: Denise Mina
: Blut Salz Wasser Kriminalroman
: CULTurBOOKS
: 9783959881197
: 1
: CHF 12.30
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 320
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Iain Fraser stammt aus Helensburgh. War lange weg, eine Haftstrafe absitzen. Jetzt ist er zurück. Und muss tun, was sein Boss von ihm erwartet, egal wie, egal was. Aber eine arglose Frau zu töten ist verdammt finster. Das wird Iain nicht mehr los. Inzwischen steht Detective Inspector Alex Morrow vor einem Rätsel. Die von der Polizei überwachte Roxanna Fuentecilla ist verschwunden - sehr peinlich, zumal die Spanierin in einen Fall von Wirtschaftskriminalität verwickelt ist, der dem frisch verschlankten Budget der zuständigen Ermittlungsabteilung helfen sollte. Die Leiche, die im Loch Lomond treibt, ist jedoch nicht die der Gesuchten. Morrow hat also zusätzlich einen Mordfall am Hals. Und der führt sie nach Helensburgh ... Denise Mina, in Großbritannien als Queen of Tartan Noir gefeiert, schreibt raffiniert verflochtene Pageturner mit Ecken und Kanten. Blut Salz Wasser wechselt zwischen den Perspektiven des Täters, der Ermittlerin und von Nebenfiguren und knüpft ein komplexes Panorama sozialer Wirklichkeit: eine schottische Kleinstadt kurz vor dem Referendum, eine Welt für sich - doch zugleich eine verblüffend repräsentative literarische Welt, die tiefe Einblicke in die moderne Gesellschaft gewährt.

Denise Mina, Jahrgang 1966, brach nach einer rastlosen Kindheit in Glasgow, Paris, London, Invergordon, Bergen und Perth die Schule ab, jobbte halbherzig in einer Fleischfabrik, in Bars, als Köchin und als Krankenpflegehelferin, qualifizierte sich per Abendschule fürs Jurastudium an der Universität Glasgow. Statt danach wie geplant in Kriminologie und Strafrecht zu promovieren, begann sie Kriminalliteratur zu schreiben. 2014 aufgenommen in die Crime Writers' Association Hall of Fame. Sie hat 12 Romane publiziert, außerdem verfasst sie Shortstorys, Bühnenstücke, Graphic Novels und macht TV- und Radiosendungen. Denise Mina lebt in Glasgow.

4.


Im Transporter, auf der Rückfahrt.

Tommy und Iain kehrten aus der Wildnis nach Helensburgh zurück, auf einer Straße, die durch das Postkartenschottland führte. Auf den hohen, schroffen Hügeln hängte sich Nebel über die kleinen Seen, und Regen verdunkelte die Felswände.

Iain hatte einen Widerhaken in seinem Hals. Die Frau, die tote Frau, ihr Atem steckte dort fest, nur einen Huster entfernt. Warum war sie mit ihnen mitgegangen? Was hatte sie gedacht, was passieren würde? Iain spürte, wie der Haken in seiner Kehle pulsierte und sich verengte, als wollte sie es ihm erklären. Er versuchte sich aus diesem Zustand herauszuwinden. Es war eine gute Sache, sagte er sich. Jetzt ist es erledigt, und die Schulden sind bezahlt. Aber das Gift tief in ihm drin verschwand nicht.

»Du bist so still.« Tommy beschleunigte in einer engen Kurve, das Fahrgestell des alten Transporters stöhnte. »Hat dich das fertiggemacht?« In seinem Mundwinkel zuckte ein ­Lächeln.

Tommy geilte sich daran auf, einen auf Gangster zu machen, aber er war keiner. Er war noch nie im Knast gewesen. Iain wusste, wie er sich dort aufgeführt hätte: Bei Zusammenkünften hätte er sich in seiner Zelle zusammengekauert, und um Schutz zu erhalten, die Unterhosen irgendeines Verbrechers mit der Hand gewaschen.

Iain hatte lange eingesessen. Er war immer der Schläger für einen wichtigeren Mann gewesen und hatte seine Zeit mit Würde abgesessen. Er war jetzt seit acht Monaten draußen, aber im Kopf immer noch Seifenspender.Seifenspender: ein Gefangener, dem man anvertraute, Hygieneartikel und Stifte zu verteilen. Seifenspender standen irgendwo zwischen Schließern und Gefangenen. Sie waren der moralische Kompromiss, der das gesamte System am Laufen hielt. Sie waren die geschmähten Bewahrer der Ordnung. Jeder fühlte sich ihnen überlegen, das wusste Iain, aber jeder fügte sich in den Kompromiss, weil jeder etwas wollte.

Die Ordnung zu bewahren hieß nicht, eine Frau zu töten. Das war etwas anderes.

»Ist es so?«, fragte Tommy. »Hat es dich fertiggemacht?«

Iain schüttelte den Kopf.

»Sag mal, sie wird doch nicht etwa am Strand von Loch ­Lomond Shores beim Kinderkarussell angespült werden, oder?«

Das würde sie nicht. Loch Lomond war stellenweise Kilo­meter tief. Es gab nur eine Richtung: runter. Segler ohne Schwimmwesten, Schwimmer und Wochenendkanuten wurden von der Strömung hinabgezogen und durch die Kälte des tiefen Wassers gelähmt. Sie tauchten wochenlang nicht wieder auf. Manchmal tauchten sie nie mehr auf.

Iain starrte auf seine Hände. Ihr Blut klebte verdünnt an seinen Ärmelaufschlägen und unter seinen Nägeln. Das war nun einer der wenigen brauchbaren Ratschläge, die ihm ­Sheila jemals mitgegeben hatte, und er hatte ihn vergessen, als es ­darauf ankam: Salzwasser löst Blut, nur Salzwasser. Das hier war ein Süßwassersee.

Nachdem sie sie über den Bootsrand geworfen hatten, sah Iain seine blutigen Finger. Er wollte sauber sein und tauchte sie ins Wasser. Er rechnete damit, dass es warm sein würde, ein Gefühl, wie wenn man die Hände an einem kalten Wintermorgen unter die Decke steckt, aber das Wasser war stechend kalt. Er riss seine brennenden Hände heraus, die sich zu Klauen zusammengezogen hatten, und keuchte vor Schock, während ihm das blutige Wasser an den Unterarmen herunterlief. Seine Hände sahen fremd aus, als gehörten sie nicht zu ihm. Und jetzt trockneten die Ärmel in der Heizungsluft des Transporters und verkrusteten.

Sie fuhren weiter, überholten einen Waitrose-Lieferwagen.

»Ich war mal in so ’nem Waitrose-Laden. Kein