Kapitel 1 – Penny: Gefühlschaos
Der Applaus gehört allein uns. Wir treten an den Rand der Bühne, und Logan greift nach meiner Hand. Wir lachen uns an und in meinem Magen flattern viele verrückte Falter hin und her, bevor mein Blick über das Publikum schweift. Hunderte Menschen sitzen, nein, stehen jetzt im großen Saal der Universität, und ich hatte solche Angst vor ihnen. Logan hat sie mir genommen.
Er sagte: »Konzentriere dich immer auf mich.«
Ich hatte Bedenken, mich vor so vielen Leuten in engen Leggins und mit dieser knappen Korsage, aus der meine halbe Brust quillt, zu präsentieren. Ich stehe zu meiner Figur und habe kein Problem mit Kleidergröße 40 – höchstens Probleme, Blusen zu finden, die bei meiner üppigen Oberweite passen. Doch wenn mich alle anschauen, habe ich immer das Gefühl, sie starren auf meinen Körper. Für Marc gab es auch nur meine Brüste. Dabei war ich vor einem Jahr noch leichter. Seit ich den ganzen Mist mit meinem Ex, den Ärger mit meinen Eltern und mehrere Monate Therapie hinter mir habe, habe ich ein paar Kilos zugenommen.
Offenbar hat Logans Tipp geklappt. Unsere Musicalaufführung von »Grease« war ein voller Erfolg. Er war Danny und ich seine Freundin Sandy. Zuletzt haben wir »You are the One that I want« gesungen, und dabei fielen mir erneut die Parallelen zwischen Danny und Logan und Sandy und mir auf. Fast wie im Fernseh-Musical sind wir gekleidet: Ich trage schwarze Leggins und eine Korsage; Logan trägt eine Lederjacke und Jeans in derselben Farbe, wobei er sonst auch nichts anderes anhat. Die Rolle des Bad Boys ist ihm auf den Leib geschnitten. Dazu besitzt er noch diese grandiose Stimme … Ich glaube, ich habe mich gerade unwiderruflich in ihn verliebt.
»Du warst großartig, Penny«, ruft er mir zu, obwohl er direkt neben mir steht, aber die Leute hören nicht auf zu klatschen. »Ich habe nichts von deinem Lampenfieber bemerkt.«
Weil ich nur Augen für dich hatte und die unzähligen Studenten und Dozenten nicht wahrgenommen habe, denke ich und drücke seine Finger. Doch jetzt nehme ich sie alle wahr, und das Gefühl ist berauschend. Wir verbeugen uns mehrmals, und nie lässt er mich los. Seine Hand gibt mir Sicherheit, aber sie macht mich auch nervös. Seit dem ersten Tag an der Uni will er etwas von mir. Seine Blicke und sein Lächeln sprechen Bände. Nach mehreren Wochen hat er es tatsächlich geschafft, dass mein Herz wie wild zu rasen beginnt, wenn ich ihn sehe. Unentwegt muss ich an ihn denken, vor allem, wenn ich allein bin. Dann wünschte ich, er wäre bei mir und würde mich im Arm halten, um die bösen Bilder aus meinem Kopf zu verdrängen, die mich jede Nacht heimsuchen.
Doch ich kann nicht mit ihm zusammen sein. Ich werde den Fehler, der beinahe mein Leben zerstört hat, nicht noch einmal machen. Ich werde mich nie mehr von so einem Typen wie ihm blenden lassen. Logan ist meinem Ex viel zu ähnlich. Sein Aussehen, die selbstsichere Art und dann hat er auch noch ein Piercing in der Nase. Außerdem ist er Leadsänger derCrazy Stallions. Viel zu viele Parallelen zu Marc, bloß war der Gitarrist einer Heavy Metal Band.
Andererseits will ich Logan küssen – am liebsten auf der Stelle! – und herausfinden, wo er noch überall gepierct und womöglich sogar tätowiert ist. Ich weiß, dass er eine schwarze Rosenblüte am Oberarm hat.
Ich mag Männer mit Tattoos. Vielleicht sollte ich Amys Ratschlag befolgen und es mit ihm versuchen. Mit ihm ins Bett gehen. Meine Finger in seinen braunen Haaren vergraben oder am besten gleich in diesen knackigen Pobacken, über die sich seine engen Jeans spannen. Es könnte wirklich das Beste sein, einfach wieder zu leben und Nähe zuzulassen.
Verdammt, Logan verwirrt mich! Ich will ihn so sehr, dass es schmerzt.
Die Leute klatschen noch immer, als der Vorhang fällt. Sofort zieht mich Logan in die Arme, grinst mich an und schüttelt ständig den Kopf. »Du warst unglaublich, Penny! Du musst unbedingt mal mit mir und meiner Band auftreten. Bitte!«
In Marcs Band war