Nun starrte sie immer noch auf die vier Krieger, die bald ihre Deckung hinter der Mauer erreicht hatten. Bläulich-knisternde Funken überzogen den Körper des einen Soldaten, der zweite hielt Flammenkugeln in seinen bloßen Händen, die Augen des dritten glühten wie Kohlen und der Overall des letzten Kriegers war mit Eiskristallen überzogen.
Wie das funktionierte, wusste June nicht. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen und glaubte weiterhin, zu halluzinieren.
»Neo«, wisperte June, wobei sie nun selbst wie versteinert hinter der Mauer stand. »Lass uns wenigstens nicht wehrlos sterben.«
In diesem Moment sprang Neo brüllend auf und feuerte sein Magazin leer. Er traf mindestens zwei der Krieger, denn der mit den Glutaugen zuckte und der mit dem eisbedeckten Overall brüllte genauso wütend zurück.
June stützte ihre zitternden Arme an der Mauer auf und versuchte, mit ihren letzten drei Kugeln diese Was-auch-immer zwischen den Augen zu treffen. Als sie den Energie-Krieger erwischte, blitzte es an dessen Schulter weiß auf. Sofort streckte er den Arm aus – und ein gigantischer Lichtstrahl schoss in ihre Mauer. Schmutz und Steine regneten auf June herab und die Hälfte der Barriere fehlte plötzlich. Sie hatten keine Deckung mehr! Dennoch ließ sie den Revolver nicht los. Damit konnte sie immerhin noch jemandem den Schädel einschlagen.
Der Kristallmann machte eine ähnliche Armbewegung wie Mr. Blitz, woraufhin Neo neben ihr zu Boden ging. Ein dicker Bolzen, der aussah, als wäre er aus Eis, hatte sich genau durch sein Auge gebohrt!
Das passiert nicht wirklich, dachte June und bückte sich, um mit den Fingerspitzen den Teil des Bolzens zu berühren, der aus dem Schädel ragte. Eiseskälte betäubte ihre Haut.
Das war echt … echt! Und Neo war tot!
Abrupt richtete sie sich auf und starrte zu den Kriegern. Der Eismann drehte ihr den Rücken zu und verschwand in der Dunkelheit, als würde ihn der Kampf plötzlich nichts mehr angehen. Die menschliche Fackel schien es jedoch auf sie abgesehen zu haben.
Während Elektro und Glühauge die beiden überlebenden Häftlinge verfolgten, die schreiend nach links davonliefen, wirbelte June herum. Zu ihrer Rechten versperrten ihr die Trümmer der gesprengten Mauer den Weg, deshalb blieb ihr nur das brennende Haus als Fluchtmöglichkeit. Doch würde das einen Krieger, der selbst Feuer erschaffen konnte, aufhalten? Wahrscheinlich nicht.
Sie nahm allen Mut zusammen, holte tief Luft und lief durch die offene Tür, die nicht in Flammen stand, in das Gebäude. June machte sich auf viel Rauch und noch mehr Feuer gefasst, aber von beidem gab es hier drin kaum etwas. Offenbar hatten die Organisatoren dieses Wahnsinns nur die Fassaden der Ruinen in Brand gesteckt!
June hoffe, dass es einen Hinterausgang gab, doch überall verhinderten Schutt, zerbrochene Steine und herumliegende Mauerteile ein Durchkommen. Lediglich eine halb eingestürzte Steintreppe führte nach oben.
Dieses Szenario erinnerte sie schmerzhaft an den Tag ihrer Gefangennahme und sie hatte ein Déjà-vu. Erneut würde es für sie kein Entkommen geben, nur wartete dieses Mal der Tod durch Verbrennen auf sie. Der Flammenkrieger stand bereits in der Tür und starrte sie an. Die Feuerkugeln in seinen Händen waren verschwunden, dafür fühlte sie seinen intensiven Blick, der sich durch ihren Overall zu brennen und ihre Haut zu versengen schien. Wahrscheinlich bildete sie sich das nicht einmal ein!
Obwohl sie wusste, dass kein Wunder geschehen würde, rannte sie nach oben. Sie wollte das Unausweichliche so lange wie möglich herauszögern. Und vielleicht konnte sie den Flammenkrieger doch noch irgendwie ausschalten. Sie hatte immer noch den Revolver, den sie ihm über den Schädel ziehen konnte!
June lief in den erstbesten Raum, der weder Fenster noch eine weitere Tür besaß, und lauerte im Dunkeln auf den Warrior. Sobald er die Schwelle übertrat, würde sie zuschlagen.
Ihr Herz raste derart heftig, dass ihre Rippen schmerzten. Aber wahrscheinlich waren das eher ihre Lungen. June bekam kaum Luft, denn Panik schnürte ihr die Kehle zu.
Da es im Flur wegen der Flammen an der Fassade ein wenig hell war, erspähte sie zuerst einen großen Schatten, bevor der Krieger in den Raum trat. June zögerte keine Sekunde und holte aus, doch ein Arm des großen Kämpfers stoppte blitzschnell ihren Schlag. Sie traf lediglich seinen Unterarm.
Noch ehe sie wusste, wie ihr geschah, hatte er ihr den Revolver entrissen und in eine dunkle Ecke geschleudert. Dann packte er ihre Handgelenke und hielt sie dicht vor seiner Brust zusammen.
Mehr sah June aktuell auch nicht von ihm, weil sie viel kleiner war als er. Der Flammenkrieger hatte sie