: Anna Karina Sennefelder
: Rückzugsorte des Erzählens Muße als Modus autobiographischer Selbstreflexion
: Mohr Siebeck
: 9783161556661
: Otium
: 1
: CHF 0.50
:
: Allgemeines, Lexika
: German
: 389
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Muße gilt in der europäischen Kulturgeschichte als ideale Voraussetzung für die Beschäftigung eines Subjektes mit sich selbst. Diesem Topos geht Anna Karina Sennefelder durch die Analyse französischer Erzähltexte des 19. Jahrhunderts auf den Grund. Die Bandbreite der untersuchten Autoren und Autorinnen reicht von Senancour, Chateaubriand und Stendhal bis hin zu Marie d'Agoult und George Sand. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Aspekte der Muße sie so geeignet für die autobiographische Selbstreflexion machen. Dabei zeigt sich, dass bestimmte Orte in der autobiographischen Literatur des 19. Jahrhunderts als besonders passend für die Erfahrung von Muße und für das Gelingen der narrativen Rückschau auf das eigene Leben dargestellt werden. Wesentlich geht es deshalb um die Profilierung und konzeptionelle Erfassung von 'Rückzugsorten des Erzählens'.
Cover1
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis10
Siglen13
Einleitung14
1. Muße20
1.1. Kultur,? begriffs? und literaturgeschichtliche Annäherung20
1.1.1. Muße als populärer und zugleich unscharfer Sehnsuchtsbegriff20
1.1.2. Muße als ›Orts? und Zeitretter‹25
1.1.3. Muße – Arbeit – Müßiggang: Ein axiologisches Verhältnis im Wandel33
1.1.4. Oisiveté und loisir: Zur Ambivalenz von ›Muße‹ im Französischen44
1.1.5. Oisiveté in zwei allegorischen Verdichtungen aus dem 13. und 19. Jahrhundert52
1.1.5.1. Oiseuse52
1.1.5.2. Dame oisiveté57
1.2. Zwischenfazit: Muße als Potentialfigur62
2. Muße als Dispositiv autobiographischer Selbstreflexion66
2.1. ›Oysiveté dangereuse‹ – Montaignes »De l’oysiveté«66
2.1.1. Nützliche und gefährliche oysiveté66
2.1.2. Muße und Raum: Montaigne im Turm70
2.1.3. Muße und Selbstverwirklichung im Medium der Schrift73
2.2. ›Oisiveté heureuse‹ – Rousseaus »Cinquième Promenade«76
2.2.1. ›Oisiveté des cercles‹ und ›oisiveté de la solitude‹76
2.2.2. Muße und Tätigkeit80
2.2.3. Muße und Zeiterleben85
2.2.4. Muße und Raum: Die Île de Saint-Pierre als »literarische Heterotopie«?91
2.2.5. Muße und Selbstverwirklichung im Medium der Schrift97
3. Muße als narratologische Analysekategorie104
3.1. Terminologie für eine strukturelle Bestimmung der Autobiographie104
3.1.1. ›Autobiographisch strukturiertes Erzählen‹104
3.1.2. Erzählgegenwart110
3.2. Das Zeiterleben in Muße und dessen mögliche erzählerische Abbildung118
3.2.1. Muße als intensive Gegenwartserfahrung118
3.2.2. Die Erzählgegenwart als inszenierte Zeitenklave126
3.3. Der ›Rückzugsort des Erzählens‹130
3.3.1. Die Verbindung von Muße und Ort im 18. und 19. Jahrhundert130
3.3.2. Örtliche Parameter der autobiographisch strukturierten Erzählsituation141
3.3.2.1. Überblick, Rückzug, Muße und Dialog141
3.3.2.2. Das Gedächtnis der Orte und das autobiographische Ortsgedächtnis148
3.3.3. Der ›Rückzugsort des Erzählens‹159
3.3.3.1. Rückzugsraum oder Rückzugsort? Zum Begriff des Ortes159
3.3.3.2. Die Genese des Rückzugortes: Ein memorialer Aneignungsakt162
4. Modellierungen der Rückzugsorte166
4.1. Distanzierung vom Rückzugskonzept Rousseaus166
4.1.1. Von der Île de Saint-Pierre in die hautes vallées des alpes (Senancour)166
4.1.2. Obermann kehrt Rousseau den Rücken (Senancour)178
4.1.3. Das Krähennest als Kontemplationsort (Chateaubriand)192
4.2. Topische Rückzugsorte und idiosynkratische Aneignungsformen204
4.2.1. Imenstròm: Der ideale Rückzugsort wird utopisch (Senancour)204
4.2.2. Die memoriale Aneignung von La Vallée-aux-Loups (Chateaubriand)213
4.2.3. Kensington Garden und die Sorge um den Rückzugsort (Chateaubriand)225
4.2.4. Rom und ein kleiner Hügel (Stendhal)237
4.2.5. Skizzen des autobiographischen Ortsgedächtnisses (Stendhal)251
4.2.6. Nohant und das neue Verständnis kreativen Rückzugs bei George Sand259
4.3. Rückzugsorte und Rollenkonflikte281
4.3.1. Das übervolle Gedächtnis des Orts: Marie d’Agoult in der Klosterzelle auf Nonnenwerth281
4.3.2. Das Kloster als ambivalenter Rückzugsort bei George Sand298
5. Modellierungen des Zeiterlebens in Muße310
5.1. Zeiterleben auf der Ebene des ›discours‹310
5.1.1. Die fehlende Inszenierung von ›zeitloser‹ Erzählgegenwart310
5.1.2. Die Verzeitlichung der Erzählgegenwart318
5.1.2.1. Mémoires d’outre-tombe (Chateaubriand)318
5.1.2.2. Vie de Henry Brulard (Stendhal)331
5.2. Zeiterleben auf der Ebene der ›histoire‹341
5.2.1. Mangelnde Gegenwart und Entschleunigung341
5.2.2. Mußetypisches Zeiterleben als Teil bestimmter Praktiken347
6. Ausblick auf das frühe 20. Jahrhundert und Resümee358
Abbildungsverzeichnis380
Literaturverzeichnis382
Quellen382
Darstellungen385
Personen- und Sachregister400