: Franziska Steinhauer
: Spreewald-Tiger Peter Nachtigalls 11. Fall
: Gmeiner-Verlag
: 9783839256862
: Hauptkommissar Peter Nachtigall
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 344
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Unruhiges Treiben am Gehege der Tiger. Als das Raubtier aus dem Wasser steigt, findet die Idylle im Cottbuser Tierpark ein abruptes Ende: Aus dem Maul des Tiers ragt ein menschlicher Arm. Kommissar Peter Nachtigall und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Passt der Arm zu der aktuellen Vermisstenmeldung? Und wo sind die anderen Leichenteile? Nachtigall gerät in ein Geflecht aus gefährlichen Geheimnissen und rätselhaften Familienbanden.

Franziska Steinhauer lebt seit 1993 in Cottbus. Sie studierte Pädagogik mit den Schwerpunkten Psychologie und Philosophie sowie Forensik. Ihre psychologisch fundierten und ausgefeilten Kriminalromane vermitteln dem Leser tiefe Einblicke in das pathologische Denken und Agieren der Täter. Mit besonderem Geschick verknüpft sie dabei mörderisches Handeln, Lokalkolorit und Kritik an aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Ihre forensische Ausbildung ermöglicht der Autorin authentische Schilderungen der kriminaltechnischen Untersuchungen ihrer Ermittlerteams.

6. Kapitel


»Der Arm muss in die Rechtsmedizin«, stellte Nachtigall klar. »Michael, nimm bitte mit Dr. Pankratz Kontakt auf und kündige den Fund aus Cottbus an. Oh, und Dr. März sollte auch ins Bild gesetzt werden.«

Wiener nickte, trat ein paar Schritte zur Seite, tippte aufs Display.

»Tja. Die Tiger haben eine Kurznarkose bekommen. Ich gehe jetzt rein und hole das Fleisch raus.« Der Tierpfleger wirkte nicht so recht begeistert. »Damit die jungen Herren nicht zornig werden, wenn sie aufwachen, biete ich ihnen einen Ersatzleckerbissen an.« Er deutete auf zwei Stücke Hüfte, die in einer Kunststoffwanne bereitlagen. »Ziege. Sieht jedenfalls danach aus. Ein bisschen Oberschenkel ist auch noch dran. Sie werden es mögen. Normalerweise trennen wir sie zur Fütterung, damit keine Aggressionen aufkommen. Mal abwarten, wie sie klarkommen, wenn jeder glaubt, er habe ›sein‹ Stück ergattert. Die beiden gehen nett miteinander um – aber Fressen ist eben etwas anderes, als die Tage entspannt in der Sonne zu verbringen.« Er lachte leise. »Ich gehe bei der Gelegenheit einmal übers gesamte Gelände und kontrolliere, ob noch irgendwo etwas Fremdes liegt. Wenn tatsächlich einer rüber ist und rein zu ihnen, haben sie ihn zumindest nicht aufgefressen, und wir könnten noch mehr Teile finden.«

Der Cottbuser Hauptkommissar klopfte dem Mann aufmunternd auf die Schulter. »Wie tief schlafen die Brüder denn? Sie werden Ihnen nicht gefährlich werden, oder?«, erkundigte er sich besorgt.

»Nein. Das ist sicher alles richtig dosiert. Ich werde genug Zeit haben. Und wenn ich ehrlich bin: Es ist mal was ganz anderes. Nicht nur abseits der Routine, sondern vollkommen anders. Für mich durchaus spannend.«

»Werden sie denn das …«

»… Stück weitgehend zernagt haben? Nee, das glaube ich nicht. Die beiden waren eben neugierig. Ist für sie ungewohnt, wir füttern sie nicht draußen, natürlich gar nicht mit dieser Art Fleisch und Kleidung verfüttern wir normalerweise nicht mit«, keckerte der Mann. »Bestenfalls haben sie irgendwo geknabbert. Und beim Streit um die Beute könnten sie etwas unsanft mit dem Stück umgegangen sein. Aber das wird der Rechtsmediziner gut erkennen können. Diese Zähne hinterlassen charakteristische Spuren in Gewebe und auf Knochen, das können Sie mir glauben. Da gibt es für den Beurteiler kein Vertun.«

Damit verschwand der Pfleger im Reich der Tigerbrüder.

Peter Nachtigalls Blick heftete sich an den Rücken des Mannes, folgte jeder seiner Bewegungen. Er war so konzentriert, dass er überhaupt nicht bemerkte, dass Michael Wiener wieder neben ihm auftauchte. Erschrocken fuhr er zusammen, als der Freund ihn ansprach.

»So! Dr. Pankratz meint, wir sollen erst mal gründlich suchen und vielleicht einen Sammeltransport veranlassen. Aus Erfahrung wisse er, wo ein Leichenteil zu finden ist, lassen sich auch weitere entdecken. Und es wäre besser, er bekäme gleich mehrere Fundstücke.