: Alpha O'Droma
: Elfenstress 1 - Die Schlacht am Stierhornpass Ein historisches Schlachtenepos aus fernen Landen und noch fernerer Zeit, als Helden noch Helden und der Wein noch Wein war
: Bundeslurch Verlag
: 9783963506024
: 1
: CHF 11.50
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: Fantasy
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Diese Geschichte spielt weit in der Vergangenheit, als ich, Amor do Ahpla, König von Zond, Chronist, Weltenbummler, Geschichtenerzähler und ein schlechter Mensch, ein unwissender Jüngling war, Barde in Ausbildung und noch nicht verdorben von der Welt. Mit großen Augen machte ich mich auf, sie zu erkunden, als mein Vater nach mir schicken ließ, nicht ahnend, dass wir als Entourage der großartigsten Helden unserer Historie reisen sollten, dem unsterblichen Zauberer An Togarot von Duinne, Idara von Finegrind, Shabernak, dem sagenumwobenen Elfenkönig und seiner Gemahlin, Königin Shakira, Ritterkönig Kamrau von Prack, König Fin XLVII und Zantor Granitschädel, dem Zwergenkönig, um nur die Erlauchtesten zu nennen. Erhebend war es, Zeuge zu werden, wie sich die Völker des Südens unter ihrer Führung vereinten, um der furchtbaren Bedrohung aus dem Norden Herr zu werden. Alles mündete in diese gewaltige Schlacht, die neue Helden gebar, von denen viele jedoch die Minne nicht erleben sollten, die wir heute über sie singen. An Heldensagen klebt immer Blut und selten nur das des Feindes. Es ist die Geschichte, wer wir waren, bevor wir wurden, wer wir sind, eine Geschichte von Mut, Liebe und Treue. Bis in den Tod und darüber hinaus. Hochgebildete und kultivierte Edelleute wie die Leser meiner Chroniken wissen, dass mein Duktus auch angesichts größtmöglicher Katastrophen stets ein heiterer ist. Der Grund dafür ist nicht, dass meine Werke dieserart bei den Hofschranzen in Aquilaneum besser ankommen und ich auf meine Tantiemen bedacht bin. Nein, damit ehre ich meinen Vater und seine Freunde, die Heroen dieser Chronik, welche selbst angesichts des sicheren Todes Witze rissen und ihm ins Gesicht lachten. Einige haben das sogar überlebt. Sie und die Toten lehrten mich, dass die heitere Gelassenheit den einzigen Weg darstellt, die Welt zu ertragen, ohne an ihr zu zerbrechen. Und der Wein. Ja selbstverständlich der Wein, aber warum notiert er das? Was für ein dubioses Kloster ist das hier? Närrischer Kuttenträger! Er ist zum Diktat bestellt und nicht, um mir in meine Synopsis zu pfuschen! Wie 'pathetischer Kot'? Als ob er dabei gewesen sei! Was soll ich denn schreiben? Archetypischen Erzählstrukturen folgende Helden tun sich zusammen, um den Lord der Finsternis zu besiegen, große Schlacht, Stahl, Blut, Magie, Krachbumm, viele Tote, glückliches Ende mit Bauchweh? Und hör er auf, jede verflixte Irrelevanz zu notieren, weiß er überhaupt, wie teuer Prackburger Bleiholzpapier ist? Auch noch ausfallend werden, na warte du ... Ich bitte vielmals um Vergebung, verehrte Exzellenzen, am besten lest Ihr einfach die Chronik und bildet Euch höchstselbst Euer gnädiges Urteil.

Alpha O'Droma, geboren 18.06.1963 in Berlin. Nach dem Abitur studierte er BWL/Marketing, brach das Studium ab, um dann einer Arbeit als City Boy nachzugehen (Warentermingeschäfte), Daraus ergab sich logischerweise dann eine Karriere als Berufsspieler, bis er schließlich einen Billardsalon in Kreuzberg eröffnete. Unmittelbar nach dem Mauerfall hat Alpha O'Droma alles verkauft und wanderte 1990 einen Tag nach dem Endspiel in Rom aus, um der unweigerlich folgenden Ernüchterung zu entgehen. Die schamanistische Lehre eines Sadhus in Rajastan eröffnete ihm völlig neue Sichtweisen des Universums und lehrte den elitären Schnösel dereinst Demut, denn sie entlarvte seine arrogante Rationalitätsbesessenheit als das was sie war: Angst vor der Wahrheit, die man lauthals vorgab zu suchen! Der folgende Sinneswandel trieb seine Blüten in einer langen Reise durch Asien und sich selbst. Ob als Pferdeknecht für den Maharaja von Udaipur, als Komparse in Hong Kong Filmen, als Orangenpflücker in Australien oder als schrulliger Umweltapostel im Thai-TV, immer folgte Alpha O'Droma der Maxime seines Gurus, stets zu werden und nie zu sein. Dennoch blieb ein Restzweifel im dichten Netz seines Intellekts haften: Wenn das Selbst eine Illusion ist, warum muss ich es dann so oft rasieren? Schließlich ließ er sich auf einer Insel im Golf von Siam nieder, um dort eine Schule zu bauen und Paviane zu studieren sowie viel kontemplative Zeit in buddhistischen Klöstern zu verbringen. Macht seitdem einen auf Sendungsbewusstsein, ist aber in Wahrheit nur ein bekennender Klugscheißer. Pleite gegangen 1998 mit Asienkrise. Seit 2000 wieder in Europa. Spielt gerne nackt Luftgitarre zu B52s. Sportbekloppter Hippie der guten alten epikureischen Schule. Taugt zu nichts außer Schriftsteller ...

