: Johann Wolfgang von Goethe
: 11 Dramen
: Seltzer Books
: 9781455415502
: 1
: CHF 0.10
:
: Dramatik
: German
: 402
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Eleven plays in the original German: Die Aufgeregten, Egmont, Faust, Goetz von Berlichingen, Iphigenie, Die Mitschuldigen, Die Naturliche Tochter Torquato Tasso, Satyros, Die Geschwister, and Die Laune des Verliebten. Wikipedia: 'Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar), geadelt 1782, war ein deutscher Dichter. Er forschte und publizierte außerdem auf verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten. Ab 1776 bekleidete er am Hof von Weimar unterschiedliche politische und administrative Ämter. Goethes literarische Produktion umfasst Gedichte, Dramen, erzählende Werke (in Vers und Prosa), autobiografische, ästhetische, kunst- und literaturtheoretische sowie naturwissenschaftliche Schriften. Auch sein umfangreicher Briefwechsel ist von großer literarischer Bedeutung. Goethe war ein Vorreiter und der wichtigste Vertreter des Sturm und Drang. Sein Roman Die Leiden des jungen Werthers machte ihn 1774 in ganz Europa berühmt. Später wandte er sich inhaltlich und formal den Idealen der Antike zu und wurde ab den 1790er Jahren, gemeinsam mit Friedrich Schiller und im Austausch mit diesem, zum wichtigsten Vertreter der Weimarer Klassik. Im Alter galt Goethe auch im Ausland als Repräsentant des geistigen Deutschland. Während die Wertschätzung Goethes nach seinem Tode zunächst abnahm, wurde er im Deutschen Kaiserreich ab 1871 'zum Kronzeugen der nationalen Identität der Deutschen' und als solcher für den deutschen Nationalismus vereinnahmt. Es setzte nun eine Verehrung nicht nur des Werks, sondern auch der Persönlichkeit des Dichters ein, dessen Lebensführung als vorbildlich empfunden wurde. Bis heute gilt Goethe als bedeutendster deutscher Dichter, sein Werk wird zu den Höhepunkten der Weltliteratur gezählt.'

DIE AUFGEREGTEN. POLITISCHES DRAMA IN FÜNF AUFZÜGEN. JOHANN WOLFGANG VON GOETHE


 

Personen

Erster Aufzug

Zweiter Aufzug

Dritter Aufzug

Vierter Aufzug

Fünfter Aufzug

Personen


 

Die Gräfin. Friederike, ihre Tochter. Karl, ihr Söhnchen. Der Baron, ein Vetter. Der Hofrat. Breme von Bremenfeld, Chirurgus. Karoline, Bremens Tochter. Luise, Bremens Nichte. Der Magister, Hofmeister des jungen Grafen. Der Amtmann. Jakob, junger Landmann und Jäger. Martin, Albert, Peter, Landleute. Georg, Bedienter der Gräfin.

 

 Erster Aufzug


 


Erster Auftritt (Ein gemeines Wohnzimmer, an der Wand zwei Bilder, eines bürgerlichen Mannes und seiner Frau, in der Tracht, wie sie vor fünfzig oder sechzig Jahren zu sein pflegte. Nacht.)

 

Luise, an einem Tisch, worauf ein Licht steht, strickend. Karoline, in einem Großvatersessel gegenüber, schlafend.

 

Luise (einen eben vollendeten gestrickten Strumpf in die Höhe haltend). Wieder ein Strumpf! Nun wollt' ich, der Onkel käme nach Hause; denn ich habe nicht Lust, einen andern anzufangen. (Sie steht auf und geht ans Fenster.) Er bleibt heut' ungewöhnlich lange weg, sonst kommt er doch gegen elf Uhr, und es ist jetzt schon Mitternacht. (Sie tritt wieder an den Tisch.) Was die französische Revolution Gutes oder Böses stiftet, kann ich nicht beurteilen; so viel weiß ich, dass sie mir diesen Winter einige Paar Strümpfe mehr einbringt. Die Stunden, die ich jetzt wachen und warten muss, bis Herr Breme nach Hause kommt, hätt' ich verschlafen, wie ich sie jetzt verstricke, und er verplaudert sie, wie er sie sonst verschlief.

 

Karoline (im Schlaf redend). Nein, nein! Mein Vater!

 

Luise (sich dem Sessel nähernd). Was gibt's, liebe Muhme?--Sie antwortet nicht!--Was nur dem guten Mädchen sein mag! Sie ist still und unruhig; des Nachts schläft sie nicht, und jetzt, da sie vor Müdigkeit eingeschlafen ist, spricht sie im Traum. Sollte meine Vermutung gegründet sein? Sollte der Baron in diesen wenigen Tagen einen solchen Eindruck auf die gemacht haben, so schnell und so stark? (Hervortretend.) Wunderst du dich, Luise, und hast du nicht selbst erfahren, wie die Liebe wirkt, wie schnell und wie stark!

 

Zweiter Auftritt Die Vorigen. Georg.

 

Georg (heftig und ängstlich). Liebes Mamsellchen, geben Sie mir geschwinde, geschwinde--

 

Luise. Was denn, Georg?

 

Georg. Geben Sie mir die Flasche.

 

Luise. Was für eine Flasche?

 

Georg. Ihr Herr Onkel sagte, Sie sollen mir die Flasche geschwinde geben; sie steht in der Kammer, oben auf dem Brett rechter Hand.

 

Luise. Da stehen viele Flaschen; was soll denn drinn sein?

 

Georg. Spiritus.

 

Luise. Es gib allerlei Spiritus; hat er sich nicht deutlicher erklärt? Wozu soll's denn?

 

Georg. Er sagt' es wohl, ich war aber so erschrocken. Ach, der junge Herr--

 

Karoline (die aus dem Schlaf auffährt). Was gibt's?--Der Baron?

 

Luise. Der junge Graf?

 

Georg. Leider, der junge Graf!

 

Karoline. Was ist ihm begegnet?

 

Georg. Geben Sie mir den Spiritus.

 

Luise. Sage nur, was dem jungen Grafen begegnet ist, so weiß ich wohl, was der Onkel für eine Flasche braucht.

 

Georg. Ach, das gute Kind! Was wird die Frau Gräfin sagen, wenn sie morgen kommt! Wie wird sie uns