: Terry Pratchett
: Aus der Tastatur gefallen Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte
: Goldmann Verlag
: 9783641194345
: 1
: CHF 3.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Diese Anthologie versammelt die besten und unterhaltsamsten Essays, Artikel und Reden Terry Pratchetts. Hier findet man alles, was ihn im Lauf seines Lebens bewegt hat: Erinnerungen an seine Großmutter, Gedanken zu Gandalfs Liebesleben oder die Frage, welche Bücher, sein eigenes Werk inspiriert haben. Er spricht über seine Liebe zu Weihnachten, gibt Einblicke in seine Schulzeit oder verrät, zu welcher Tageszeit man am besten schreibt. Selbst die ernsten Themen, denen er sich widmet, sind stets durchdrungen vom Humor und der Lebensklugheit dieses wundervollen Autors.

Terry Pratchett, geboren 1948, schrieb 1983 seinen ersten Scheibenwelt-Roman – ein großer Schritt auf seinem Weg, einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt zu werden. Von Pratchetts Romanen wurden weltweit 85 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 40 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur verlieh ihm Queen Elizabeth sogar die Ritterwürde. Terry Pratchett starb am 12.3.2015 im Alter von 66 Jahren.

Vorwort
von Neil Gaiman

Ich möchte Ihnen etwas über meinen Freund Terry Pratchett erzählen, und das ist nicht leicht. Ich werde Ihnen etwas erzählen, was Sie vielleicht noch nicht wissen.

So mancher, der einem leutseligen Mann mit Bart und Hut begegnet ist, bildet sich ein, er habe Sir Terry Pratchett kennengelernt. Doch da täuscht er sich gewaltig.

Auf einer Science-Fiction-Convention wird einem oft jemand zur Seite gestellt, der sich um einen kümmert und dafür sorgt, dass man von A nach B kommt, ohne sich zu verlaufen. Vor einigen Jahren habe ich mal einen Mann getroffen, der Terry irgendwann auf einer Convention in Texas betreut hat. Er bekam feuchte Augen, als er daran zurückdachte, wie er Terry aus dem Vortrags- in den Ausstellungssaal und wieder zurück begleitet hatte. »Was für ein lustiger alter Kauz Sir Terry doch ist«, sagte er.

Und ich dachte:Nein. Weit gefehlt.

Im Februar 1991 waren Terry und ich mitEin gutes Omen, einem Buch, das wir zusammen geschrieben haben, auf Lesereise. Wir können Ihnen Dutzende Nicht-nur-witzige-sondern-auch-wahre-Geschichten von unseren Erlebnissen auf der Tour erzählen. Auf einige davon spielt Terry in diesem Buch an. Die folgende Geschichte ist wahr, aber keine, mit der wir gerne hausieren gehen.

Wir waren in San Francisco. Nachdem wir in einer Buchhandlung ein gutes Dutzend Exemplare unseres Romans signiert hatten, sah Terry sich unseren Terminplan an. Als Nächstes stand ein einstündiges Liveinterview bei einem Radiosender auf dem Programm. »Laut Stadtplan sind es bloß ein paar Blocks«, sagte Terry. »Und wir müssen erst in einer halben Stunde da sein. Wir gehen zu Fuß.«

Das begab sich vor langer, langer Zeit, liebe Kinder, als es noch keinGPS gab, keine Mobiltelefone, keine Taxi-Apps oder ähnlich nützliche Erfindungen, die uns blitzschnell verraten hätten, dass der Sender keineswegs nur ein paar Blocks, sondern mehrere Kilometer entfernt war und dass die gesamte Strecke bergauf und größtenteils durch einen Park verlief.

Unterwegs riefen wir von jeder Telefonzelle, an der wir vorbeikamen, im Sender an, um Bescheid zu geben, dass wir es bis zum Beginn der Livesendung leider nicht rechtzeitig schaffen würden und – Ehrenwort! – so schnell marschierten, wie wir nur konnten.

Ab und zu gab ich eine aufmunternde, optimistische Bemerkung von mir. Terry ging nicht darauf ein, sein Schweigen brachte deutlich zum Ausdruck, dass alles, was ich sagte, die Sache eher noch schlimmer machte. Währenddessen musste ich mir ständig die bissige Feststellung verkneifen, dass uns dieses Debakel erspart geblieben wäre, hätten wir uns einfach in der Buchhandlung ein Taxi rufen lassen. Wenn man eine Freundschaft nicht aufs Spiel setzen will, bleibt manches besser ungesagt – dazu zählte das, was mir auf der Zunge lag.

Schwitzend und schnaufend kamen wir mit ungefähr vierzig Minuten Verspätung zu unserem einstündigen Interview auf dem Berg am Ende der Welt an. Gerade ging eine Eilmeldung über den Sender: In der Stadt schoss ein Mann bei McDonald’s wild um sich. Nicht gerade der ideale Aufhänger für ein Gespräch über ein witziges Buch, in dem es um Tod und Weltuntergang geht.