: Elisabeth Kraus
: Die Universität München im Dritten Reich
: Herbert Utz Verlag
: 9783831606399
: 1
: CHF 38.10
:
: 20. Jahrhundert (bis 1945)
: German
: 671
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Entstanden im Rahmen und als erste Ergebnisse des gleichnamigen Forschungsprojekts schlägt dieser Band ein neues Kapitel in der Geschichte der Erforschung der Universität München im Nationalsozialismus auf. Der Blick richtet sich gleichermaßen auf Institutionen wie Personen, Fächer wie Fakultäten und all ihre Verhaltensweisen innerhalb des breiten Spektrums zwischen Anpassung und Widerstand. So entsteht ein großflächiger Mosaikstein, der ein detailgetreues und aussagekräftiges Bild von einer der bedeutendsten Universitäten im Dritten Reich anschaulich konturieren hilft.

Der Sammelband enthält komprimierte Examensarbeiten, Vorstudien zu umfassender konzipierten Werken sowie Aufsätze, die seit Beginn des Projekts in Workshops, Lehrveranstaltungen und Gesprächsrunden entstanden sind. Daraus entwickelten sich etliche weitere Beiträge, die in Kürze in einem zweiten, themengleichen Teil veröffentlicht werden.

»Alle Beiträge sind informativ, genau dokumentiert und, wenn möglich, miteinander vernetzt. Am Ende findet sich jeweils ein Quellen- und Literaturverzeichnis, die Lektorierung ist makellos.« (Süddeutsche Zeitung, 26.01.2007)

Friedrich Beck (1889–1934) und die Gründungsgeschichte des Münchner Studentenwerks (S. 43)

von Veronika Diem
Einführung
Die Studentenwerke sind aus dem aktuellen studentischen Leben als Institutionen in den universitären Strukturen nicht mehr wegzudenken, wenig bekannt ist jedoch ihreäußerst interessante Entstehungsgeschichte in der Zeit der Weimarer Republik. Gerade in München handelte es sich um eine der ersten studentischen Selbsthilfeeinrichtungen, ihre Gründungsgeschichte ist eng mit einer Person verbunden: Friedrich bzw. Fritz Beck. Daher wird Becks vergleichweise kurzes Leben bis zu seinem gewaltsamen Tod 1934 im Zusammenhang mit der Geschichte des»Vereins Studentenhaus München e. V.«, später»Studentenwerk München e. V.«, dargestellt.

Beck wurde nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg zur treibenden Kraft für die Gründung eines Vereins, der kriegsheimkehrende und notleidende Studenten unterstützen sollte und sich bald als so erfolgreich erwies, daß sein Beispiel auch an anderen Hochschulortenübernommen wurde. Nicht zuletzt aufgrund von Becks Wirken wurde wenig später ein zentrales Hilfswerk auf Reichsebene gegründet. Welche Intention nun verfolgte Beck mit diesem Engagement und was erreichte er damit ?

Worin lag im einzelnen seine Motivation zu solch vielseitiger sozialer Arbeit ? Welche Personen hatten ihn in dieser Hinsicht am meisten geprägt ? Soweit die Quellen es zulassen, soll zunächst Becks Jugend- und Studienzeit im Hinblick auf diese Fragen beleuchtet werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei die drei von ihm als solche bezeichneten Vorbilder: Dr. Carl Sonnenschein, Prof. Dr. Aloys Fischer und Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Foerster. Ihre Biographien und ihre Beziehung zu Fritz Beck gilt es daher zu allererst, wenn auch nur kurz, zu umreißen. Im Zentrum des Beitrags aber steht die Gründung des Vereins 1920 und dessen Entwicklung unter Becks Leitung in den folgenden Jahren.

Wer genau wurde unterstützt, welche Formen der Unterstützungen durch den Verein gab esüberhaupt, wie konnte er sich etablieren ? Auch die Arbeit des zentralen Hilfswerks wird dabei zur Sprache kommen. Fritz Beck sah sich, den Quellen zufolge, immer wieder mit Anfeindungen vor allem von studentischer Seite konfrontiert: Was könnten die Gründe dafür gewesen sein ? Um welche Kreise handelte es sich hierbei genau ? In diesem Zusammenhang wird dann auch Becks Verhalten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 sowie seine Ermordung kaum ein Jahr später, in der Nacht des 30. Juni 1934, im Rahmen des sogenannten»Röhm-Putsches«, beleuchtet und geklärt werden, wie die Verbindung Becks zu Röhmüberhaupt zustande kam und unter welchen Umständen Beck Opfer des Mordkomplotts gegen Röhm wurde.

Im Gegensatz zur Bedeutung des weitumgreifenden und prägenden Wirkens von Beck ist die historiographische Beschäftigung mit ihm denkbar gering: Auskunftüber sein Leben gaben bisher lediglich zwei eher kleine Jubiläumsschriften aus Kreisen der Landsberger Studentenschaft und verschiedene kurze, nach 1945 entstandene Artikel, zumeist in Zeitschriften des»Studentenwerks München« und des»Deutschen Studentenwerks«, die jedoch nicht mit Quellenangaben versehen sind.

