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Ich öffne an meinem alten Dienstwagen die Fenster, um Waldluft hereinzulassen, und genieße den wunderschönen Junitag. Um zehn Uhr ist es draußen schon so warm und feucht, dass ich unter meiner Uniform leicht schwitze. Sie ist das Einzige, was ich an meinem Job gerade im Sommer nicht ausstehen kann. Doch lieber ist mir ein wenig heiß, als dass ich den Gestank des Kühlmittels der Klimaanlage inhalieren muss. Ein normaler Mensch würde wahrscheinlich nichts riechen, aber unsere Wandlernäschen sind eben besonders sensibel – und das bringt mir bei meinem Job viele Vorteile. Trotzdem freue ich mich jetzt schon darauf, nach Schichtende meine Wölfin herauszulassen und mit anderen Rudelmitgliedern durch den Wald zu laufen, um Natur pur zu genießen.
Gemütlich lasse ich den Ford über den Kiesweg rollen und lausche dem Knirschen der Reifen und dem Singen der Waldvögel. Ich bin auf dem Weg zu Gabriel Montabon, der das Grundstück von Hazels verstorbener Mutter gekauft hat. Es liegt etwas abseits und gut versteckt zwischen alten Bäumen mitten im Wald. Nur diese schmale Straße führt dorthin.
Als plötzlich schwarzer Lack vor mir im Sonnenlicht aufblitzt, drücke ich auf die Bremse und bleibe stehen. Ein Wagen kommt mir entgegen, und ich weiß sofort, wem der Escalade mit den verdunkelten Scheiben gehört: Monsieur Montabon.
Er hält ebenfalls und stellt den Motor ab, da ein Vorbeikommen an dieser Stelle nicht möglich ist, und ich steige aus. Nun gut, dann wollen wir dem Herrn mal auf den Zahn fühlen, genau wie ich es Nate versprochen habe.
Das Seitenfenster des SUV befindet sich auf meiner Kopfhöhe, und als es Monsieur Montabon herunterlässt, grinst er mir entgegen. »Bin ich zu schnell gefahren, Officer?«
»Äh … nein.« Alle zurechtgelegten Worte sind vergessen, als ich seine leicht raue Stimme mit dem sexy, französischen Akzent höre, der perfekt zu seinem attraktiven Äußeren passt. Ich habe Gabriel zwar schon ab und zu aus der Ferne gemustert, ihn aber jetzt so nah vor mir zu haben und mit ihm zu reden, zieht mir glatt die Beine weg.
Er trägt eine stark getönte Sonnenbrille, sodass die Gläser seine Augen verbergen, deshalb richtet sich meine Aufmerksamkeit auf sein markantes, männliches Gesicht mit den hohen Wangenknochen, den perfekt geschwungenen Lippen, der geraden Nase, den hellen Zähnen und den kurzen schwarzen Haaren.
Zum Glück bin ich groß genug, dass ich auch einen Kontrollblick in den Innenraum werfen kann, doch ich entdecke nichts Ungewöhnliches. Der Wagen riecht neu und ist relativ sauber, und wegen der verdunkelten Scheiben kann ich leider keine Feinheiten wahrnehmen, was auch zusätzlich an meiner Sonnenbrille liegt. Wandleraugen sind empfindlich. Dafür kann ich Gabriel umso besser erkennen. Seine langen Beine stecken in Jeans, und trotz Hitze trägt er einen dünnen dunkelgrauen Pullover. Der Stoff spannt sich über seinen schlanken Körper und die sanften Wölbungen der Muskeln. Was für eine Sahneschnitte.
Ich muss mich zuerst räuspern, um einen weiteren Ton hervorzubringen. »Ich wollte nur mal vorbeikommen, um zu fragen, ob bei Ihnen alles in Ordnung ist«, sage ich und bemühe mich um ein Lächeln. Der Mann bringt mich völlig aus dem Gleichgewicht. »Sie wohnen ja doch etwas abgelegen.«
»Alles bestens, Officer.« Als sein Grinsen noch breiter wird, bilden sich Grübchen in seinen Wangen. Waren die vorher auch schon da?
»Nennen Sie mich Beth«, antworte ich atemlos. Liegt wohl nicht nur an der Hitze, dass mir plötzlich sehr, sehr heiß ist. »In unserer kleinen Stadt rücken wir alle etwas enger zusammen. Sie werden sicher bald jeden hier kennen.«… und ich würde dich gerne besser kennenlernen, obwohl ich das Gefühl habe, dich schon ewig zu kennen. Verrückt.
Schnell richte ich mein Augenmerk wieder auf den düsteren Innenraum, um seiner Anziehungskraft