Übersetzungsqualität Kritik - Kriterien - Bewertungshandeln
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Larisa Schippel
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Übersetzungsqualität Kritik - Kriterien - Bewertungshandeln
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Frank& Timme
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9783865960757
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1
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CHF 19.50
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Kunst, Literatur
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German
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188
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Eine nachvollziehbare, also transparente und kriteriengeleitete Übersetzungsbeurteilung wird in dem vorliegenden Buch aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert. Für die meisten Beiträge ist der Hintergrund für den Umgang mit dem fremden Text eine skoposorientierte Betrachtung, die ihren Niederschlag in einer funktionalen Herangehensweise an die Translation und das Translat findet. Die damit verbundene Überwindung der engen Grenzen, wie sie eine äquivalenzbezogene Betrachtung lange Zeit setzte, muss in der Übersetzungskritik oder breiter gefasst, in der Diskussion über die Translationsqualität und ihre Parameter, noch ausgearbeitet werden, um zu fundierten Beurteilungskriterien auch für nicht funktionskonstante Translationen produktiv nutzbar zu werden. Dieser Band versteht sich als ein Diskussionsbeitrag dazu.
Der Autor
Larisa Schippel: Übersetzerin, Gastprofessorin am Institut für Slawistik, Humboldt-Universität Berlin. Forschungsschwerpunkte: Translationswissenschaft, Mündlichkeitstheorie, Textlinguistik, Diskursforschung.
Europäische Textsortennetze – eine translatorische Annäherung
(S. 43-44)
Larisa Schippel, Berlin
Am Beginn der folgenden Überlegungen steht die mit E. Coseriu geteilte Überzeugung, dass der Gegenstand übersetzungswissenschaftlicher Fragestellungen der Text und nicht die Sprache ist. Beim Dolmetschen wie beim Übersetzen, ebenso wie bei der Lokalisation von Web-Seiten werden Texte übertragen. „Es geht also nicht einfach darum, dass „Wörter" nicht übersetzt werden. Man muss vielmehr sagen, dass einzelsprachliche Inhalte als solche nicht „übersetzt" werden; mehr noch: dass die Übersetzung überhaupt nicht die Ebene der Einzelsprachen, sondern die Ebene der Texte betrifft (...). Nur Texte werden übersetzt; und die Texte werden nicht mit sprachlichen Mitteln allein erzeugt, sondern zugleich, in verschiedenem Maß, auch mit Hilfe von außersprachlichen Mitteln. Das ist das Grundprinzip, von dem alles Übrige bei der Übersetzung (und daher auch in der Übersetzungstheorie) abhängt."
1. Sinn und Form
Die übersetzerische Praxis wie auch die Translationstheorie kreisen nach meinem Dafürhalten nun um zwei zentrale Fragestellungen: Das sind die Frage nach dem Sinn des Textes und die Frage nach seiner Form. Bei der Interpretation des Sinns werden Anleihen bei den Nachbardisziplinen aufgenommen, sei es die Literaturwissenschaft, die Hermeneutik, die Philologie. Im Hinblick auf die Textform liefert die textlinguistische Forschung für den Translationswissenschaftler wichtige Ergebnisse hinsichtlich der (kulturspezifischen) Gestaltung der Textform. Kirsten Adamzik konstatiert nun – wie ich meine zu Recht – ein allgemeines Unbehagen an der Textsortenforschung und plädiert für eine Abkehr von der weit verbreiteten Untersuchung hoch standardisierter Kleinformen wie Kochrezept, Wetterbericht, Todesanzeige etc. Hier wer de einseitig vor allem der Aspekt der Rekurrenz in den Mittelpunkt gestellt. Abgesehen davon, dass diese Untersuchungen für die Translationswissenschaft nicht sonderlich ergiebig sind – wer übersetzt schon Todesanzeigen?, ist aber auch aus der Sicht der Textsortenforschung Adamziks Kritik zuzustimmen, dass Ergebnisse mitunter eher trivial sind.
