Ich behaupte ein relativ kreativer, immer wieder von neuen Ideen aufgesuchter, spontaner und daher wahrscheinlich ein verhältnismäßig freier Mensch zu sein. In mir wohnt eine Seele, die die Ordnung liebt, aber nicht der Ordnung willen alleine. Ordnung an und für sich ist genauso lebendig und nützlich wie ein Stück Papiergeld in einem abgeschlossenen Raum. Erst durch die Phantasie und die Möglichkeiten, die sich durch Denken, was mit diesem abstrakten Geld passieren könnte, auftun, wird es wirklich wertvoll. Wenn das Geld tatsächlich in etwas umgewandelt wird, das wir erleben, essen, besitzen können. Ähnlich verhält es sich mit der Ordnung und den Ordnungsmenschen. Dass Meier ordentlich ist, ist mir egal, erst recht, wenn er unsympathisch ist, nicht mal weiß wie er sich richtig anziehen soll, aus dem Mund riecht und sonst wie nichts mit meinem Leben zu tun hat. Meier übt keine wirkliche Faszination auf mich aus, bloß weil er seine Gewürze alphabetisch geordnet hat, immer weiß, welche Zeit es ist, seine Ferien stets drei Monate im voraus bucht und im Urlaub das Budget nicht überschreitet. Ebenso ist mir einerlei, dass sich in Hochglanzmagazinen 800 m2 große Wohnungen der minimalistischen Zen-Ästhetik hingeben können, weil die Voraussetzungen dank unsichtbaren Reduits, Kellern, Einbauschränken selbst für Sammler optimal sind, wenn ich nun mal in einer 50 m2 Wohnung all mein Hab und Gut unterbringen muss und eine Tendenz zum Sammeln beobachte. Was nützt mir zu wissen, dass die heutigen Schubladensysteme einer neuen Generation angehören und wahre Ordnungswunder sind, wenn ich nun mal Erbin einer alten, quietschenden, überquellenden Schubladenkommode bin, die zu einem Möbelstück gehört, an dem ich emotional hänge. Nun, es ist immer gut einfach mal informiert zu sein, und es ist noch besser, sich zu überlegen, wie man die Informationen für sich evaluiert und verarbeitet.
Informiere dich erstmals rein physisch und finde heraus, wenn du es noch nicht weißt, welche Priorität die höchste für dich sein könnte. Geh in einen gepflegten Stadtpark und genieß die Zeit dort. Vielleicht wird dir der Anblick Lust machen, endlich auch deinen Garten auf Vordermann zu bringen. Blättere in Wohnbüchern, Einrichtungskatalogen oder Wohnzeitschriften. Vielleicht wird dich ein schön aufgeräumtes Schlafzimmer anregen, einen neuen Schrank zu kaufen oder die Farbpalette zu minimieren. Geh in den Keller und finde heraus, ob dir die Kellersysteme deiner Nachbarn besser gefallen und brauchbarer erscheinen als deine eigenen. Geh in eine gut sortierte Papeterie und schau dir die ganzen Systeme genau an: welche machen für dich am meisten Sinn? Ordner oder Hängeregister