III


Um eine große Tafel versammelt, saß eine Wand aus schwarzem Stahl, die ich unschwer als die Garde des Ritterkönigs Kamrau von Prack identifizierte. 13 Mann in schwerer Rüstung, von denen einer der König selbst war. Nur welcher? Er trug keinerlei Insignien und sah auch sonst genau so aus wie jedes andere Mitglied seiner eigenen Garde. Es musste einer der älteren Ritter sein, doch derer gab es drei.

Dann saß dort noch eine Frau von solch exquisiter Schönheit am Tisch, dass es mir den Atem verschlug. Es schien unmöglich, ihr Alter zu schätzen, sie deuchte weder jung noch alt und eine Aura des Mysteriums umgab ihre strahlende Erscheinung wie Schmetterlinge einen Berglilienstrauch.

Und dann hockte da noch ein Mann mittleren Alters in farbenfroher, fast geckenhafter Kleidung, dessen wallendes aschblondes Haar ihm in wirren Strähnen in sein markantes Gesicht hing, während er einen Weinbecher leerte: mein werter Herr Vater …

»Bürschlein, was stehst du da herum mit offenem Maul? Klapp die Kinnlade hoch und setz dich zu uns, oder shindagarische Hornissen werden noch ein Nest in deinem Mund bauen.«

Mit diesen Worten begrüßte mich die holde Maid, wobei mir ihre tiefe, rauchige Stimme auffiel, die so gar nicht zu ihrem bildschönen Antlitz passen wollte.

Kurzerhand schloss ich meinen Mund, besann mich meiner Kinderstube und vollführte einen tiefen Kratzfuß, um mich sogleich der erlauchten Herrschaft vorzustellen. Doch mein Vater kam mir zuvor: »Das, werte Freunde, ist die Frucht meiner Lenden, Amor do Ahpla, Barde in Ausbildung und seines Zeichens ein verwöhnter Hosenscheißer.

Doch wir werden ihm das Leben schon beibringen, wo könnte er besser lernen als in dieser unserer hervorragenden Gesellschaft. Und nun komm her mein Junge, in meine Arme, lass dich ansehen!«

Ich tat wie geheißen und er drückte mich kurz an sich, wobei ich seine fürchterliche Fahne roch. Dann drückte er mir einen Becher Wein in die Hand, rief der Bedienung zu, sie solle drei frische Krüge bringen, und sprach einen Toast: »Auf die Freundschaft, den Wein und das Leben!«

Die Ritter standen auf wie ein Mann, dass es nur so schepperte, und auch die geheimnisvolle Dame erhob sich, um gemeinsam mit uns »Auf die Freundschaft, den Wein und das Leben!« anzustoßen und den Becher in einem Zug zu leeren.

Dann stellte mein Vater mir die Anwesenden vor: »Diese wundervolle Frau hier ist Idara von Finegrind, so anmutig wie weise und so trinkfest wie verdorben, mit einem Wort: eine vortreffliche Gefährtin, im Kampf und in der Kaschemme. Böse Zungen behaupten, sie sei eine 1.455 Jahre alte Zauberin, doch ich sage, sie sieht keinen Tag älter aus als 1.400, nicht wahr, meine Taube?«

Madame Idara rollte mit den Augen, um sogleich schelmisch zu grinsen: »Was bist du doch für ein Charmeur!«

Ein dicker Kloß bildete sich in meiner Kehle. Dies sollte die berühmte Idara von Finegrind sein, Großmagierin und Herzdame des Unsterblichen, von der die Sagen seit anderthalb Jahrtausenden berichten? Sie schien nicht mehr als 30 Lenze gesehen zu haben und augenscheinlich müssen sich diese Gedanken nur allzu deutlich in meinem Gesicht wiedergespiegelt haben, denn sie lächelte mich gütig an und beantwortete sogleich die ungestellte Frage: »Die Leute wundern sich immer, warum Zauberer so viel älter als normale Menschen werden. Tatsächlich altern wir nur sehr langsam, denn wir kümmern uns nicht um Zeit oder Tod.

