KAPITEL EINS
Beaumont Square, Notting Hill, London
RUMMS! PENG! WUMMS!
Isla Winters riss die Augen auf und strich sich die vom Schlaf zerzausten rotbraunen Locken aus dem Gesicht. Es war noch dunkel, durch die Vorhänge schimmerte kein Licht … und vom Erdgeschoss drangen Geräusche an ihr Ohr. Schlurfende Schritte, eine Schublade wurde aufgezogen und dann … War das die Kühlschranktür, die zugeschlagen wurde? Wie spät war es? Welcher Tag? Sie öffnete die Augen noch weiter, in der Hoffnung, dadurch auch besser hören zu können. Aus ihrem Haar rieselte Glitzerstaub und fiel auf ihr Gesicht, auf das Kissen und das Betttuch … Das kam davon, wenn man Weihnachtskarten selbst bastelte.
Sie schwang die Beine aus dem Bett und griff nach dem langen kirschroten Pullover, den sie am Abend zuvor auf den Stuhl neben ihrer Frisierkommode geworfen hatte. Es war eiskalt, und sie zitterte, während sie den Wollpulli über ihr Nachthemd zog. Sie rief sich ins Gedächtnis, dass sie den Winter eigentlich mochte. Es war eine fröhliche Jahreszeit mit Schnee (na ja, manchmal), in der es in den Läden festlich verpackte Schokolade und neue Geschenkideen gab, die niemandem hätten einfallen dürfen. Es war die Zeit der Feste, in der alles funkelte und glitzerte. Aber ihr gefiel diese Zeit besser, wenn die Zentralheizung bereits lief, sie warm angezogen war und zwei Macchiato getrunken hatte. Sie warf einen Blick auf den Wecker auf ihrem Nachttisch: fünf Uhr. Um diese Zeit war Hannah niemals wach.
Im Erdgeschoss zog jemand eindeutig Schubladen auf. Aber sie würde nicht in Panik ausbrechen. Es musste Hannah sein, oder? Allerdings hatte sie den Treppenlift ihrer Schwester nicht gehört. Und den hörte sie sonst immer. Manchmal wachte sie sogar auf, weil sie glaubte, ihn zu hören. Ihr Unterbewusstsein war bis jetzt noch nicht davon überzeugt, sich nicht ständig überfürsorglich zu verhalten.
Isla schlich auf den Flur, trippelte elegant wie eine Balletttänzerin auf Zehenspitzen und so leise wie nur möglich auf dem eiskalten Holzboden zu Hannahs Zimmer und schob vorsichtig die Tür auf. Sie öffnete sich nur einen Spalt – nicht weit genug, um zu sehen, ob jemand im Bett lag. Also drückte Isla sie ein Stück weiter auf, und die Türangeln gaben ein Quietschen von sich, das an eine Hyäne im Maul eines Löwen denken ließ.
»Was ist passiert? Isla?«
Hannah versuchte, sich kerzengerade aufzusetzen. Sie brauchte drei oder vier Anläufe und verfing sich dabei mit den Armen in der Lichterkette und den Weihnachtsfähnchen, die über ihrem Bett hingen. Als sie es end