Zoe
Hallo Leute,
ich bin Zoe!
Ich bin 15 Monate alt, wiege 17 kg und meine Maße sind 50/50/50.
Ich habe auch noch einige andere Namen: Trulla, Thusnelda, Hexenweib, Hexe, Zwergenfrau, Madame, Zicke, Schnecke, Schneckchen, wilde Hilde, Mrs. Spock, Mäuschen, Kleine, Biest, Teufeline, Süße, Geierwally oder Magermodel. Mit dem einen oder anderen Namen könnte ich mich durchaus anfreunden. Madame zum Beispiel gefällt mir sehr gut. Der Name hört sich sehr edel an und ist meiner durchaus angemessen. Wäre da nicht immer der lauernde Unterton in Menschins Stimme, wenn sie mich damit anspricht: Madammme … so langgezogen und am Ende des Wortes hebt sich ihre Stimme fast schon drohend — oder ganz kurz und scharf: MADAM, NEIN, LASS DAS!
Da lobe ich mir dann doch die Betonung von Hexenweib. Das wird meist liebevoll und, wie ich herauszuhören glaube, wohlwollend und verstehend benutzt, wie mit einem leisen Lächeln. Wie heißt es bei den Menschen so schön: Der Ton macht die Musik. Aber egal, mein wirklicher und richtiger und wichtiger Name ist Zoe. Er ist durch die vielen zusätzlichen Namen nicht infrage gestellt. Das „Z“ wird wie ein „S“ gesprochen und das „e“ wird betont, also Soee. Den Menschenmann interessiert das nicht, er sagt immer Tsoe zu mir, das ist mir auch recht. Der Name Zoe ist mir deshalb so wichtig, weil er das bedeutet, was ich verkörpere. Zoe ist ein altgriechisches Wort und übersetzt heißt es „Leben“. Im weiteren Sinn bedeutet es „die einfache Tatsache des Lebens“ oder auch „Leben um des Lebens willen, um des guten Lebens willen“. Ist das nicht wunderschön? Die Erklärung meines Namens ist so eine Art Schlüsselbotschaft, das Thema, der Anfang und wahrscheinlich auch das Ende meines Daseins sozusagen. Was es im Detail damit auf sich hat, werde ich euch nach und nach erzählen. Es ist, wenn ich es mir recht überlege, eigentlich eine der wichtigsten Botschaften in meiner Geschichte. So ganz weiß ich selbst noch nicht, wie diese Geschichte verläuft und wie sie enden wird, ich weiß nur, dass sie nicht langweilig sein wird.
Ich selbst lebe noch nicht sehr lange bei meinen Menschen. Zuerst dachte ich, ha, ich habe hier alles im Griff, das wird eine leichte Aufgabe, diese Menschen scheinen schnell zu verstehen, warum ich bei ihnen gelandet bin. Naja, aber als ganz so einfach hat es sich dann doch nicht herausgestellt, so manches Mal ist es unerwartet anstrengend. Zum Glück bekomme ich hier genug zu essen, das ist auch wichtig bei meinem vollen Körpereinsatz. Die Arbeit, die ich leiste, verbraucht ordentlich Kalorien. Die Menschenfrau ist immer wieder aufs Höchste erstaunt, wie viel ich esse und wie dünn ich dabei bleibe.
Ach ja, für die, die noch nicht wissen, was ich meine:
Meine Aufgabe ist es, meine Menschen zu spiegeln und zu führen. Im Detail bedeutet das, ich muss durch mein Verhalten die Dinge im Leben oder in der Persönlichkeit der Menschen aufzeigen, die wichtig für sie sind, die sie selber bei sich beachten sollten oder die ihnen fehlen. Es ist naheliegend, zu glauben, dass die Zweibeiner das ohne fremde Hilfe bemerken, es ist aber nicht so. Im Gegenteil, es ist sogar für uns Tiere meist schwere Arbeit und erfordert in der Regel sehr viel Energieaufwand, da die Menschen meist etwas mehr Zeit benötigen, bis sie verstehen. In der Praxis bedeutet dies, dass ich ein bestimmtes Verhalten immer und immer wieder präsentieren muss. Deshalb kommen wir Tiere zu den Menschen und deshalb kommt auch kein Tier zufällig zu einer Person, das hat immer so seinen Sinn und seine Richtigkeit. Viele Leute glauben, wir Tiere sind untergeordnete und hilflose Wesen. Das ist nicht so. Viele Tiere sind spirituell wesentlich weiter entwickelt als die Menschen, bei denen sie leben. Sie sind zu ihren Zweibeinern gekommen, um zu helfen.
Unsere Seelen werden sozusagen speziell darauf geschult. In der Tier-hilft-Mensch-Seelenschule habe ich gehört, dass es oft Fälle gibt, in denen die Menschen in einem ganzen Leben keine einzige Botschaft verstehen. Das wird bei mir und meinen neuen Familienmitgliedern natürlich nicht der Fall sein, dafür bin ich einfach zu gut ausgebildet und auch motiviert und außerdem haben meine Leute prinzipiell schon einiges verstanden und wir müssen nicht bei null anfangen. Wie ich allerdings anfangs schon erwähnte, bin doch auch ich schon auf einige Widerstände gestoßen. Ach ja, bevor ich es vergesse: Ich bin dazu auserwählt worden, meinen Menschen Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein, Kampfgeist und Entschlossenheit und alles, was sonst noch so dazugehört, zu bringen. Was anderes war da auch noch, das habe ich aber vergessen — es wird mir schon wieder einfallen, wahrscheinlich war es sowieso nichts Wichtiges … “
Zoes neue Familie lebt in einem Häuschen, schön gelegen, in einer ruhigen Gegend in d