: James Buckler
: Endstation Tokio Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641215903
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der junge Londoner Alex Malloy flüchtet vor seiner Vergangenheit ins sechstausend Meilen entfernte Tokio. Es scheint der perfekte Ort zu sein, um ein neues Leben anzufangen und ein anderer Mensch zu werden. Die grellen Lichter und dunklen Ecken der fremden Stadt berauschen ihn, und das betörende Land schlägt ihn in seinen Bann. Als er die rätselhafte Naoko kennenlernt, scheint es die große Liebe zu sein. Aber auch Naoko hat ihre Geschichte, und mit ihrer Beziehung gehen die beiden eine unheilvolle Verbindung ein: Alex wird in einen Strudel von Ereignissen hineingezogen, der völlig außer Kontrolle gerät – und ihn schließlich ganz zu vernichten droht.

James Buckler wuchs in England auf und lebte in Amerika und in Japan, wo er Englisch unterrichtete. Er studierte Film und arbeitete für MTV und BBC Films. Derzeit lebt er in London. »Endstation Tokio« ist sein Debüt als Romanautor.

PROLOG

Alex drehte sich auf dem Fensterplatz zur Seite, und sein Atem bildete Wölkchen auf der Scheibe. So was wie ein Gewitter wäre angebracht, dachte er. Blitze und rollender Donner. Stattdessen war alles ruhig. Es wurde Nacht; die Dunkelheit schob sich von Osten her auf Tokio zu, und die dicht gedrängten Gebäude verschwanden im Schatten. Er sah Smogschleier im grellen Neonlicht der Leuchtreklamen von Shibuya und Shinjuku. Der Verkehr floss wie durch Adern, und die Scheinwerfer flimmerten wie Sterne, die sich in einem Bach spiegelten. Die Flugbegleiterinnen gingen mit starrem Lächeln durch den Mittelgang und machten ihre letzten Sicherheitskontrollen, und die Fahrwerkshydraulik ließ den Boden unter ihren Füßen beben. Alex spürte seine steifen Glieder und kämpfte mit seiner ganzen Willenskraft gegen die Angst, die ihn beschlich. Er wusste, es gab kein Zurück.

Das Flugzeug legte sich auf die linke Seite und begann seinen Sinkflug. Der Boden stieg ihnen gleichmäßig entgegen. Alex suchte nach seinem Apartmentblock in der weiten Ebene voll grauer und schwarzer Gebäude, die formlos unter ihm vorüberzogen. Er wusste, seine Gegend lag im Norden, aber es gab keine Landmarken, an denen er sich hätte orientieren können, sondern nur Unmassen von Dächern und schmalen Straßen. Weiter im Süden musste die Schule liegen, an der er unterrichtete, und die Galerie, wo Naoko arbeitete, aber die Stadt war ihm immer noch nicht vertraut. Die wellige Landschaft geriet immer mehr aus dem Zusammenhang, je länger er suchte.

Die Maschine setzte sanft auf der Landebahn von Narita auf und rollte zu einem freien Platz am Nord-Terminal. Alle blieben gehorsam auf ihren Plätzen sitzen, bis das Anschnallzeichen erlosch. Dann standen alle Passagiere gleichzeitig auf, zerrten hastig ihr Handgepäck aus den Fächern und drängten sich im Gang. Alex blieb sitzen. Er hatte es nicht eilig.

Als der Gang fast leer war, stand er auf, zog die kleine lederne Reisetasche aus dem Gepäckfach über dem Sitz und ging nach vorn zum Ausgang. Er bedankte sich bei der Stewardess und trat hinaus in die Fahrgastbrücke. Die dünnen Blechwände ratterten im Wind. In Bangkok war er nicht sicher gewesen, ob er seine Tasche einchecken oder mit in die Kabine nehmen sollte. Auf der Taxifahrt zum Flughafen hatte er sich immer wieder umentschieden. Schließlich hatte er gedacht, es würde verdächtig aussehen, eine so kleine Tasche aufzugeben. Also hatte er sie behalten und war damit eingestiegen.

Er folgte den anderen Passagieren ins Hauptterminal und durch den grell erleuchteten Korridor zur Gepäckabholung. Er hatte schon im Voraus entschieden, dass es am besten wäre, dort herumzutrödeln, am Gepäckband zu stehen und den Eindruck zu erwecken, er warte mit allen anderen. Wenn er als Erster an der Passkontrolle erschiene, würde er nur