: Regine Merz
: Sind HIV-spezifische Parameter in Patientenbildern sichtbar und wie lassen sich diese interpretieren?
: Herbert Utz Verlag
: 9783831640201
: 1
: CHF 24.80
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 118
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Kunsttherapie als junge Disziplin ist aufgefordert, die therapeutische Wirksamkeit zu begründen und methodische Anwendungen zu legitimieren. Die Besonderheit der hier beschriebenen Studie ist die Anwendung von standardisierten psychologischen Testmethoden zum Nachweis der Wirksamkeit von Kunstterapie für Menschen mit HIV und AIDS. Die methodologische Vorgehensweise basiert auf der ICH-GCP Leitlinie, einem internationalen Standard für die Planung, Durchführung und Dokumentation von klinischen Studien am Menschen. Die detaillierte Studie vermittelt einen innovativen und erfolgversprechenden Weg zur Etablierung von Kunsttherapie in dem bisher wenig beachteten Bereich der HIV-Infektion.
Kunsttherap e kann einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der psychischen Belastung und der Lebensqualität für Menschen mit HIV und AIDS leisten. Die von der Autorin initiierte und durchgeführte Studie ist ein erster wesentlicher Schritt, weitere wissenschaftliche Forschung ist notwendig, um den Stellenwert von Kunsttherapie im Bereich HIV/AIDS zu bestimmen.
6. Zusammenfassung (S. 81-82)

Das Krankheitsbild der HIV-Infektion stellt eine tiefgreifende Veränderung des gesamten Menschen, seiner Physis, Psyche und seines sozialen Umfeldes dar. Die medizinische Behandelbarkeit der viralen Infektion des Körpers ist nur ein Aspekt des komplexen Krankheitsbildes. Kunsttherapie bietet Menschen mit HIV und AIDS eine Therapieform an, die zu jedem Zeitpunkt des Krankheitsverlaufs auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten eingeht. Kunsttherapie steigert die Lebensqualität und fördert das körperliche Wohlbefinden.

Die individuellen Bedürfnisse der HIV-Patienten werden in der Kunsttherapie ausgedrückt und bearbeitet. Auch bei thematischen Vorgaben fließt die Persönlichkeit des Malenden mit in die Gestaltung ein. In der hier vorgelegten Studie konnte das besonders auffallend bei dem Thema Stillleben beobachtet werden. Es entstanden Bilder, die den persönlichen Bezug zum individuellen Umfeld zeigen. Ebenso spiegeln sich die ständig wechselnden Herausforderungen im Krankheitsverlauf in dem künstlerischen Ausdrucksgeschehen. Die Frage nach den HIV-spezifischen Parametern in den Bildern verlangt eine differenzierte, den unterschiedlichen Krankheitsstadien entsprechende Betrachtungsweise.

Zur Erkenntnisgewinnung wurden bei der hier vorgelegten Studie zwei unterschiedliche Methoden herangezogen Es wurden standardisierte Testmethoden und empirische Datenerhebungen durchgeführt. Die statistische Auswertung des Profile of Mood States erfasste die aktuelle Stimmung aller Probanden vor und nach der Kunsttherapie. Da die Studie nach vier Settings abgeschlossen war, eignete sich dieser Test zum Erfassen der aktuellen Stimmungslage. Bei allen abgefragten Items konnte eine kurzfristige Stimmungsverbesserung nach der Kunsttherapie, sowohl bei der Verum- als auch bei der Vergleichsgruppe nachgewiesen werden.

Der speziell für HIV-Patienten entwickelte Essener Coping Questionnaire zeigt die bevorzugt verwendeten Krankheitsverarbeitungsstrategien. Entscheidend bei der Auswertung ist die Differenzierung nach den Krankheitsstadien. Die Einteilung der Probanden gemäß der CDC-Klassifikation (A, B, C) verdeutlicht das unterschiedliche Copingverhalten. Jede Phase der Erkrankung stellt spezifische Herausforderungen und erfordert eine spezielle Bewältigungsstrategie.

Der empirische Teil der Studie beschäftigt sich mit der Auswertung der Tagesprotokolle und der Analyse der entstandenen Werke. Eine Einteilung der Exponate entsprechend dem Krankheitsstadium des Schöpfers verdeutlicht den unterschiedlichen gestalterischen Stil während der einzelnen Krankheitsphasen.Ähnlichkeiten im künstlerischen Ausdruck der Teilnehmer des asymptomatischen Stadiums und der Vergleichsgruppe lassen sich nachweisen, ebenso die Entwicklung zu einem spontanen und direkten Ausdruckstil im weiteren Verlauf der HIV-Infektion. Künstlerische Perfektion verliert an Wichtigkeit, während die Auseinandersetzung mit den inneren Bildern an Bedeutung gewinnt. Zu den Parametern, die sich anhand von rein formal-ästhetischen Kriterien finden lassen, gehören wesentlich die Farbigkeit und der emotionale Gesamtausdruck.

