: Jenna Theiss
: Der Sissi-Mord Ein Ischl-Krimi
: Piper Verlag
: 9783492984201
: & Konarek ermitteln
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jenna Theiss lässt den letzten Vorhang fallen: Ein fein durchkomponierter österreichischer Regiokrimi aus der Sissi-Stadt Bad Ischl Ein Toter an der Orgel der evangelischen Kirche in Bad Ischl - ausgerechnet Josi Konarek findet die Leiche, als sie nach 25 Jahren für einige Tage in ihre ungeliebte Geburtsstadt zurückkommt. Der Tote ist der designierte musikalische Leiter des Musicals »Elisabeth«, das im Sommer im Rahmen des Lehár-Festivals aufgeführt werden soll. Was zunächst aussieht wie ein Herztod, stellt sich als Mord durch eine Überdosis Insulin heraus. Chefinspektor Paul Materna und sein Team ermitteln - und stoßen auf erstaunlich viele Verdächtige ...

Jenna Theiss ist geboren und aufgewachsen, wo einst Kaiser Franz Joseph und die bis heute beliebte »Sissi« Sommerferien machten - in Bad Ischl im Salzkammergut, in unmittelbarer Nähe der Kaiservilla. In Salzburg studierte sie Psychologie, Pädagogik und Musik. Schließlich verschlug es sie nach Berlin, und sie arbeitete als Therapeutin, Dozentin und Musikerin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und vielen Tieren auf einem alten Bauernhof im Berliner Umland. Neben Krimis schreibt sie - unter anderem Namen - auch Sachbücher und Artikel.  Schauplätze der Kriminalromane sind die alte Heimat: Chefinspektor Paul Materna und die Psychologin Josi Konarek ermitteln in Bad Ischl, die Kriminalinspektorin mit Superrecognizer-Fähigkeiten, Dina Stassny, und Chefinspektor Adrian Billinger in der geschichtsträchtigen Mozartstadt Salzburg. Website: https://www.jenna-theiss-krim s.com/

Donnerstag, 4. Dezember


Die Vorhänge der eleganten Villa waren zugezogen. Materna drückte die Klingel etwas länger als beim ersten Mal. Er war sich sicher, dass jemand zu Hause war.

Conni hatte gestern am späten Abend noch angerufen und berichtet, er habe Jo Aigner nicht erreicht, im Theater aber erfahren, dass er nach Ischl gefahren sei, um seine neue Flamme zu besuchen, eine Sängerin namens Elisabeth Strasser. Einer der Orchestermusiker hatte es erzählt – gewissermaßen hinter vorgehaltener Hand. Conni hatte auch schon die Adresse herausgesucht und außerdem festgestellt, dass Elisabeth Strasser die Witwe von Prof. Permanschlager war, dem verstorbenen Intendanten des Ischler Lehár-Festivals.

Diesmal läutete der Chefinspektor Sturm. Keine Reaktion.

»Da werd’n S’ kein Glück haben, junger Mann, die machen net auf«, ertönte eine krächzige Stimme hinter ihm. Er wandte sich um.

Eine alte Frau in einem dicken Wintermantel und mit einem Kopftuch über dem weißen Haar stand an der Gartenpforte des Häuschens gegenüber und schaute ihn aus hellwachen Wieselaugen an. In der Hand hielt sie ein braunes Papiersackerl. Wahrscheinlich hatte sie gerade Brot oder Semmeln geholt.

»Grüß Gott«, rief der Chefinspektor über die Straße und ging zu der Frau hinüber. »Materna heiß ich. Ich bin von der Polizei und hätt ein paar Fragen an die Frau Strasser.«

»Von der Polizei, so, so … Hat s’ was ang’stellt, die Frau Strasser?«

»Aber nein, ich muss sie nur was fragen. Sie sind …«

»Die Aitenbichler Kathi bin ich.« Eine knochige Hand streckte sich Materna entgegen. Ihr Händedruck war unerwartet kräftig.

»Wissen S’, Herr Inspektor, die machen eine Mordsheimlichtuerei da drüben. Die glaubt, die Strasserin, das merkt keiner, dass sie schon wieder a Gspusi hat, wo doch ihr Mann erst im Sommer gestorben ist. Ihr Neuer kommt auch immer erst spät in der Nacht. Ein Ischler is’ des nämlich net, sonst tät ich ihn kennen. Ich schlaf halt nimmer so gut und manchmal schau ich beim Fenster naus und da seh i schon, was los ist.«

Materna lächelte die alte Frau an. »Und heut hat die Frau Strasser auch Besuch?«

Die Aitenbichler Kathi nickte. »Ja, mitten in der Nacht is’ er kemma.«

»Danke, Frau Aitenbichler. Moment …« Er zog eine Visitenkarte aus der Brusttasche seiner Jacke und reichte sie ihr. »Nur, damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben.«

Die alte Frau nickte und steckte die Karte ein.

Materna überquerte die Straße und läutete erneut. »Aufmachen, Polizei!«, rief er ziemlich laut. Dazu schlug er mit der Faust gegen die Haustür, die sich ein paar Augenblicke später prompt öffnete.

Der Anblick der Frau, die in einem bodenlangen, roten Hausmantel aus Samt vor ihm stand, verschlug ihm fast den Atem. Eine strahlende Schönheit – wenn diese Bezeichnung auf jemanden passte, dann auf sie. Sie war wohl gerade aufgestanden. Obwohl sie kein bisschen zurechtgemacht war, strahlte ihr Teint, wie er das nur von den Titelblättern der Boulevardpresse kannte, Bilder, die mit Photoshop bearbeitet worden waren. Das dicke, goldbraune Haar reichte bis an ihre Hüfte.

»Ja, bitte?«

Ein Blick aus riesigen, hellbraunen Augen traf ihn. Er räusperte sich. »Guten Morgen«, sagte er, stellte sich vor und wies sich aus.

Sie sah ihn mit leicht schief gelegtem Kopf an und schwieg.

Diese Frau verwirrte ihn, ihre fast überirdische Schönheit, der Duft, den sie verströmte – offenbar trug sie schon am Morgen ein edles Parfüm. Aber vor allem verwirrte ihn die Tatsache, dass sie so gelassen reagierte. Es schien sie nicht weiter zu beunruhigen, ja nicht einmal zu wu