Prolog – ein paar Jahre zuvor
Prue klopfte das Herz bis zum Hals, als sie auf die Uhr sah. Es war gleich sieben, in wenigen Minuten würde Duncan nach Hause kommen. Heute musste sie ihm endlich etwas beichten, und sie hatte keine Ahnung, wie er die Neuigkeiten aufnehmen würde.
Wie jeden Nachmittag hatte sie in dem geräumigen Apartment alles auf Hochglanz gebracht, Duncans Wäsche gebügelt, das Bett bezogen und Staub gewischt. Nun stand sie nervös an der Terrassentür des Wohnraumes und blickte hinaus in den Sonnenuntergang. Die grellgelbe Scheibe berührte fast das Meer, während der Himmel glutrot leuchtete.
Prue genoss die schöne Aussicht von hier oben. Duncans Apartment lag an den Klippen; er besaß die unterste Wohneinheit dieses Hochhauses mit einer zum Meer gerichteten Terrasse. Als Senator stand ihm die schönste Unterkunft zu. Prue hingegen lebte in einem kleinen Zimmer, zehn Minuten Fußmarsch entfernt, doch es reichte ihr vollkommen aus. Die meiste Zeit des Tages brachte sie ohnehin bei Duncan zu, wobei sie nicht nur den Haushalt führte, sondern zusätzlich Botengänge für den Senator erledigte. Sie musste anderen Personen Nachrichten überbringen, die oft zu geheim waren, um sie per E-Mail zu schicken. Auch Prue wusste nicht, was in den handschriftlichen Mitteilungen stand. Die Vormittage hatte sie zur freien Verfügung, wahrscheinlich, damit sie nach den »anstrengenden« Nächten mit Duncan ausschlafen konnte.
Als sie hörte, dass er zur Tür hereinkam und sich von seinem Leibwächter verabschiedete, zupfte sie ein rotes Haar von ihrer weißen Bluse und stellte sich mit gesenktem Kopf und hinter dem Rücken verschränkten Händen neben den Esstisch. Seit zwei Jahren arbeitete sie für Duncan White als »Mädchen für alles«; sofort nach Beendigung der Schule hatte sie mit blutjungen achtzehn bei ihm angefangen. Damals war Duncans Frau gestorben und die Familia hatte beschlossen, dass er sich während seiner Trauerzeit, bis ihm eine neue Frau zugeteilt wurde, ein Hausmädchen nehmen sollte.
Prue war nicht dumm. Viele Leute der Oberschicht nahmen sich Angestellte, nicht nur, um ihre Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, sondern um sich auch privat mit ihnen zu vergnügen. Affären wurden geduldet, solange keine Kinder daraus hervorgingen.
Prue hatte ihr Glück kaum fassen können, denn sie hatte schon als junges Mädchen von dem zehn Jahre älteren Senator geschwärmt.
»Guten Abend, Miss Clearwater«, sagte er freundlich, als er den Wohnraum betrat und einen gedeckten Tisch vorfand. Sie bereitete ihm jeden Tag ein Abendessen zu.
Prue machte einen höflichen Knicks und versuchte, ihn nicht anzustarren. Selbst in dem weiten weißen Gewand der Senatoren sah er umwerfend aus. Es bildete einen Kontrast zu seinem langen schwarzen Haar, das er im Nacken zusammengebunden hatte.
»Guten Abend, Sir.« Möglichst unauffällig wischte sie sich die vor Aufregung feuchten Hände an ihrem schwarzen Rock ab. Sie hasste es, dass sie sich in diesem Zimmer nicht normal unterhalten konnten, denn eine Kamera zeichnete alles auf. Zum Glück gab es nur in diesem Raum ein Überwachungsgerät. Die Familia sollte noch nicht erfahren, welches Geheimnis sie in sich trug. Das würde sie früh genug.
»Könnten Sie mir helfen, die Robe abzunehme