Zwischen den Atemzügen
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Britta Röder
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Zwischen den Atemzügen
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Acabus Verlag
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9783862823000
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1
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CHF 9.90
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Erzählende Literatur
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German
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231
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF/ePUB
Olli findet seinen Job in der Versicherung 'zum Kotzen' - was er leider direkt auf dem Schreibtisch seines Chefs unter Beweis stellt. Kopflos flieht er aus dem Büro und wird dabei beinahe von Leokadia überfahren. Auch sie hat ihre Gründe eilig aus Frankfurt herauszukommen. Olli springt zu ihr ins Auto und ein irrsinniger Roadtrip Richtung Frankreich und Spanien beginnt, in dessen Verlauf der Tod immer öfter seine Hände nach ihnen ausstreckt. Und schon bald zählt auch der Polizist Jean-Loup zu ihren Verfolgern ... Gibt es ein Entkommen in einer Welt, in der letztendlich nur auf den Tod und den Zufall Verlass ist?
1967 in Trier geboren und in Mainz aufgewachsen, studierte Britta Röder bis zum Magisterabschluss in Mainz und Dijon Romanistik und Slavistik sowie Mittlere und Neuere Geschichte. Sie arbeitet in Frankfurt/Main bei einem großen Fachzeitschriftenverlag und lebt in Südhessen, zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter. Ihre eigene große Leidenschaft zur klassischen Literatur inspirierte sie zu ihrem Debüt-Roman 'Die Buchwanderer', der 2011 im ACABUS Verlag erschien. Auch mit 'Zwischen den Atemzügen' (2014), ihrem zweiten Roman, schickt sie ihre Leserschaft auf eine Reise. Verfolgt von Tod und Zufall jagen ihre Protagonisten im Laufe einer irrwitzigen Roadstory von Frankfurt/Main quer durch Frankreich bis nach Spanien. Ob es ihnen am Ende gelingen kann, einen Ausweg aus dem engmaschigen Netz zu finden, das das Schicksal um sie gespannt hat? 'Ich mag Geschichten, die einen doppelten 'philosophischen' Boden haben. Denn auch im wahren Leben stecken jede Menge solcher Rätsel.' (Britta Röder, Juli 2014)
Aus Kapitel 1: Olli nahm Anlauf. Entschlossen legte er die Hand auf den Türgriff, atmete tief durch und trat schließlich mit so viel Verachtung durch die Wohnungstür, als würde er draußen seinem Todfeind entgegentreten. Bereits der morgendliche Weg zur Arbeit erfüllte ihn systematisch mit Ekel. Ihn nervte der stinkende Lärm der Autos, das metallische Quietschen der Straßenbahn vor seinem Haus, das bedrohliche Aufheulen der Motorräder. Das Gedränge in der S-Bahn widerte ihn an. Das tumbe Gestampfe, das seinen Mitreisenden aus den Kopfhörern quoll, belästigte ihn, ebenso wie das dumme Handy-Geschwätz der Leute, das desto dümmer es war, desto lauter klang. Er hasste die regelmäßigen Verspätungen durch die er sich genötigt fühlte zu rennen, wollte er seinen Anschluss nicht verpassen. Er hasste es, wenn ihm dabei langsamere Passanten vor die Füße liefen und er gezwungen war, ihnen auszuweichen, wollte er vorwärtskommen. Aber am meisten hasste er, dass ihn am Ende dieses mühsamen Weges nichts anderes erwartete als ein weiterer langweiliger Tag völlig sinnlosen Tuns. Abgekämpft erreichte er das große Bürohaus, in dem sich die Versicherung befand, bei der er arbeitete. Routiniert zog er am Eingang seine Plastikkarte durch den Scanner. Mit einem satten Summen sprang die schwere Glastür auf und er trat ein. Acht qualvoll lange Stunden lagen ab diesem Moment noch vor ihm. Bis in den sechsten Stock hinauf stieg er zu Fuß. Auf die anfeuernden Morgengrüße der Kollegen, die man im Fahrstuhl traf, konnte er gerne verzichten. Zum Glück war er der Erste auf seiner Etage und erleichtert darüber, noch nicht den prüfenden Blicken der anderen ausgesetzt zu sein, warf er zuerst seinen PC und dann die Kaffeemaschine an. Zwar hatte er keinen Grund zu der Annahme, dass man ihn ausspionierte, aber sein täglich mühsam vorgeschütztes Interesse an allen Themen, die mit seiner Arbeit zu tun hatten, gaben ihm das verzweifelte Gefühl ein Hochstapler zu sein. Diszipliniert kompensierte er sein mangelndes Interesse durch stumpfen Fleiß. Doch da er dort, wo seine Kollegen ehrlichen Spaß an ihrem Tun aufbrachten, nur eine absolute Leere empfand, fühlte er sich wie ein vom Glauben abgefallener Sünder umgeben von Gläubigen, und jeder Tag, an dem er sein Versteckspiel fortsetze, mehrte sein schlechtes Gewissen. Als seine Kollegen eintrafen saß er bereits tief über seine Tastatur gebeugt und schützte großen Eifer vor. 'Morgen Olli, alter Streber', begrüßte ihn sein Kollege Jo Gabor. 'Bist ja schon fleißig. Konntest es wohl kaum abwarten!' Der spöttische Unterton gehörte zu ihrem allmorgendlichen Ritual. 'Nur der frühe Vogel fängt den Wurm', konterte Olli wohlwissend, dass Jo Gabor um keine Antwort verlegen sein würde. 'Der frühe Vogel kann mich mal', lachte sein Gegenüber und ließ sich schwungvoll auf seinen Schreibtischstuhl plumpsen. Olli mochte den immer gut gelaunten und schier unermüdlichen Gabor, der sogar dann noch einen humorvollen Spruch auf den Lippen hatte, wenn er schimpfte. Mit seinen gut vierzig Jahren befand sich Gabor noch immer im hierarchischen Mittelfeld. Er hatte bereits dutzende jüngere Kollegen eingearbeitet und auf der Karriereleiter an sich vorbeiziehen sehen, aber da er seinen mangelnden Ehrgeiz ganz offen zur Schau stellte und sich dadurch noch nie jemandem in den Weg oder irgendeine Autorität in Frage gestellt hatte, war er bei Kollegen und Chefs gleichermaßen beliebt. Aufgrund seines Alters war er mit vielen Vorgesetzten per Du, die sich mit ihm auf Augenhöhe unterhielten. Dass er nicht der fleißigste in der Truppe war, galt als offenes Geheimnis, störte allerdings keinen. Niemand stellte Jo Gabor in Frage. Am allerwenigsten Gabor selbst. Olli beneidete ihn. [...]
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II
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III
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IV
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Die Autorin
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