: Frank Herbert
: Die Kinder des Wüstenplaneten Roman
: Heyne
: 9783641233587
: Der Wüstenplanet - neu übersetzt
: 1
: CHF 10.80
:
: Science Fiction
: German
: 592
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Paul Atreides, der Retter des Wüstenplaneten, ist verschwunden. In seiner Abwesenheit regiert seine Schwester Alia mit immer grausamerer Hand, bis sich schließlich die anderen Kinder von Paul Atreides gegen sie erheben. Doch der Machtkampf hat ungeahnte Folgen für den Planeten und das ganze Sternenimperium ...

Frank Herbert (1920-1986) wurde in Tacoma, Washington, geboren. Nach einem Journalismus-Studium arbeitete er unter anderem als Kameramann, Radiomoderator, Dozent und Austerntaucher, bevor 1955 sein Debütroman 'The Dragon in the Sea' zur Fortsetzung in einem Science-Fiction-Magazin veröffentlicht wurde. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm schließlich Mitte der 1960er-Jahre mit seinem Roman 'Der Wüstenplanet', der sowohl mit dem Hugo Award als auch mit dem Nebula Award ausgezeichnet wurde. Bis heute gilt 'Der Wüstenplanet' zusammen mit den Nachfolgeromanen als einzigartige literarische Weltenschöpfung, die jede Generation von Leserinnen und Lesern neu für sich entdeckt.

Muad’Dibs Lehren sind zum Spielplatz für Scholastiker geworden, für die Abergläubischen und Korrupten. Er hat eine ausgewogene Art zu leben gelehrt, eine Philosophie, mit der ein Mensch den Problemen begegnen kann, die ein sich in stetem Wandel befindliches Universum hervorbringt. Er hat erklärt, dass sich die Menschheit immer weiterentwickelt, dass sie sich in einem nie endenden Prozess befindet. Er hat erklärt, dass diese Evolution veränderlichen Prinzipien folgt, die nur die Ewigkeit kennt. Wie kann ein korrumpiertes Denken mit einer solchen Essenz spielen?

– Worte des Mentaten Duncan Idaho

Ein Lichtfleck erschien auf dem tiefroten Teppich, der den nackten Fels des Höhlenbodens bedeckte. Das Licht hatte keine erkennbare Quelle, es existierte scheinbar einzig und allein auf dem roten, aus Gewürzfasern gewebten Stoff. Es bewegte sich unvorhersehbar, ein suchender Kreis von etwa zwei Zentimetern Durchmesser, der mal eine längliche, mal eine ovale Form annahm. Als es auf einen tiefgrünen Bettkasten traf, sprang es hoch und kroch über die faltigen Laken.

Unter der grünen Decke lag ein Kind mit rostrotem Haar, das Gesicht mit den vollen Lippen noch rund vom Babyspeck. Sein Körper hatte nichts von der Sehnigkeit der Fremen, war aber auch nicht so wasserfett wie der eines Außenweltlers. Als das Licht über die geschlossenen Lider des Kindes strich, regte sich die kleine Gestalt. Das Licht verschwand.

Nun waren nur regelmäßiges Atmen und, leise im Hintergrund, das beruhigende Tropfen des Wassers zu hören, das sich im Auffangbecken der Winddestille weit oberhalb der Höhle sammelte.

Erneut erschien das Licht in dem Zimmer, diesmal etwas größer und einige Lumen heller. Seine Quelle ließ sich nun vage erkennen: Eine Gestalt in einem Kapuzenmantel stand im Türbogen des Zimmers. Von ihr ging das Licht aus. Einmal mehr glitt es durch den Raum, prüfend, suchend. Es hatte etwas Bedrohliches an sich, eine ruhelose Unzufriedenheit. Diesmal hielt es sich von dem schlafenden Kind fern, verharrte auf dem Belüftungsgitter in der oberen Ecke und tastete sich an einer Wölbung der grün-goldenen Wandbehänge entlang, mit denen der umliegende Fels verdeckt war.

Dann erlosch das Licht wieder. Ein verräterisches Rascheln von Stoff erklang, als sich die Kapuzengestalt bewegte und neben den Türbogen stellte. Jeder, der mit den Abläufen hier im Sietch Tabr vertraut war, hätte sofort erahnt, dass es sich um Stilgar handelte, den Naib des Sietchs und Wächter der Waisenzwillinge, die eines Tages das Werk ihres Vaters, Paul Muad’Dibs, fortsetzen würden. Stilgar inspizierte nachts häufig die Gemächer der Zwillinge, wobei er immer erst in das Zimmer ging, in dem Ghanima schlief, und sich anschließend hier im Nachbarzimmer davon überzeugte, dass Leto keine Gefahr drohte.

Ich bin ein alter Narr, dachte Stilgar.

Er betastete das kalte Gehäuse des Lichtwerfers und steckte ihn dann in seinen Gürtel zurück. Das Ding ärgerte ihn, obwohl er nicht ohne es auskam. Es war ein fein eingestelltes Gerät aus dem Imperium, mit dem man größere Lebensformen aufspüren konnte. In den königlichen Schlafgemächern hatte es ihm lediglich die beiden sc