: Arno Strobel
: Im Kopf des Mörders - Toter Schrei Thriller
: S. Fischer Verlag GmbH
: 9783104906454
: Im Kopf des Mörders
: 1
: CHF 4.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Bei Arno Strobels Thrillern brauchen Sie kein Lesezeichen, man kann sie sowieso nicht aus der Hand legen.« Sebastian Fitzek Kommissar Max Bischoff hat Angst. Um seine Schwester Kirsten, die sich bereits seit Wochen nicht mehr sicher fühlt. Ein Unbekannter beobachtet sie, weiß, wo sie sich aufhält, schickt ihr bedrohliche Nachrichten. Und dann passiert das, was Max immer gefürchtet hat. Der Unbekannte bringt Kirsten in seine Gewalt und will Max zwingen, sich selbst zu opfern. Tut er das nicht, wird Kirsten sterben. Max Bischoff findet sich in der schlimmsten Hölle wieder, die man sich vorstellen kann. Soll er sein eigenes Leben retten oder das seiner Schwester? Ein echter »Strobel« mit einer gewohnt starken psychologischen Note und dem toughen jungen Ermittler Max Bischoff, der in seinem dritten Fall die schlimmste Entscheidung seines Lebens treffen muss.

Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Leserinnen und Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt. Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller. Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.

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Max stand reglos da und starrte auf den Brief. Er las ihn ein zweites Mal, ließ die Hand mit dem Blatt sinken, den Blick ins Leere gerichtet, und hob sie gleich darauf wieder an, während sein Verstand fieberhaft nach eineranderen Erklärung als der offensichtlichen suchte.

Ein drittes Mal hangelte sein Blick sich widerwillig von Wort zu Wort.

Bischoff!

Ich sollte dir jetzt sagen, dass deiner Schwester nichts geschehen wird, wenn du meinen Befehlen Folge leistest. Aber das kann ich nicht. Ich finde, eine derart intime Beziehung, wie wir sie in nächster Zeit zueinander haben werden, verdient schonungslose Ehrlichkeit. Deshalb sage ich dir, ganz egal, was du tust oder lässt – ich werde ihr weh tun. Die Frage ist also nicht, ob sie leiden muss, sondern, wie sehr. Und ob sie am Ende überlebt.

Du wirst bald einen Menschen töten. Entweder einen Fremden oder deine Schwester. Es liegt an dir.

Ach, und halte dich an die Regeln. Du kennst das ja: keine Polizei – außer dir natürlich – und kein Wort zu irgendwem. Sonst schicke ich dir deine Schwester zurück. Stück für Stück.

Cyrano de Bergerac sagte einst: Die Welt mag untergehen, wenn ich mich nur rächen kann.

Ich sage: Du hörst von mir.

Da erst gab sein Verstand es auf, nach Anzeichen für einen schlechten Scherz oder nach irgendwelchen anderen Erklärungen zu suchen, und akzeptierte die unausweichliche Eindeutigkeit der Botschaft. Ohne dass er etwas dagegen hätte tun können, ballten sich Max’ Hände wie im Krampf zu Fäusten, zerknüllten das Papier und ließen die Worte darauf zu einem unleserlichen Wirrwarr werden.

Ganz egal, was du tust oder lässt – ich werde ihr weh tun … Die Welt mag untergehen, wenn ich mich nur rächen kann.

Ein Name erschien plötzlich wie ein Fanal vor seinem geistigen Auge, dann ein Gesicht, vom Hass zu einer Fratze verzerrt. Der einzige Mensch, den Max kannte, der aus Rache zu so etwas fähig wäre, war Alexander Neumann. Ehemaliger Kollege, psychopathischer Mörder. Max hatte damals nicht nur den entscheidenden Hinweis geliefert, der Neumann überführte, er hatte ihn bei der Verhaftung auch im letzten Moment davon abgehalten, sich seine Dienstwaffe in den Mund zu stecken und abzudrücken, um sich dem zu entziehen, was ihn im Gefängnis erwarten würde. Polizisten rangierten im Knast noch eine Stufe unter Kinderschändern. Sie waren Freiwild, mit dem jeder machen konnte, was er wollte, und dem niemand half.

Und obwohl er eine Prostituierte nicht nur getötet, sondern sich anschließend ausgiebig und phantasievoll an ihrer Leiche vergangen hatte, war Neumann nicht in eine forensische Psychiatrie, sondern in den normalen Strafvollzug gekommen. Dafür hatte der Gutachter gesorgt, der ihn für voll schuldfähig befunden hatte. Und die Aussagen von Leuten, die ihn kannten. Auch Max’ Aussage.

Er sah Neumann wieder vor sich, die Handgelenke hinter dem Rücken aneinandergefesselt, von zwei Kollegen gepackt, die ihm die Arme noch ein Stück weiter nach hinten verdrehten, als es notwendig gewesen wäre. Einer aus ihren eigenen Reihen, der so ein abscheuliches Verbrechen beging, verdiente keine sanfte Behandlung.

Max sah wieder den hasserfüllten Blick, mit dem Neumann ihn angestarrt und in dem ein irres Feuer gelodert hatte. Hörte noch einmal seine Stimme.

Was immer jetzt kommt, ich werde es überleben. Irgendwie. Und dann komme ich zurück, und ich werde dich da treffen, wo es dir am meisten weh tut. Ich werde dir so viel Schmerz zufügen, dass du dir wünschen wirst, tot zu sei