeit ergeben, im Herbst des Jahres eine Woche am Meer zu verbringen. Nach Dänemark würde die Reise gehen und das Meer heißt Nordsee. Ich erfuhr außerdem noch, dass der letzte Besuch meiner Menschen am Meer schon Jahre zurücklag. Alaska, der vor mir hier mit unseren Menschen lebte, war damals dabei gewesen. Indio, mein Freund und Begleiter, wohnte zu diesem Zeitpunkt, so wie ich, noch nicht hier an diesem Ort. So genau weiß ich gar nicht, was das ist, das Meer. Ich habe vage Erinnerungen aus anderen Leben, aber ein klares Bild zeigt sich mir vor meinem geistigen Auge nicht. Es muss wohl so etwas wie ein See sein, allerdings sehr viel größer, und es liegt offensichtlich im Norden – deshalb heißt dieses Meer Nordsee.
Naja, es war ja erst September und der Monat, in dem wir in Urlaub fahren würden, heißt November, ich glaube, das ist noch eine lange Zeit bis dahin …
In der verbleibenden Zeit hatten wir viel zu tun, wir mussten ja mein erstes Buch fertig schreiben. Ich finde es spannend, dass immer mehr Hunde und Katzen – natürlich mithilfe ihrer Menschen – Bücher schreiben; dass das so ist, habe ich von meiner Menschin erfahren. Was die wohl so alle dafür bekommen?
Frauchen erzählte mir einige Zeit nach Fertigstellung des Buches, dass den Menschen unser Buch gefällt und sie es für sich kaufen. Ich fand, das war nun der richtige Zeitpunkt, um zu fragen, was denn mein Honorar für meine Mithilfe sei, ein bisschen mehr als ein warmer Pfotendruck könnte und sollte es meiner Meinung nach schon sein.
Am Tag nach meiner dezenten Anfrage bekam ich zwar nicht wirklich eine für mich befriedigende Antwort auf meine Frage, aber geschmeckt haben die Würstchen trotzdem ...
Meine Honorarvorstellung war eigentlich eine andere gewesen. Die Überlegungen hinsichtlich einer mobilen Gartenüberdachung, die sich bei Regen automatisch über das Grundstück schiebt, muss ich nun wohl nach Fertigstellung des zweiten Buches nochmals anbringen.
Ich weiß schon, mein Frauchen war und ist sehr stolz auf meine schriftstellerischen Tätigkeiten. So hat sie unser Buch einigen Leuten geschenkt, die wir des Öfteren auf unseren Waldspaziergängen treffen. Das sind die Leute, deren Hunde ich ab und zu mal in die Flucht schlage. Frauchen erklärte mir, unser Buch würde nun den Menschen verdeutlichen, warum ich so bin, wie ich bin – und als kleine Nebenwirkung könnten die Leute nun nicht mehr sauer werden, wenn ich aus dem Gebüsch presche und mich benehme wie ein Wildschwein – wo sie nun ja ein Geschenk von uns bekommen haben. Das finde ich gut und klug gelöst.
Ich