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Als ich wieder im ersten Stock ankomme, ist das Badezimmer immer noch belegt. Diesmal läuft die Dusche.
Mann! Ich hab keinen Bock, ewig zu warten. Mittlerweile bin ich hellwach und stinksauer. Sobald Rick dort rauskommt, werde ich ihm meine Meinung sagen.
Aber er kommt nicht und ich muss immer dringender.
Ach, was soll’s, ich geh jetzt einfach.
Vorsichtig drehe ich am Knauf; es ist nicht abgesperrt. Als wir Kinder waren, bin ich auch vor ihm aufs Klo gegangen, außerdem bekommt er es vielleicht gar nicht mit.
Ich betrete den Raum, in dem Dampfschwaden bis unter die Decke wabern, und ziehe schnell den Slip nach unten. Wenigstens ist die Klobrille sauber.
Den Blick auf die Duschkabine gerichtet, hocke ich mich hin und lasse das beschlagene Glas nicht aus den Augen. Rick bewegt sich dahinter, ich erkenne nur seine verschwommene, schemenhafte Gestalt. Zum Glück, ich will ja keinen Augenkrebs bekommen. Zwar ist mein Bruder nicht hässlich und hat eine ansehnliche Figur, aber nackt muss ich ihn nicht zu Gesicht bekommen.
Obwohl er mich nicht sehen kann, fühle ich mich beobachtet und kann mich nicht entspannen. Daher zähle ich in Gedanken von zehn rückwärts. Das ist mein altbewährter Trick, wenn ich auf fremden Toiletten nicht sofort kann.
Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf … Endlich klappt es, erleichtert atme ich auf und putze mich schnell ab. Spülen – fertig.
Als ich am Waschbecken stehe, stellt er die Dusche aus. Ich höre, wie die Tür der Kabine aufgeht, dann Jasons erschrockene Stimme: »Verdammt, ich dachte, du wärst Rick!«
Mein Puls schießt auf hundertachtzig, während ich herumwirble und die nassen Hände an meinem T-Shirt abwische. »Das dachte ich von dir auch!«
Tropfnass steht er vor mir und hält sich hastig die Hand vor sein Geschlecht.
Zu spät. Ich habe alles gesehen. Alles! Seine muskulöse Brust mit dem schwarzen Stern-Tattoo – ich wusste gar nicht, dass er tätowiert ist! –, den flachen Bauch, den Streifen schwarzer Härchen unterhalb des Bauchnabels, der den Weg zwischen seine Beine weist, und … Oh mein Gott! Hat er einen Ständer? Oder einen halben? Oder ist der immer so groß?
»Dann warstdu eben pinkeln?«, fragt er und schnappt sich ein zusammengelegtes Handtuch aus dem Regal. Kurz dreht er mir den Rücken zu, um sich den Frottee um die Hüften zu wickeln.
Jetzt hat sich auch noch sein knackiger Po in meine Netzhaut gebrannt. Wieso tut er mir das an?
»J-ja, das war ich, aber ich dachte, du wärst Rick und … so.« Peinlich! Peinlich! Peinlich!
Unter seinen brennenden Blicken komme ich mir nackt vor. Vergeblich versuche ich, mein viel zu kurzes Shirt über den Slip zu ziehen.
Wenn ich gewusst hätte, dass ich Jason heute noch einmal über den Weg laufe! Ich sehe aus wie eine Vogelscheuche. Mein Haar ist ein einziges Chaos und der rosa Lack blättert von meinen Zehennägeln.
Jason tritt näher, sodass ich seine Brust vor Augen habe. Seine Nippel sind steif, Tropfen perlen darüber. Schwarze Pünktchen umrahmen seine Brustwarzen. Er rasiert sich. Tiefer wage ich nicht zu schauen.
»Ich frage mich«, sagt er rau, »warum wir für Sebastian eine Stripperin bezahlt haben. Du hättest auch für uns auf dem Tisch tanzen können.«
Entsetzt weiche ich zurück, bis sich das Waschbecken in meinen Rücken bohrt. »Ihr hattet eine Stripperin im Wohnzimmer?! Hoffentlich hat das kein Nachbar mitbekommen!« Wenn das Mum und Dad erfahren … Dann hängt der Haussegen für mindestens ein Jahr schief.
»Eure Villa ist von so viel Bäumen und einer Mauer umgeben, da hat niemand etwas bemerkt.«
Ich werde Rick trotzd