: Liselotte Hermes da Fonseca, Thomas Kliche (Hrsg.)
: Verführerische Leichen verbotener Verfall - 'Körperwelten' als gesellschaftliches Schlüsselereignis
: Pabst Science Publishers
: 9783899671698
: 1
: CHF 21.70
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: Allgemeines, Lexika
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
"Durchsichtige Leichenscheiben als Wohnungsschmuck. -"" Schön wie bunte Kirchenfenster"" , so Gunther von Hagens. Seit 1997 sind die durch das Verfahren der Plastination konservierten Leichen einem Millionenpublikum in der Ausstellung"" Körperwelten"" gezeigt worden. Hieß es 1997 noch, die durch die neue Technologie der Plastination hergestellten"" individuellen"" Körperpräparate würden nur an seriöse wissenschaftliche Institute verkauft, sollen sie heute in"" Fließbandproduktion"" hergestellt werden und für jede Privatperson"" günstig"" zu kaufen sein. Vom"" wissenschaftlichen, echten, unterhaltsamen Bildungsobjekt"" der"" Körperwelten"" und ihrem offiziellen Ziel einer"" Demokratisierung des Wissens"" haben sich die sogenannten"" Plastinate"" aus toten Körpern zum Konsumangebot eines globalen Privatkonzerns gewandelt.Trotz anfänglich heftiger Diskussionen und unzähliger Medienberichte gibt es bislang kaum grundlegende Analysen dieser Entwicklung und der mit ihr verbundenen Verschiebungen gesellschaftlicher Werte und Normen. Die neue Technologie der Plastination, die auf den menschlichen Körper zugreift und offen beansprucht, unser Menschenbild wissenschaftlich, kulturell, politisch und religiös umzuprägen, scheint vielmehr zur akzeptierten Normalität geworden zu sein. Die Beiträge des vorliegenden Bandes gehen den wissenschaftlichen und epistemologischen Zielen und Strukturen der Plastinationstechnologie nach und zeigen ihre tiefgreifenden gesellschaftlichen Einflüsse. Sie verdeutlichen die mit der Bewirtschaftung der Leichen verbundenen Definitionsverschiebungen von Leben, Tod, Körper, Seele, Person, Individualität und Würde und zeichnen nach, wie die Inszenierungen der"" Körperwelten"" auf existentielle Gefühle, Erfahrungen und Hoffnungen zugreifen und neue Deutungen dafür suggerieren. Dabei wird deutlich, dass die von der Ausstellung gebündelten und verstärkten Prozesse keineswegs abgeschlossen sind, sondern uns vor wesentliche Entscheidungen über unsere Ethik, unser Verständnis unserer Körper und Seelen und unser Zusammenleben stellen."
Inhaltsverzeichnis6
„ Lifeseeing“ in den „Körperwelten“. Entwicklungsgeschichte „ schöner Leichen ohne Verfallsdatum“8
Eine persönliche Versenkung in Tod, Leiche und Autopsien Memento mori ...28
Die „ Würde der Leiche“ ist unantastbar Aspekte des Zusammenbruchs eines Menschenbildes47
Jenseits des Anstands – Ein Versuch über Anstand, Abstand und Transformation66
Tod. Tote. Tabu. Reflektiert in der Sprache Antigones, Hölderlins, Freuds, Lacans74
Seelige Erinnerungen – ein Essay über verkörperte Memoria100
Vom Umgang mit toten Körpern: Zur Geschichte der Bestattungskultur in der Neuzeit114
Der Leichnam und die Religion Theologische und religionsgeschichtliche Aspekte zum Umgang mit dem toten Körper126
Theatrum anatomicum: Zur Dramaturgie einer Körperöffentlichkeit141
Die Konstruktion des Echten: Das Körperbild der Ausstellung „ Körperwelten“*184
Sehen und erkennen. Zum Blick, der ( bestimmtes) Wissen schafft218
Reflexionen auf Weiß Zum geblendeten Wissen und seiner Darstellung244
Ungleiche Konkurrenzen „ Die Faszination des Echten“ ästhetisch betrachtet284
Auferstehungsmärkte: Zur Ökonomie von Körperteilen299
Wissenschaftsexperimente mit Leichen und die Ausstellung „ Körperwelten“: Aufklärung, Kunst und Totenrecht314
Der entwendete Tod Wie sich Gunther von Hagens um den Ärger mit den Leichen windet338
Militärische Blicke: Der ausgestellte Körper zwischen Schaulust und Erkenntniswunsch. Traditionen – Tendenzen – Fragestellungen349
„Trauerlose Würfelanatomie“ als Gesellschaftsmodell. Der Verlust verschiedener Menschen und Leben in den „Körperwelten“379
Autorenverzeichnis444