: Sibylle Nicolai
: Pneumatischer Busen& 'n Bembel voll Baileys
: Charles Verlag
: 9783940387035
: 1
: CHF 8.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 204
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Pneuma ischer Busen& 'n Bembel voll Baileys - Sie sind die Ikonen der Frankfurter Travestie-Szene und einander spinnefeind: Rita Peperoni und Babsi Botox. Zunächst ahnt niemand, dass schon bald der letzte Vorhang für sie fallen wird. Als Folge unglückseliger Unfälle oder womöglich durch geplanten Mord? Kriminalkommissar Lauber und Marion Rühl, Reporterin vom Frankfurter Express, liefern sich bei der Aufklärung der rätselhaften Ereignisse einen Wettlauf à la Hase und Igel durch die Grauzonen der schlagzeilenträchtigen Main- Metropolen-'Society'.

Sibylle Nicolai ist Schauspielerin, TV-Moderatorin und Autorin. Sie lebt in Frankfurt/M. Zu ihren bisherigen Veröffentlichungen zählen das Koch- und Lesebuch »99 rote Rezepte«, der Politroman »Wer wählt, wird Millionär«, zahlreiche Hörspiele sowie die Komödie »Die Revolte von Rumpelstilzchen& Co. oder Die Vergrimmbesserer«. Weitere Informationen über Sibylle Nicolai und ihre Aktivitäten gibt es auf www.sibylle-nicolai.de.

Freitag, 30. Dezember 2011, 20.14 Uhr.

Rita's World, Ferdinand-Porsche-Straße, Fechenheim

»Diesen Refrain, Ihr Süßen, widme ich unserer ganz spe-ziellen Freundin B. B. aus P. - neuerdings auch Küchenfee«, juchzte Lola Fox alias Tina Turner, schüttelte exaltiert den gesträhnten Haarmopp, der sich über ihrem Gesichtsgemälde türmte, zwinkerte hinüber zum Vip-Tisch und fädelte sich wieder ein in das noch immer laufende Playback vonSimply the best:

»Du bist voll die Pest,

du gibst mir noch den Rest, wie du mich dauerstresst,

bist du der Hä-ärtetest. - Und jetzt Alle!«

»Du bist voll die Pest«, trompetete Hanni von den Müller- Mädels. Das Frettchen, das zu einem kleinen Fellknäuel ein-gerollt in ihrem Schoß lag, war diese Art von Ausbruch of-fenbar gewohnt. Es hob nur kurz das Köpfchen, dann döste es weiter.

Jetzt stimmten auch Hannis Drillingsschwestern Heidi und Henni mit ein und wippten mit ihren karottenfarbenen Kunsthaarzöpfen. Es war nicht zu überhören, dass summa-summarum 216 Lebensjahre an den Stimmbändernihrer Drei-Faltigkeit nicht spurlos vorüber gegangen waren.

Will Wüstenhagen, dessen große Zeit als Star des TV-Sen-dersKanal Hessen auch der Vergangenheit angehörte, grins-te schief und begann ebenfalls, wenn auch etwas schräg, mit zu singen.

Hätte Lola sich das nicht verkneifen können? fragte sich Marion Rühl. Sie war heute Abend ausnahmsweise mal pri-vat und nicht als Klatschkolumnistin für denFrankfurter Express inRita's World und schaute die anderen Vier am Promi-Tisch an.

Rudi Knoll, Präsident der Kalbacher Käwwern, bemerkte

aus dem Augenwinkel, dass sie ihn musterte, und gab vor, in den Anblick seines Bierglases vertieft zu sein. Seine Gattin guckte irritiert durch ihre Brillengläser.

Gerhard Sander, der Direktor der Boulevard-Bühne Bockenheim schnipste feixend mit den Fingern im Takt. Seine Frau Ilona nestelte in ihrer Handtasche.

Das zahlende Publikum in Ritas plüschigem Fechenheimer Travestie-Panoptikum wirkte etwas überfordert. Dieser Ap-pell zum Mitsingen war ein Insidergag, den außer den neun Ehrengästen am Tisch rechts vorn keiner verstand. Doch mit der Verständlichkeit haperte es bislang in dieser Show ohne-hin ein bisschen, da Lola schon seit ihrer Begrüßungs-Conférence ein nahezu zungenbrecherisches Tempo vor-legte.

Unter Lolas Perücke herrscht mal wieder Adrenalinalarm, dachte Marion, nur weil sie meint, für ein paar Frankfurter C-Promis eine Sonder-Einlage geben zu müssen. Sie kannte Lola und Rita seit Jahren, fand sie liebenswert in ihrer über-spannten Art und warb fürRita's World, wann immer imExpress ein Plätzchen frei war. Seit Lola jedoch keine Gele-genheit mehr ausließ, gegen Babsi Botox zu stänkern, hatte ihre Zuneigung einen kleinen Knacks bekommen.

Der Song war zu Ende. Vo