Teil 1
Die Vorgeschichte
Ich war, wie man so sagt, ein „Spätzünder“. Ich lebte bis zu meinem 22. Lebensjahr bei meinen Eltern. Ich mochte nicht in Diskotheken gehen, da es mir dort viel zu laut war und dort wohl auch Techniker arbeiteten, die nicht wussten, was sie wollten. Ein dauerndes Licht an, Licht aus. Was soll das?
So war ich mit einem Freund schon mal am Wochenende unterwegs und wir hielten uns in Gaststätten oder Pubs auf. Er war ein Abenteurer und hatte schon allerhand in seinem jungen Leben erlebt. Mag sein, dass er ein Jahr älter war als ich, und so erzählte er seine Erfahrungen auf eine so nette Weise, dass wir viel zu lachen hatten.
Ach ja, Lachen, nun, wo ich dies schreibe, fällt mir ein, dass ich immer sehr gerne gelacht habe. Meine Lache war außergewöhnlich. Jemand, der mich lachen hörte, musste mitlachen. Aus diesem Grunde bin ich auch in der Schulzeit (Ende der Hauptschule) schon mal aus dem Klassenraum verwiesen worden. Wir hatten einen Klassenkameraden, der hin und wieder seltsame Dinge machte. So war es, dass wir ein Formular ausfüllen sollten, das mit Blaupapier versehen war, und deshalb wurden wir aufgefordert, mit Kugelschreiber zu schreiben. Manfred aber benutzte einen Tintenschreiber. Als ich dies sah, fragte ich ihn: „Manfred, warum tust du das? Damit funktioniert das Kopieren nicht, nimm den Kuli!“ Er erwiderte: „Ich habe aber keinen“, und schaute mich beleidigt an. Da ging sie los, meine Lache, und Petra, die mit mir in einer Klasse war, legte auch los, nur weil ich am Lachen war. Ja, und dann lachte fast die ganze Klasse und nur ich wusste, warum. Dann hieß es dann: „Karl-Heinz, geh raus und komm erst wieder, wenn du fertig bist!“ Petra ging wohl aus Solidarität mit, wollte aber wahrscheinlich auch wissen, warum ich lachte.
Mit zweiundzwanzig Lebensjahren sollte ich nun die Erfahrung machen, dass es zweierlei Menschen auf der Welt gibt: die guten und die bösen? Nein, das kam später, Männlein und Weiblein und die zwischenmenschlichen Beziehungen standen auf dem Programm.
Ein früherer Arbeitskollege meines Vaters bat um Hilfe. Seine Tochter, die in einem Supermarkt arbeitete, wurde dann und wann von ihrem Ex-Mann dort aufgesucht und belästigt. Mein Vater und ich möchten ihm doch bitte zur Seite stehen, wenn er seine Tochter abends von der Arbeit abholt. Ich kannte die Familie, meine Schwester und ich waren dort schon mal über Nacht gewesen, während unsere Eltern auf einer Karnevalsveranstaltung waren. Maria hieß die Tochter, so wie meine Schwester.
So fuhren wir also zu dem früheren Arbeitskollegen meines Vaters und anschließend gemeinsam zum Supermarkt, um Maria abzuholen. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen. Aus dem Mädchen war eine Frau geworden und aus mir ein Mann. Nicht lange nach diesem Treffen kam sie mit ihren Eltern und ihrem Sohn am Karnevalssamstag zu uns nach Bonn zu Besuch. Das Kind fuhr mit Oma und Opa heim und wir gingen aus. So sind wir uns nähergekommen. Es war eine neue Erfahrung, die ich aber als bedrückend empfand, weil zu viel auf mich eindrang. Die Liebe der Frau, aber auch des Kindes, welches mich nach kurzer Zeit schon Papa nennen wollte, und Marias Eltern waren der Meinung, dass ich der richtige Mann im Leben ihrer Tochter bin.
Das ging mir alles zu schnell und es überforderte mich. So kam der Schisser in mir hoch und ich bin damals mehr oder weniger weggelaufen. An dieser Stelle bitte ich Maria um Verzeihung.
Da ich aber nun auf den Geschmack gekommen war, war ich bereit für ein neues Abenteuer. Dies war nun Renate. Ich habe sie durch den Manta-Club kennengelernt, den ich gegründet hatte. Sie war hoch auf den Beinen, blond und sah gut aus. Sie war eigentlich das, was ich dachte, nie zu bekommen, denn es fehlte mir in manchen Beziehungen an Selbstvertrauen. So war es für mich kaum zu glauben, dass sie – sie lebte in Scheidung und hatte eine eigene kleine Wohnung in Mehlem – an mir Interesse zeigte. Zu dieser Zeit erfuhr ich nun mehr über Gut und Böse, so nenne ich es einmal.
Renates Mutter war zuckerkrank und lebte auf Staatskosten. Renate, ihr ältester Bruder und die Schwester hatten einen gemeinsamen Vater, der jüngste Bruder war ein Halbbruder. Dieser Halbbruder hatte eine Lernschwäche. In einem eher schwierigen sozialen Umfeld aufwachsend, ist er das eine oder andere Mal mit Straftaten und Polizei in Konflikt gekommen, was dann auch zu Jugendstrafen führte. Die Schwester war körperlich behindert, hielt sich hauptsächlich in türkischen Kreisen auf und wurde schließl