: Werner Diefenthal, Martina Noble
: Gewalt des Glaubens Teil 2: Blut für die Kirche
: epubli
: 9783746709673
: 1
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 355
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
1529 Die Reformation verbreitet sich immer weiter im Reich. Die katholische Kirche, unterstützt von Kaiser Karl V., versucht mit aller Kraft, ihre Macht zu behalten, und greift dazu zu allen Mitteln, derer sie sich bedienen kann. Nach seinen Erlebnissen in Wien trifft Markus auf den Inquisitor Ferdinand von Ravensburg, der aus seinem auferlegten Exil zurückkehrt. Als Berater und zur Unterstützung zugeteilt gerät Markus immer tiefer in den Bann des charismatischen Mannes. Versucht er anfangs noch, sich gegen Hexenprozesse aufzulehnen, wird er letztlich doch zu einem Werkzeug der Inquisition und lässt sich davon überzeugen, dass Anna eine Hexe ist und den Tod verdient. Wird es seinen Freunden gelingen, Markus aus dem Bann des Inquisitors zu lösen und Anna vor dem Scheiterhaufen zu bewahren?

Was schreib ich über mich? Baujahr 1963, der Oldie im Team. Ich bin der Mann in dem Trio. Also der im Hintergrund. Der Ideentüftler, der sich tagelang über mögliche Wendungen und Fortschritte in den Geschichten das Hirn zermartert. Dabei wandele ich auch auf Solopfaden mit eigenen Projekten, habe aber in den letzten Jahren hauptsächlich mit Martina zusammen die Romane verfasst. Seit einiger Zeit haben wir uns mit unsere Bilder-Zauberin Sandra zusammengetan und mischen als Trio Ars Sistendi die Literaturwelt ein wenig auf.

Prolog

Gutshof von Matthias und Marie, August 1536

 

Markus erwachte beim ersten Hahnenschrei. Staubkörner tanzten in den Sonnenstrahlen, die durch einige Ritzen in den hölzernen Wänden fielen. Neben sich hörte er das vertraute Schnarchen seines Freundes Max.

»Glücklicher Kerl«, murmelte Markus sehnsuchtsvoll und erhob sich, zog sich eine Hose über und verließ den Stall, in dem er genächtigt hatte. Nicht weit davon entfernt stand ein Trog mit Wasser. Er beugte sich darüber und wusch sich. Es war kalt wie Eis und machte ihn endgültig munter.

Marie, die schon länger wach war und ihre beiden Mädchen versorgt hatte, sah ihm vom Fenster der Küche aus zu. Das war nicht mehr der schmalbrüstige Jüngling, den sie vor zehn Jahren bei sich aufgenommen hatten. Sie musterte ihn mit dem Blick einer Frau, die genau wusste, worauf sie zu achten hatte. Die Schultern waren breit geworden, die Oberarme muskulös, auch der Nacken war kräftig. Marie führte das auf das lange und intensive Training mit dem Schwert zurück. Als er sich umdrehte, konnte sie die wohlmodelierten Brust– und Bauchmuskeln betrachten. Wie aus Stein gemeißelt hoben sie sich deutlich ab.

Aber sie sah auch einige Narben und schluckte. Das, was er in der letzten Nacht erzählt hatte, war nur ein Teil seiner Geschichte. Sie brannte darauf, auch den Rest zu erfahren. Doch das würde warten müssen, es galt, ein Tagwerk zu verrichten.

Das Leben auf dem Gut war alles andere als bequem, aber um nichts in der Welt hätte Marie mit irgendjemandem in der Stadt tauschen wollen. Seit sie vor zehn Jahren hergezogen waren, hatte harte Arbeit ihr Leben bestimmt. Matthias hatte alles getan, damit sie ein gutes Auskommen hatten, wie er seinerzeit dem Vogt versichert hatte. Der Holzhandel florierte, er brachte gutes Geld in die Kasse.

Aber auch das Getreide wuchs gut, die Ernten waren reichlich, und gemeinsam mit dem Vieh, das sie aufzogen und verkauften, hatten sie sich ein hübsches Sümmchen zusammensparen können. Mehr noch, es war ihnen gelungen, ein kleines Schulhaus zu bauen, in dem die Kinder der umliegenden Gehöfte regelmäßig Unterricht erhielten.

»Ich will, dass unsere Kinder lesen und schreiben können«, hatte Matthias gesagt, als er ihr den Plan offenbart hatte. »Und auch die Kinder der Pächter. Ich will, dass sie rechnen können und nicht als Dummköpfe darauf angewiesen sind, dass sie niemand beim Verkauf der Ernte bescheißt.«

Und so hatte er es auch gemacht. Vogt Steiner hatte ihnen einen guten Lehrer vermittelt, der bei der Kirche in Ungnade gefallen war und nicht mehr in den kirchlichen Schulen unterrichten durfte. Matthias und Marie hatten ihn sich angesehen. Es war ein älterer Mann, aber mit einem sanften Wesen und außerordentlich gebildet. Matthias hatte nur genickt und etwas klargestellt.

»Eines nur: Ich dulde es nicht, wenn man die Hand gegen eines der Kinder erhebt. Benehmen sie sich nicht, schickt nach mir, ich werde das dann regeln.«

Der Lehrer hatte nur, nach einem Blick auf die riesigen Pranken des ehemaligen Henkers, genickt, und seinen Dienst angetreten. Zuerst im Speisezimmer des Gutshofes, später dann in einem Raum in dem dafür extra errichteten Haus, in dem auch der Lehrer wohnte. Marie riss sich aus den Gedanken, als Markus zurück zum Stall ging und wenig später angezogen wieder heraustrat. Sie eilte zur Haustür und rief ihm quer über den Hof zu: »Markus, möchtest du etwas zum Frühstück? Ich habe noch Eier und Speck.«

Er kam langsam zum Haus. Marie beobach