: Katja Oelmann
: Prinz Arschloch Männer sind so - Frauen auch
: Kadera-Verlag
: 9783944459974
: 1
: CHF 3.50
:
: Erzählende Literatur
: German
Amelie Rosenbach ist Single. Selbstbewusst steht sie mit beiden Beinen und mit ihrem »Irish Pub« mitten im Leben der schönen Stadt Potsdam. Im Internet entdeckt sie einen benötigten Lieferwagen und fliegt nach Stuttgart. Schon im Flugzeug kommt es zu turbulenten und peinlichen Situationen. Der Macho auf dem Fensterplatz hat seinen Anteil daran. Amelie trifft ihn noch öfter, als ihr recht ist. Der Autokauf platzt kurze Zeit nach der Ankunft in Stuttgart. Rückflüge sind ausgebucht. »Mach was draus!«, meint Amelie und beschließt, für die Nacht ein Hotel in der Stadt aufzusuchen, in dem sie dann doch länger bleibt?... Der amüsierte Leser erfährt allerlei über die Charaktereigenschaften von Mann und Frau und warum sie nie und nimmer zusammenpassen. Das Schicksal ist da schon mal anderer Meinung?...

Potsdam 1990: Katja Oelmann hat die Schulzeit beendet. Die DDR heißt jetzt Deutschland. Es beginnt die Lehrzeit zur Kauffrau in der Baubranche. Drei Jahre später baut sie ihr eigenes Fundament: Selbständig mit der Organisation von Veranstaltungen und in der Event-Gastronomie. Seit rund einem Vierteljahrhundert tourt die Mutter zweier Kinder durch Deutschland, um dort Geld zu verdienen, wo es andere gegen Lebensfreude tauschen. Der Job bringt es mit sich: Immer viel Kontakt zu anderen Menschen mit den unterschiedlichsten Charakteren von »aufopfernd nett« bis »totales Arschloch«. Ja, ist so. Und dementsprechend sind die unvermuteten Situationen. Wirklich, sie musste sich nicht alles aus den Fingern saugen, um darüber zu schreiben und gibt zu, dass manches nah an der eigenen Biografie passierte. Die Fantasie ist eben auch ein Mittel um mal lachend aufzuatmen. - »Wie ich zum Schreiben kam? Ich suchte eine Ablenkung, um nicht nach einer Zigarette zu greifen. Zwei Herausforderungen auf einmal.«

Mit Koffer nach Stuttgart

Sonnenstrahlen wecken mich. Es ist fast 14 Uhr. Ganz vorsichtig mache ich erst mal ein Auge auf, aber auch blitzschnell wieder zu. Mein Nachtschrank sieht aus wie eine Kellerbar. Leere Chipstüten, drei leere Piccolofläschchen, zwei leere Wasserflaschen und vier verklebte Gläser, die sich in den letzten Tagen hier angesammelt haben. Erstaunt stelle ich fest, dass die Gläser Wasserflecken in Anordnung der Olympiaringe auf meinem Nachtschrank hinterlassen haben. Wenn ich prominent wäre und eine Putzfrau hätte, würde sie bestimmt jede Menge Fotos von dem Chaos in meinem Haus machen und sie an eine Zeitung verkaufen. Gott sei Dank bin ich normal. Dafür muss ich allerdings meinen Müll auch selbst wegräumen. Prominenten-Putzfrau zu sein ist bestimmt ein ganz interessanter Beruf. Und aufregend.

Blitzartig fallen mir sofort zehn Promis ein, bei denen ich gerne mal saubermachen würde. Aber wahrscheinlich würde ich nach drei Tagen achtkantig rausfliegen, weil ich nur Sherlock Holmes gespielt hätte und die Bude immer noch dreckig wäre. Na ja.

Beim Gedanken daran, dass ich aufräumen müsste, drehe ich mich auf die Seite und nicke wieder ein.

Meine Augen wollen nicht aufgehen. Der Fernseher lief die ganze Nacht. Jemand redet. Ich bin irgendwie immer noch im Halbschlaf und höre ein Interview mit Karl Lagerfeld. Hat eigentlich schon jemals einer verstanden, was er sagt? Ich meine, auch sinngemäß? Ich nicht. Nur Wortsalat. Vielleicht ist er als kleines Kind mal in die Textilfarbe gefallen. Ich kann ihn nicht wegschalten, die Fernbedienung ist weg.

Heute habe ich es Karl Lagerfeld zu verdanken, dass ich schon auf den Beinen bin. Wenn die Fernbedienung nicht zu mir kommt, muss ich eben zum Fernseher. Ich ziehe den Stecker. Karl ist jetzt ruhig.

 

Heute ist Montag. Montags bleibt die Bar geschlossen. Und in dieser Woche öffne ich überhaupt nicht. Wegen Straßenbauarbeiten gar nicht; der Bürgersteig wird aufgerissen. Etwas Urlaub ist ja auch mal ganz nett. Wie lange ist der letzte überhaupt schon her? Mein Kühlschrank ist so leer, dass ich eigentlich die Gelegenheit nutzen und ihn mal auswischen könnte. Aber ich habe heute frei. Vielleicht morgen, denke ich. Thema vertagt. Heute trinke ich meinen Kaffee mal wieder ganz normal zu Hause am Tisch. Genau genommen am Schreibtisch. Internet an und ab zur Seite des Autohändlers, auf der ich das Auto entdeckt habe, das bald mir gehören wird.

Den Wagen habe ich schon letzte Woche telefonisch reserviert und sehe mir jetzt aus Vorfreude noch einmal die Bilder an. Am Mittwoch hole ich das Schätzchen in Stuttgart ab, was sechshundertdreiunddreißig Kilometer von meinem Wohnort entfernt ist, nur weil ich es nicht abwarten konnte, ein solches Auto in der Nähe zu finden.

Meine Ungeduld ist ein weiteres Defizit. Aber ich bin auch in diesem Fall nicht streng mit mir, schließlich war ich noch nie in Stuttgart.

Meine Abflugzeit in Berlin ist 8.30 Uhr und mein Weg zum Flughafen dauert eine knappe halbe Stunde. Vielleicht mache ich dann im Taxi noch kurz die Augen zu, denn um sechs Uhr morgens aus den Federn zu kommen gehört ebenfalls nicht gerade zu meinen Stärken.

 

Endlich ist Mittwoch. Verschlafen falle ich aus dem Bett. Mein Taxi ist da. Der Sommer scheint uns verlassen zu haben. Es ist kalt. Auf den Kaffee muss ich heute verzichten, obwohl ich kein Problem damit hätte, auch ins Taxi mit einer Tasse einzusteigen. Der Taxifahrer wahrscheinlich schon, und der muss eh schon genug Geduld aufbringen.

Zweimal muss ich, meiner Vergesslichkeit wegen, noch ins Haus zurück. Ein drittes Mal, weil ich, wie schon erwähnt, keine Handtasche besitze und deshalb alles in den Taschen meiner Jacke verstaut habe, die irgendwann prall wie Dolly Buster waren. Leider auf Hüfthöhe.

Reisepass, Handy, Geldbündel, Taschentücher, Kleingeld, mein Schlüsselbund mit dreißig Schlüsseln, zu denen es teilweise gar nicht mehr die Schlösser gibt. Die zwei riesigen Beulen in der Jacke sehen aber wirklich nicht toll aus. Ich muss also etwas Ähnliches wie eine Tasche oder einen Rucksack finden. Ich mache mich auf die Suche, obwohl ich derartige Behältnisse längst entsorgt habe oder gar nicht erst b