Aussichtsreich ist die in Gang kommende Beschäftigung mit Textsortennetzen, die davon ausgeht, dass Texte und Textsorten (...) nicht verbindungslos nebeneinander (stehen), sondern (...) ein Gesamtsystem (bilden), innerhalb dessen sie einen bestimmten Platz und Stellenwert haben".2 Josef Klein hatte bereits 1991 festgestellt, dass die bisherige Textsortenforschung vergleichend und subsumierend sei, und kritisiert, dass diese „methodische Fixierung auf das Vergleichen und Subsumieren (...) den Blick für andere Relationen getrübt (habe) – und zwar gerade für diejenigen Relationen, die in der kommunikativen Wirklichkeit zwischen Textsorten fungieren. Wenn Textlinguist(inn)en feststellen, dass z.B. die Textsorten x und y zur Textsortenklasse Erzähltexte gehören, oder wenn sie die Ausprägung eines bestimmten Sets von Merkmalen bei den Textsorten 1-n vergleichen, dann wird der Zusammenhang zwischen ihnen erst in der wissenschaftlichen Analyse konstituiert. Demgegenüber bestehen – etwa zwischen den Textsorten ‚Gesetzesentwurf’ und ‚Ausschussbericht’ im Rahmen eines Gesetzgebungsverfahrens oder zwischen Werbeprospekten und Zeitungsanzeigen im Rahmen eines Wahlkampfes – funktionale Zusammenhänge vor und unabhängig von wissenschaftlicher Analyse."
Klein plädiert daher für einen methodischen Wechsel zur Untersuchung der funktionalen Verknüpfung von Textsorten innerhalb von Interaktionssystemen.
Inhalt
6
Vorwort
8
Translationsqualität aus funktionaler Sicht (Nord)
12
0. Einleitung
12
1. Was ist funktionales Übersetzen?
16
2. Was ist ein Übersetzungsfehler?
18
3. Klassifizierung von Übersetzungsfehlern
19
4. Gewichtung von Übersetzungsfehlern
24
5. Aus Fehlern lernen – Korrektur und Bewertung als didaktisches Mittel
25
Anhang
31
Kriterien für die Bewertung von Fachübersetzungen (Ahrend)
32
1. Einleitung
32
2. Allgemeine Kriterien
32
3. Praxisorientierte Kriterien
33
4. Übersetzungszweck
35
5. Fachtextspezifische Kriterien
38
6. Besondere Schwierigkeiten bei Fachübersetzungen
39
7. Aspekte der Qualitätssicherung
41
8. Außersprachliche Kriterien
41
Europäische Textsortennetze – eine translatorische Annäherung (Schippel)
44
1. Sinn und Form
44
2. Textsortenrepertoires
46
3. Textsortennetze als Basis für Kriterien der Translatqualität
49
4. Textsorte und Kulturspezifik
50
Translatqualität – ein Konsens (Lauscher)
56
Translatqualität als Werturteil
57
Werturteil und Handeln
58
Faktoren der Bewertungshandlung
58
Die Bewertungshandlung als Zuerkennungshandlung
61
Die Gültigkeit von Werturteilen
62
Das Beispiel
62
Ausblick
70
Ein Kohärenzmodell zur Evaluierung literarischer Übersetzungen (Böhler)
76
Die sigmatische Dimension
82
Die semantische Dimension
85
Die pragmatische Dimension
88
Die syntaktische Dimension
89
Übertragung von Lyrik-Texten in Anthologien – am Beispiel slawischer Literaturen (Jähnichen)
94
1. Das übersetzungskritische Modell von Katharina Reiß
111
2. Die Skopostheorie und das Bewertungsmodell von Susanne Krasnansky- Lauscher
113
3. Das textlinguistische Modell von Eugenio Coseriu
115
4. Eigene Methode der Übersetzungskritik
119
5. Der Roman
121
6. Ergebnisse der Übersetzungskritik
122
7. Wirksamkeit der Bewertungsmethode
129
Elemente des Substandards in Viktor Pelevins Roman Capaev Pustota und ihre Wiedergabe in der Übersetzung von Andreas Tretner (Horn)
110
1. Das übersetzungskritische Modell von Katharina Reiß
111
2. Die Skopostheorie und das Bewertungsmodell von Susanne Krasnansky- Lauscher
113
3. Das textlinguistische Modell von Eugenio Coseriu
115
4. Eigene Methode der Übersetzungskritik
119
5. Der Roman Capaev i Pustota
121
6. Ergebnisse der Übersetzungskritik
122
7. Wirksamkeit der Bewertungsmethode
129
Literatur:
130
Fremdheit in der literarischen Übersetzung (Marek)
132
Einleitung
132
1. Fremdheit und Literatur
132
2. Fremdheit in der literarischen Übersetzung
137
3. Fremdheit als Motiv – Die Darstellung einer fremden Person im Roman Azazel’ von B. Akunin und ihre Übersetzung
145
Schlussbemerkung
155
Intertextualität in der Übersetzung (Laiko)
162
Verzeichnis der Autoren
186