Die vorliegende Studie basiert dagegen vor allem auf der erstmaligen Auswertung von Unterlagen,über die das heutige Münchner Studentenwerk verfügt, darüber hinaus auf Quellen aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv (BayHStA), dem Staatsarchiv München (StAM) und dem Archiv der Ludwig-Maximilians- Universität München (UAM).

Diese werden durch Literatur zur Geschichte des»Deutschen Studentenwerks« sowie Jubiläumsschriften der entsprechenden Münchner Einrichtung ergänzt. Die Quellen sind jedochäußerst heterogen und von denkbar unterschiedlichster Aussagekraft.

Inhalt6
Einführung8
Hans Nawiasky und die Münchner Studentenkrawalle von 193116
Einführung16
Die Münchner Universität in der Weimarer Republik17
Die Ereignisse Kurzbiographie Nawiaskys20
Vorspiel im »Verein für das Deutschtum im Ausland«23
Die Studentenunruhen vom Frühsommer 193127
Die Folgen der Unruhen36
Resümee38
Quellen- und Literaturverzeichnis42
Friedrich Beck (1889–1934) und die Gründungsgeschichte des Münchner Studentenwerks44
Einführung44
Biographischer Abrifl46
Die Vorbilder49
Dr. Carl Sonnenschein49
Prof. Dr. Aloys Fischer50
Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Foerster51
Der »Verein Studentenhaus München e. V.«53
Private Studentenhilfe vor dem Ersten Weltkrieg: » Münchener Studentenhaus e. V. «54
Die Gründung des »Verein Studentenhaus München e. V.«55
Fritz Beck in der »Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft«58
Die Entwicklung des »Vereins Studentenhaus München e. V.« bis 193260
Der »Verein Studentenhaus München e. V.« nach der Gleichschaltung Bayerns65
Der Mord an Fritz Beck im Rahmen des »Röhm-Putsches«68
Resümee70
Quellen und Literatur71
Die Universitätsreitschule München von ihrer Gründung im Jahre 1927 bis zur Schenkung an die Universität München74
Einführung74
Der Gründer der Universitätsreitschule: Hermann Anschütz-Kaempfe76
Die Bayerische Reitschule AG84
Die Motive für den Bau der Reitschule87
Die Ausgangslage90
Die Suche nach einem geeigneten Grundstück92
Der Erwerb des Grundstücks und die Finanzierung der Reitschule95
Die Gestaltung der Reitanlage98
Die Annäherung an die Universität100
Die »Universitätsreitschule München«100
Der akademische Reitsport in München103
Die Schenkung an die Universität110
Die Liquidation der Bayerischen Reitschule AG110
Der Schenkungsvorgang112
Ausblick118
Quellen- und Literaturverzeichnis121
»München ruft !« – Studentenaustausch im Dritten Reich am Beispiel der Akademischen Auslandsstelle München124
Einführung124
Die Organisation des Studentenaustauschs in Deutschland Die Anfänge in den 1920er Jahren126
Gründung und Etablierung der Akademischen Auslandsstelle München130
Die Akademische Auslandsstelle München und die »Machtergreifung«134
Die Programmatik des nationalsozialistischen Studentenaustauschs Pragmatische Ziele145
Das Konzept »Verstehen zwischen den Völkern«148
Die Teilnehmer des Studentenaustauschs153
Umfang und Richtung des Studentenaustauschs153
Austauschstudenten als Objekt der Planungen159
Studentischer »Eigensinn«169
Resümee177
Quellen- und Literaturverzeichnis180
Altertumswissenschaften im Nationalsozialismus. Die Klassische Philologie an der Ludwig- Maximilians- Universität182
I. Das Seminar bis zur »nationalsozialistischen Verjüngung«187
1. Wissenschaft und Politik – Das Seminar in der Weimarer Republik187
2. Amtsenthebungen nach 1933196
Die Amtsenthebung von Berthold Maurenbrecher197
Die Amtsenthebung von Rudolf Pfeiffer202
3. Verdrängung der »alten Geheimräte«206
Hilfe für Kollegen207
Ablehnung des Nationalsozialismus210
II. Von der »nationalsozialistischen Verjüngung« bis zum Kriegsende214
1. »Nationalsozialistische Verjüngung«216
Die Berufung Rudolf Tills216
Die Berufung Franz Dirlmeiers221
Zusammenfassung227
2. Wissenschaftsbetrieb am Seminar229
Vorlesungen und Seminare230
Promotionen236
Habilitationen238
3. Das »Dekanat Dirlmeier« und das Seminar im Krieg242
III. Entwicklungen nach 1945245
Quellen- und Literaturverzeichnis248
Das Institut für Ägyptologie der LMU München im Nationalsozialismus250
Einführung250
Das Seminar für Ägyptologie an der LMU von der Gründung bis 1930250
Die Neubesetzung des Lehrstuhls und die Gründung des Seminars254
Die Affäre Kersken255
Der Aufbau des Seminars256