Weihnachtsmänner wie wir
Thomas Hocke
1
»Dass wir uns hier treffen! Ist ja wie Weihnachten und Ostern zusammen!«
»Und das kurz vor Weihnachten!«
Mein Blick ruht beinahe zärtlich auf Hans, dem alten Tunichtgut, wandert durch die Scheibe des Cafés nach draußen, wo es dicke, schwere Flocken schneit und die Leute durch tiefen Matsch stiefeln.
Damals war Sommer, ich weiß es noch gut. Sieben Jahre? Acht? Ein Drama war’s für Hans, als er aus dieser hippen Firma für intelligentes Neuleben flog. Wunderbare Objekte hatte er mir zum Testen anvertraut. Die immerblühenden Üppigblumen, die irgendwann doch verblühten. Oder diesen Phager, der aussah wie ein verdammt schöner Schmetterling. Er sollte Insekten aller Art vernichten, spezialisierte sich jedoch in nicht vorgesehener Weise auf den Werkstoff Gummi.
»Drei Sommer und drei Winter lang waren sie der bunte Mittelpunkt meiner Wohnung, die Blumen von dir«, sage ich, um einen netten Gesprächseinstieg bemüht. Seine traurigen Augen werden noch trauriger.
»So kurz nur? Und dann die Sache mit …«
»Geschenkt. Er ist weg, der Phager.«
Meine damalige Freundin ebenfalls. Ich denke an Katja mit den Sommersprossen und an den Eklat anlässlich ihrer ungewollten Schwangerschaft. Ich hatte mindestens eines der kleinen Löcher nicht bemerkt, die der Phager in meine Kondome zu fressen beliebte. Katja beendete die Schwangerschaft und ich die Beziehung mit ihr.
In der Scheibe des Cafés spiegeln sich unsere Gesichter, die mir nun sehr abgekämpft erscheinen. Meine Augen richten sich in die Ferne. Die Scheibengesichter verschwimmen und ich beobachte das aufdringliche Kudamm-Gewusel.
»Tut mir so leid, das mit Katja.«
»Hans, wir machen uns gegenseitig ein Weihnachtsgeschenk und erneuern unsere Freundschaft, hm?«
»Oh ja, bitte. Dann hab ich sogar schon eines für dich, das heißt, wenn du es überhaupt annimmst.«
Freundschaft, Hans, ist das Geschenk der Geschenke. Doch du, mein Lieber, du bist Wissenschaftler, ihr seid anders als alle anderen, so unterschiedlich die anderen untereinander auch sein mögen.
»Magst du … Weihnachtsmänner?«, bringt Hans etwas mühsam heraus.
»Seit ich nicht mehr an den Weihnachtsmann glaube, bin ich diesbezüglich n