: Christine Altstötter-Gleich, Fay Geisler
: Perfektionismus Mit hohen Ansprüchen selbstbestimmt leben
: BALANCE Buch + Medien Verlag
: 9783867399005
: 1
: CHF 13.30
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: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 160
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dieser wissenschaftlich fundierte Ratgeber beschreibt Chancen und Risiken perfektionistischer Tendenzen. Sie erfahren, welche psychologischen Prozesse dazu führen, dass das Streben nach anspruchsvollen Zielen zur Belastung wird. Denkanstöße und Übungen unterstützen Sie darin, Ihren Perfektionismus zu verstehen und einen gesunden Umgang mit hohen Ansprüchen zu erlernen. Was unterscheidet gesunden vom ungesunden Perfektionismus? Wie entsteht Perfektionismus? Wann ist therapeutische Unterstützung notwendig? Wie ist es möglich, sich selbst wertzuschätzen, ohne anzunehmen, dafür perfekt sein zu müssen?

Dr. Christine Altstötter-Gleich ist Dozentin an der Universität Koblenz-Landau und Perfektionismus-Expertin.

Perfektionismus – was genau ist das eigentlich?


Die systematische Forschung zum Thema Perfektionismus ist relativ jung. Erst 1980 erschien einer der ersten Artikel zu dem Thema im Fachjournal Psychology Today. Der Autor, David Burns, ein inzwischen emeritierter Professor der Stanford University of Medicine, zeichnet darin ein sehr dunkles Bild des Perfektionismus: Ängste und zwanghaftes Verhalten, Depressionen, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, Selbstmord zu begehen, usw. – die Liste von psychischen Erkrankungen, die für den Pionier der Perfektionismusforschung mit diesem Persönlichkeitsmerkmal einhergehen, ist lang. Ergänzt werden muss sie heute um Ess- und sexuelle Funktionsstörungen, bei denen hohe Ansprüche an den eigenen Körper zu schweren psychischen Beeinträchtigungen führen können. Einen guten, kurz gefassten Überblick zum Zusammenhang zwischen Perfektionismus, körperlicher Gesundheit und psychischen Störungsbildern bietet der Psychotherapeut Nils SPITZER (2016). Auch die australische Psychologin Sarah Egan und ihre Kolleginnen fassen eine Vielzahl empirischer Studien zu den wichtigsten psychischen Störungen zusammen (EGAN u. a. 2011). Sie kommen zu dem Schluss, dass Perfektionismus sowohl ein Risikofaktor ist für das Entstehen so unterschiedlicher psychischer Erkrankungen wie Anorexie und Bulimie, Angst- und Zwangserkrankungen oder Depressionen und Selbstmordneigung, als auch ein wichtiger Faktor, der diese Störungen aufrechterhält.

Um zu verstehen, warum Perfektionismus ein Risiko für das physische und psychische Wohlergehen ist, und um daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten, um den negativen Konsequenzen zu begegnen, ist es sinnvoll und notwendig, »den« Perfektionismus genauer zu betrachten. Schließlich erkranken ja nicht alle Menschen, die Perfektion erreichen wollen, sondern sie werden auch zu Erfindern, deren Erkenntnisse und Produkte unser Leben bereichern, zu Spitzensportlern, deren Leistungen wir bewundern, oder zu Künstlern, deren Können uns Freude macht und Respekt abverlangt.

Normaler und neurotischer Perfektionismus


Oder warum es gesünder ist, dem Misslingen nicht mehr Aufmerksamkeit zu schenken als dem Gelingen

Zwei Jahre vor David Burns beschreibt Don HAMACHEK (1978) von der University of Michigan Perfektionismus etwas differenzierter als dieser. Er unterscheidet zwischen einemnormalenPerfektionismus und einemneurotischen Perfektionismus. Beide Formen des Perfektionismus haben gemeinsam, dass sich Menschen mit einer hohen Ausprägung in diesen Merkmalen sehr anspruchsvolle Ziele setzen. Um diese zu erreichen, sind sie bereit, große Anstrengungen auf sich zu nehmen. »Normale« Perfektionisten ziehen dabei aus ihrem Streben nach exzellenten Leistungen ein Gefühl von Befriedigung. Sie freuen sich über Erfolge, stärken so ihr Selbstwertgefühl. Bei »neurotischen« Perfektionisten ist das nicht der Fall. Si