Und weil Zeit und Tod eitle Geschwister sind, ignorieren sie uns deswegen ebenfalls.«

Noch bevor ich dieses interessante Konzept zu reflektieren vermochte, fuhr mein Vater mit der Vorstellung fort: »Dieser alte Zausel dort ist Kamrau von Prack. Er unterscheidet sich von seiner Garde nur dadurch, dass er rauflustiger, dickköpfiger und übelriechender ist als die anderen zwölf. Mir deucht, nur deswegen ist er ihr König.«

Der angesprochene Monarch lachte laut, schlug dabei mit seiner stahlbewehrten Faust auf die Tischplatte, dass sämtliche Teller, Becher und Weinkrüge Polka tanzten und ihm entfuhr zum Beweis seiner Königswürde ein kräftiger, lang gezogener Wind. Dieser ließ nun auch seine Ritter in lauthalses Gejohle ausbrechen und »Heil König Kamrau!« skandieren.

In welche Gesellschaft war ich hier geraten?

Als sich das allgemeine Gelächter gelegt hatte, nahm mich mein Vater an seine Seite, schenkte mir Wein nach und begann, mir die Situation zu erklären: »Wir treffen uns hier auf Geheiß des Unsterblichen. Vor gut einem Mond weilte ich mit ihm in Shindagar, wir besuchten Elrind den Pfeil, seines Zeichens Großmeister der elfischen Bogenschützen und ein alter Freund, als uns die Nachricht aus dem Norden ereilte. Shabernak und Shalimar, die Könige der Berg- und der Waldelfen ließen nach dem Unsterblichen schicken. Dieser brach sofort auf und hieß mich, nach Süden zu reiten und hier in Elfenfurt auf ihn zu warten. Kurz darauf trafen Madame Idara und König Kamrau ein, der Zwergenkönig befindet sich ebenfalls bereits auf dem Weg, genau wie die Elfenkönige, die in Bälde eintreffen sollten, also warten wir hier auf sie.

Offensichtlich ist die Sache ernst, sonst hätte der Unsterbliche wohl kaum die Herrscher der Welt in Marsch gesetzt. Alles, was wir bisher wissen, ist, dass es Gefechte im Norden gegeben hat. Orks sind in Nordshindagar einmarschiert und haben die Bergelfen überfallen, es scheint, als stünde uns ein Krieg bevor, denn wären es nur wie üblich einige marodierende Horden gewesen, hätten die Bergelfen dies gewiss selbst erledigt.«

Besorgt hatte ich den Bericht meines Vaters verfolgt, doch eine Sache war mir nicht klar: »Wenn der Unsterbliche vor einem Mond in Shindagar weilte, wie konnte er dann so schnell den Zwergenkönig in Zalor benachrichtigen, dass dieser sich bereits auf dem Weg hierher befindet und seine Exzellenz, König Kamrau hier, der sogar bereits eingetroffen ist? Von Shindagar nach Zalor reist man allein mehr als einen Mond …«

Idara von Finegrind lächelte mich milde an: »Mächtige Zauberer wie der unsterbliche An Togarot haben ihre eigenen Wege, jung Amor.«

In just diesem Moment flackerten die Kerzen, als ein Luftzug von der Tür her wehte. Wir sahen uns um und erblickten einen schlanken und für seine Rasse sehr hoch gewachsenen Elfen, der in Begleitung einer anmutigen Elfenfrau und eines älteren Elfen den Raum betrat und uns in einer Mischung aus Neugier und Misstrauen musterte.

Mein Vater sprang auf, verbeugte sich und stellte die Anwesenden, sofern sie einander noch nicht kannten, vor: »Majestäten und Exzellenzen, lasst uns König Shabernak von Nordshindagar, den König der Bergelfen und seine liebreizende Frau, Königin Shakira begrüßen! Dieser alte Griesgram, der mit ihnen reist, ist Elrind der Pfeil, Großmeister der elfischen Bogenschützen.«

Die Anwesenden erhoben sich und wir verbeugten uns ebenfalls. Don do Ahpla fuhr fort: »Werte Gäste, die bezaubernde Idara