: Susanne Hanauer, Sarah Natusch, Clarissa Windfeder, Harald Weber, Jan Vehoff, Florian Fehring, Nina
: Einen Rosengarten versprach ich nie Eine Dokumentation des Bundesamtes für magische Wesen zu interspezifischen Balz- und Paarungsritualen
: Bundeslurch Verlag
: 9783963506017
: 1
: CHF 13.20
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: Fantastische Literatur
: German
: 268
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In vierzehn Geschichten der Mitarbeiter des Bundesamtes für magische Wesen treffen Sie magische Mitbürger, die sich auf ihre ganz eigene Art und Weise mit dem Beziehungsstress im alltäglichen Leben herumschlagen. Sie finden Humor und Horror, Komödie und Drama, kurz: das allzeit komplizierte Liebesleben, egal ob schwul oder hetero, wie im echten Leben auch.

Die Autorin Susanne Hanauer wurde im Jahre 1981 in einem kleinen Städtchen im beschaulichen Oberfranken geboren und wuchs dort, zusammen mit ihren drei jüngeren Brüdern auf. Im März 2008 beschloss sie, dass es an der Zeit wäre, über den Tellerrand ihrer oberfränkischen Heimat hinauszusehen und zog in die Weltmetropole am Rhein - nach Bonn. Schon von jüngster Kindheit an liebte sie Geschichten und Märchen. Besonders die Art Geschichten, die ihr Vater ihr vor dem Schlafengehen erzählte. Von den sieben gemeinen und hinterhältigen Geißlein zum Beispiel, die den armen alten Wolf solange ärgerten, bis der sich aus Verzweiflung in den Brunnen stürzte. Als sie älter wurde, war es Fantasy und Sci-Fi Literatur, die sie am liebsten las und auch begann, selbst zu verfassen. Später kamen historische und kriminalistische Geschichten dazu. Außerdem versuchte Susanne Hanauer sich am Schreiben von Gedichten. Sie besuchte mehrere Kurse für kreatives Schreiben und machte in diesem Rahmen erste Erfahrungen mit öffentlichen Lesungen. Selten sind ihre Geschichten düster oder traurig. Meist haben sie eine humoristische und augenzwinkernde Komponente, frei nach dem Motto: Lache mindestens einmal am Tag! Neben dem Lesen und dem Verfassen von Geschichten, ist das Reisen eine der großen Leidenschaften von Susanne Hanauer. 2012/2013 erfüllte sie sich einen Lebenstraum und nahm sich ein Jahr Auszeit vom Job, um die Welt zu bereisen.

Das Frühlingsgefühl auf Abwegen


Eleni Hoh


Die Tage werden endlich länger, es wird wärmer und die Menschen von Stunde zu Stunde weniger griesgrämig. Ab und an soll sich sogar schon mal ein kleines Lächeln auf das ein oder andere Gesicht gestohlen haben. Die Vöglein sind aus dem Süden zurückgekehrt und erheitern uns mit ihren Sonaten. Kein Zweifel – der Frühling ist eingekehrt. Und doch – irgendwas scheint zu fehlen … aber was denn nur?

Aber von vorne. Die ganze Angelegenheit beginnt viel früher, im späten Winter nämlich. Zu Zeiten, zu denen der Rhein noch fröhlich aus seinem Bettchen tanzt, anstatt brav darin zu schlummern, und die Graugänse noch nicht einmal an Rückkehr denken, sitzt das kleine Frühlingsgefühl – beneidenswerterweise – behaglich im Warmen. Während es im Frühling für menschliche Hormonausbrüche und einige mehr oder minder dauerhafte neue Beziehungen sorgt, versteckt es sich nämlich das übrige Jahr auf Madeira – auch als »Insel des ewigen Frühlings« bekannt. Dort erfüllt es, was es im Rheinland nur zu Zeiten des Lenzes vollbringt. Weshalb die Bewohner der Insel auch stets ein wenig verliebt sind. Doch das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls sind für die anderen Jahreszeiten eigene Gefühle zuständig. Im Sommer herrscht die Abenteuerlust, im Herbst die Behaglichkeit und im Winter die Winterdepression. Die Zuständigkeiten dahingehend sind, wie könnte man es anders erwarten, genau nach Vorschrift geregelt. Deshalb, und auch weil es ihm im Sommer ohnehin viel zu heiß bei uns wird, hat sich das Frühlingsgefühl wie immer in seinem Rest-Jahres-Domizil gemütlich eingerichtet.

Ende Februar, Anfang März fängt es sodann an, den Wetterbericht für Bonn und die Region zu sichten. »Wieso ausgerechnet Bonn?«, möchte man sich vielleicht fragen. Natürlich hätte es sich überall in Deutschland niederlassen können. Doch die Rheinländer mit ihrer vergnügten Art erinnern es immer ein bisschen an sich selbst. Auf Bonn direkt wiederum fiel die Wahl, weil es sich ohnehin beim Bundesamt für magische Wesen zurückmelden und seine Gewerbeerlaubnis verlängern muss, sodass sich der Standort einfach wunderbar anbietet. Das Frühlingsgefühl ist, ob man es glaubt oder nicht, sehr praktisch veranlagt.

Jedenfalls wartet es jedes Jahr, bis das erste Mal Sonnenstrahlen und eine Temperatur von exakt achtzehn Grad Celsius angesagt werden, kontrolliert zur Sicherheit noch kurz den Regenradar, dann macht es sich auf die Reise. Es lässt sich von einer sanften Frühlingsbrise in die Lüfte wirbeln, nimmt Kurs aufs schöne Bonn, wo es gewohnheitsgemäß nach ungefähr drei bis vier Stunden ankommt.

In diesem Jahr aber soll alles anders werden.

Unterwegs in den Lüften wundert sich das Frühlingsgefühl. Auf einmal sind, ganz klar erkennbar, die Lichter des Bonner Münsters zu sehen! Da dort ja sein Ziel liegt, eigentlich nicht weiter verwunderlich.

Was aber sehr wohl verwunderlich ist: die Reisedauer. Es verfügt normalerweise über ein ziemlich gutes Zeitempfinden. Merkwürdigerweise scheint es ihm aber diesmal, als habe es Bonn viel schneller erreicht als sonst. »Hm, vermutlich habe ich einfach länger gedöst, als ich dachte. Das dort unten sind die Münsterlichter, keine Frage.« Mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch leitet es die Brise zur Landung an. Kaum abgesetzt, entschwindet diese auch schon wieder in die Lüfte.

Aber halt! Was ist das? Es ist kein Münster zu sehen. Kein Heiliger Florentius, kein Heiliger Cassius, die ihm zur Begrüßung zuzwinkern. Erschrocken will das verwirrte Frühlingsgefühl die Brise zurückrufen, doch es ist zu spät. Die Brise ist weitergezogen …

Puck kichert fröhlich vor sich hin. Erst vor einigen Tagen ist er zu einer Europarundreise aufgebrochen, um Jux und Schalk zu verbreiten. In seiner letzten Heimat in Nordirland ist ihm langweilig geworden, denn man kennt ihn dort mittlerweile – kaum jemand fällt noch auf seine Streiche herein. Zeit also, aufzubrechen und sich neue »Opfer« zu suchen.

Kaum hat er Frankreich hinter sich gelassen und Kurs auf Spanien genommen, hört er auf einmal ein leises Schnarchen. Wer kann das sein, hier oben in den Lüften? Normalerwei