Die Farbgebung im fortgeschrittenen Stadium konzentriert sich auf die Verwendung von ungemischter Primärfarbe, die nuancenlos aufgetragen wird und den Bildinhalt der Leere unterstreicht. Die aktive Suche nach sozialer Einbindung, die Aufrechterhaltung oder Neuschaffung sozialer Kontakte als Copingstrategie wird beim Auftreten von HIV-spezifischen Krankheitssymptomen ab dem Stadium B bevorzugt. Die prägenden thematischen Faktoren für das Ausdrucksgeschehen werden durch die Analyse der Tagesprotokolle und der durchgeführten standardisierten Fragebögen, insbesondere durch den Essener Coping Questionnaire, aufgedeckt. Beide Methoden ergänzen sich auf diese Weise. "
Danksagungen6
Inhaltsverzeichnis8
Abbildungsverzeichnis10
1. Einleitung Kunsttherapie12
1.2 Epidemiologie der HIV-Infektion13
1.3 Übertragungswege14
1.4 Krankheitsverlauf15
1.5 Kunsttherapeutische Intervention in der Praxis bei Menschen mit HIV und AIDS17
1.6 Fallbeispiele aus dem kunsttherapeutischen Projekt HIV-ART19
1.6.1 Fallbeispiel 119
1.6.2 Fallbeispiel 221
1.7 Stand der Forschung im Bereich Kunsttherapie und HIV/AIDS23
2. Aufgabenstellung26
3. Material und Methoden27
3.1 Das kunsttherapeutische Projekt HIV-ART27
3.1.1 HIV-ART und Öffentlichkeitsarbeit29
3.1.2 Kunsttherapie aus Sicht eines Teilnehmers von HIV-ART29
3.2 HIV-ART STUDY31
3.2.1 Studienablauf31
3.2.2 Studienteilnehmerkollektiv32
3.2.3 Ein- und Ausschlusskriterien32
3.2.4 Vergleichsgruppe32
3.2.5 Kunsttherapeutisches Setting33
3.2.7 Datenschutz36
3.2.8 Ethikkommission36
3.3 Trial Master File36
3.3.1 Exposé37
3.3.2 Prüfplan oder Studienprotokoll (Protocol)37
3.3.3 Patientenaufklärung und Einwilligungserklärung (Patient Brochure and Informed Consent)37
3.3.4 Prüfbogen (Case Report Form/CRF)37
3.3.5 Ausschlussbogen (Drop Out Form)38
3.3.6 Tagesprotokoll (Documentation)38
3.3.7 Anhang38
3.4 EudraCT-Nummer38
4. Ergebnisse39
4.1. Probandenrekrutierung39
4.1.1 Charakteristika des Studienteilnehmerkollektivs40
4.1.2 Verumgruppe40
4.1.3 CDC-Klassifikation41
4.1.4 Vergleichsgruppe42
4.1.5 Bildungsniveau43
4.2 Datenerhebung und Auswertung44
4.2.1 Ergebnisse der kunsttherapeutischen Intervention44
4.2.2 Ähnlichkeit des ersten und letzten Bildes44
4.2.3 Ergebnisse der Tagesprotokolle47
4.2.4 Ergebnisse des Profile of Mood States Fragebogens51
4.2.5 Ergebnisse des Essener Coping Questionnaires54
4.2.6 Ergebnisse der Bildanalyse59
4.2.7 Merkmale der Krankheitsprogression61
4.3 Exemplarische Darstellung anhand von Fallbeispielen63
5. Diskussion69
5.1 Statistische Datenerhebung und Auswertung69
5.1.1 Profile of Mood States69
5.1.2 Essener Coping Questionnaire70
5.2 Empirische Datenerhebung und Auswertung72
5.2.1 Beobachtungen72
5.2.2 Kunsttherapeutische Intervention75
5.2.3 Tagesprotokolle77
5.2.4 Bildanalyse79
5.3 Literaturrecherche81
5.4 Perspektiven für die weitere Forschung81
5.5 Ausblick82
6. Zusammenfassung84
7. Literatur86
8. Publikationen der Autorin93
8.1 Poster Präsentationen94
8.2 Vorträge95
9. Anhang96