: Sabine Engel
: Null Peilung in Kyoto
: neobooks Self-Publishing
: 9783742730145
: 1
: CHF 4.00
:
: Kinder- und Jugendbücher
: German
: 274
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was eine Geisha ist, muss ihm niemand erklären. Schließlich hängen die Mädchen der gleichnamigen Bar auch in Erikas Pommesbude ab. Aber wieso seine heimliche Freundin Kiko auf Drängen ihrer Eltern lieber Geisha wird, als wie geplant zu Toby zu ziehen und in Deutschland Medizin zu studieren, kann er echt nicht verstehen. Nur eines ist klar: Er muss nach Japan, um Kiko zu finden.

Sabine Engel hat vor vielen Jahren Physik studiert, war selbst schon öfter in Japan und mag Nudelsuppen, Sushi und alles außer Tintenfisch. Ihr Kinderbuch 'Mission mit Schwein' erschien 2013 im Baumhaus Verlag. Diesen Herbst folgt 'Der Wichtelstreik' bei Boje. Erst kürzlich wurde sie unter dem Pseudonym 'Solveig Engel' für ihren Thriller 'Neondunkel' mit dem Indie Autor Preis 2018 ausgezeichnet.

Nun wird es schwierig. Gepäck hat er keines. Aber wie um alles in der Welt soll er jetzt nach Kyoto kommen? Toby steht mitten im Flughafen von Tokio und hat keine Ahnung, wo er hin muss. Angeblich ist Narita Airport nicht der größte Flughafen der Welt. Nicht einmal der größte Japans. Der unübersichtlichste ist er bestimmt. Egal, in welche Richtung Toby auch schaut, überall sind lange Gänge, bunte Werbetafeln und davor Japaner in grauen Anzügen. Mengen von Japanern. Unmengen. Eine einzige graue Masse. Ganz automatisch legt sich Tobys Hand fester um den Riemen seines Rucksacks. Wer weiß. Vielleicht hat es hier jemand auf Touristen abgesehen. In dem Chaos würde er gar nicht merken, dass ihm jemand die Tasche klaut. Zumal alle ja irgendwie gleich aussehen. Er könnte den Dieb nicht einmal beschreiben, selbst wenn er ihm direkt ins Gesicht sehen würde. ‚Ich glaube, es war so ein Japaner.‘ Die Ermittlungsbeamten würden sich totlachen. Besser, er vermeidet solche Probleme direkt.

Vielleicht kann er jemanden fragen. Kyoto ist doch bestimmt bekannt. Nur wen? Die Japaner um ihn herum würdigen ihn keines Blickes. Sie gucken stur auf den Boden vor ihren Füßen und eilen geradeaus. Wie eine Herde grauer Büffel. Als kennen sie nur eine Richtung. Vorwärts.

„Excuse me“, ruft Toby.

Niemand bleibt stehen. Wer sollte sich in der Masse auch angesprochen fühlen? Wahrscheinlich muss er erst einen Büffel von der Herde trennen. Im übertragenen Sinn, natürlich. Toby hält seinen Rucksack fest, macht einen entschlossenen Schritt nach vorn und bereitet sich auf den Aufprall vor. Nichts passiert. Der Zusammenstoß bleibt aus. Aber der Japaner, in dessen Weg er getreten ist, sieht überrascht auf und murmelt etwas auf Japanisch. Vielleicht ist es eine Entschuldigung. 

„Excuse me. How do I get to Kyoto?“, erkundigt sich Toby höflich.

Der Mann starrt ihn verwirrt an. Dann verbeugt er sich leicht. Mit Kopf und Schultern. So ähnlich wie der Typ aus der Warteschlange. Das schwarze Schaf. Aber eine Antwort erhält Toby nicht. Immerhin deutet der Mann in eine Richtung. Toby bedankt sich artig, läuft in die angegebene Richtung und endet vor einer Werbetafel. Hier geht es nicht weiter. Etwas entnervt versucht er es erneut. Wieder weist ihm jemand stumm den Weg. Doch dieser entwickelt sich zu einer Sackgasse. So geht es weiter. Es ist zum Verrücktwerden. Die Japaner verstehen überhaupt kein Englisch. Sie verbeugen sich höflich, weisen nach rechts und dann wieder nach links. Verwirrt rennt Toby erst gegen einen Mülleimer. Dann endlich einen vielversprechenden Gang entlang. Aber nun kommen ihm alle entgegen. Als wäre er ein Geisterfahrer. Gefangen in einer Gegenstromanlage. Das kann doch nicht sein. Verzweifelt dreht er um. Er braucht eine Pause. Er muss nachdenken. Doch in dem Gewühl kann er nicht einmal atmen. Und stehenbleiben schon mal gar nicht. Die Masse schleift ihn erbarmungslos mit. Als er endlich irgendwo zwischen zwei Werbetafeln einen schmalen Spalt entdeckt, hechtet er hinein und quetscht sich