Trapped!
von Kristina Lohfeldt
Die Straße war Kafkas Zuhause. Sie wohnte in ihm, nistete in ihm.
Ebenso abgewrackte Gestalten wie er hatten ihm seinen Namen gegeben. In seinem abgegriffenen, ausgeblichenen Ausweis war »Franz Kaffke« zu lesen. Doch dieser Mann existierte schon lange nicht mehr, und der Ausweis war irgendwann und irgendwo auf der Strecke geblieben. Wie sein altes Leben.
»Wichspisser, elende«, fluchte er, als er die Lichter, ihre Lichter, im Dunst aufblitzen sah, jedes ein Hort ihrer Überlegenheit, ihrer Borniertheit, ihres Spießertums. Sie kreisten ihn ein, reizten ihn durch ihre bloße Anwesenheit.
»Scheißarroganz, Scheißregeln, verdammte.«
Kafka spuckte aus. »Kafka kriegste nicht, nie nicht«, murmelte er.
Er war frei. Er konnte gehen wann und wohin er wollte. Er klebte an keinem Menschen, an keinem Besitz oder gar Status.
An jenem Tag stand ihm jedoch nur eine Freiheit zu: zu erfrieren oder sich in eines der muffigen Massenquartiere zu flüchten, wo man Menschenwürde ebenso vergeblich suchte wie Freundlichkeit.
Sie alle waren Ratten der Straße, mit dem Unterschied, dass Ratten sozial waren.
Dort, in diesen abgewichsten, verwanzten Dreckslöchern gab es nichts mehr zu verlieren, bis auf die wenigen Habseligkeiten, die man noch aus Gewohnheit oder Sentimentalität mit sich herumschleppte, wie Sisyphos einen blöden Stein angeblich für ewig irgend so einen Berg hinaufrollte. Seine Vergangenheit wurde man eben nicht los. Egal, wohin man auch ging, man nahm sich immer mit. Auch sein Wissen, das ebenso überflüssig geworden war wie der Rest seines alten Ichs. Und am Ende drückte es einen nieder, nahm einem die Luft zu Atmen, bis man langsam nur mehr aus Gewohnheit weiterlebte, denn aus eigenem Antrieb.
Die Scheißkälte hatte Kafka bereits das Hirn vereist. Sie schmerzte, wie früher die Häme seiner Umwelt ihn gestichelt und gepiesackt hatte. Langsam tanzten Lichter vor seinen Augen, die da nicht hingehörten. Dabei wollte er nichts mehr, als sich hinlegen und schlafen.
Und dann sah er ihn.
Fast wäre Kafka an ihm vorbei getorkelt. Der alte Campingbus war so zugewachsen, dass er auf den ersten Blick mit der heruntergekommenen Vegetation des schäbigen Vororts nahezu verschmolzen war. Jemand hatte ihn abgestellt, hatte ihn einfach am Straßenrand entsorgt, wie Unrat, still, heimlich und ohne lästige Nachfragen.
Das Wrack sah wie eine Laune der Natur aus, ein ungeheures Gewirr aus Kletterpflanzen heimischer Arten, die ihn in Besitz genommen, ihn unter ihre Knechtschaft gebracht hatten. Sie hüllten den alten Camper fast wie ein knotiges Zelt ein. Moos gab ihm eine lächerlich wirkende, neue Far