Kapitel 1 – Taicoon / Mokupuni
Der Eine
Taicoon marschierte mit ihren fünf Freundinnen vor dem Hauptgebäude über den Hof. Sie konnte es kaum erwarten, sich an diesem wunderschönen Morgen im Dschungel körperlich zu verausgaben. Ein Übungskampf oder hartes Training wären toll, aber die Mädels wollten lieber zum Jagen – was auch seinen Zweck erfüllen würde. Der Himmel strahlte in seinem kräftigsten Blau, die Sonne brannte noch nicht zu heiß und es wehte ein angenehmes Lüftchen, das die Blätter der Palmen und Brotfruchtbäume zum Rascheln brachte.
»Eine schweißtreibende Jagd wird deine miese Laune schnell verfliegen lassen«, sagte Sila lächelnd und winkte mit ihrem Langbogen.
Barfuß und viel zu gut aufgelegt, sprang ihre beste Freundin neben ihr her. Dabei flatterte Silas schulterlanges blondes Haar um ihr hübsches Gesicht. Genau wie Taicoon, trug ihre Huntress-Schwester sehr knappe Ledershorts und ein enges, mit Nieten besetztes Bustier. Bloß strahlte Sila, im Gegensatz zu ihr, pralle Weiblichkeit aus. Solch eine volle Brust hätte Taicoon auch gerne. Sie war eher der burschikose Typ, groß und schlank, hatte kurze schwarze Haare und kaum einen Hintern in der Hose.
Egal, die Männer fuhren trotzdem auf sie ab. Sie war gut im Bett, außerdem beeindruckte es die Kerle, dass sie fantastisch mit dem Messer und vor allem mit dem Nunchaku umgehen konnte, das an ihrem Gürtel baumelte. Daher hatte sie heute auf ihren Bogen verzichtet. Sie wollte ein Wildschwein mit den beiden Hölzern erlegen. Die kurzen, mit einer Kette verbundenen Stöcke eigneten sich wunderbar zum Jagen. Mit einem gezielten Wurf auf den Kopf würde Taicoon das Tier besinnungslos machen, um es danach mit der Kette zu erwürgen. Das klang hart, aber das Wildschwein musste nicht lange leiden, und sie und ihre Schwestern fingen nur das, was ihre Gemeinschaft zum Überleben brauchte.
Ob sich Taicoon mit dem Nunchaku auch den Mann fürs Leben fangen konnte? Ihr war das noch nicht gelungen – im Gegensatz zu ihren Schwestern. Alle hatten bereits ihren Gefährten gefunden, nur sie nicht.
Na ja, das stimmte nicht ganz. Die fünf anderen Jägerinnen, mit denen sie unterwegs war, waren auch noch ungebunden. Nur machten die nicht solch ein betrübtes Gesicht, sondern lachten gerade über einen Witz, den Sila erzählt hatte. Taicoon versuchte sich ebenfalls an einem Lächeln, obwohl sie ihrer Freundin nicht zugehört hatte. Dann würde Sila hoffentlich nicht länger auf dem Thema herumreiten.
Sie wusste selbst nicht, warum sie es wurmte, noch keinen abbekommen zu haben. Vielleicht, weil die ganzen besonderen Leckerchen langsam rar wurden. Sobald Taicoon ein Warrior gefiel, fand der sein passendes Gegenstück.
Taicoon ließ absichtlich die Hüften ein wenig mehr schwingen, als sie am Eingang des Hauptgebäudes vorbeigingen, vor dem zwei bewaffnete Warrior standen. Die Wachen grinsten sie an, und Taicoon und ihre Mädels grinsten zurück. Mit dem großen Brünetten – sie hatte leider seinen Namen vergessen – hatte sie vor einer Woche eine schnelle Nummer im Dschungel geschoben, in der Hoffnung, sie würde mit wie-auch-immer-er-hieß warm werden. Er sah wirklich geil aus. Männlich, attraktiv. Leider hatte sie weder der Kerl noch der Sex richtig befriedigt. Diesem Mann fehlte das gewisse Etwas. Gutes Aussehen war eben nicht alles.
Es war wirklich verdammt schwer, Mr. Right zu finden.
Taicoon machte es nichts aus, allein zu sein. Sie würde ihr Leben aber gerne mit jemandem teilen, der sie ergänzte. Ein Kind zu bekommen, hätte ihr auch gefallen. Doch ihr war keines vergönnt gewesen, obwohl sie am Zuchtprogramm teilgenommen hatte. Genau wie Sila, die ebenfalls kinderlos war, hatte sie gleich mehrere Fehlgeburten hinter sich und hätte »ausgemustert« und auf eine der Plantagen deportiert werden sollen. Aber der Sturz des alten Regimes und der Zusammenschluss der Huntress mit den Warrior im letzten Monat hatte sie rechtzeitig vor diesem Schicksal bewahrt.
In Selbstmitleid ertrinken wollte sie aber auch nicht. Dazu war das Leben zu schön! Sie und ihre Schwestern waren endlich frei, niemand bestimmte mehr über sie und sie wohnten auf einer wunderschönen Insel, die ihnen alles bot, was sie brauchten. Außerdem naschte Taicoon gerne von mehreren Männern. Sie hatte hier schon einige Prachtkerle zwischen ihren Schenkeln gehabt. Doch auch wenn sie sich noch so taff und sexbesessen gab – insgeheim sehnte sie sich nach einem Krieger, der ihr Herz berührte, mit dem sie eng zusammengekuschelt einschlafen und gemeinsam aufwachen konnte. Nur schien so ein Mann nicht zu existieren, zumindest n