: Samantha Joyce
: Over the Moon Liebe wie im Film
: Goldmann Verlag
: 9783641211240
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die bildschöne Veronica Wilde ist Schauspielerin der etwas anderen Art. Für eine großzügige Gage schlüpft sie in jede Rolle. So spielt sie etwa die neue Freundin oder Geschäftspartnerin, um ihren Klienten zum Erfolg zu verhelfen. Als sie auf Baxter trifft, dem es nicht gelingt, Investoren für seine gemeinnützige Geschäftsidee zu finden, ist es Hass auf den ersten Blick. Doch als Veronica seinen Auftrag annimmt, wird schnell klar, dass Hass und Liebe nur allzu dicht beieinanderliegen. Denn Baxter ist alles andere als der gutmütige Trottel, für den Veronica ihn hält, und sie selbst verbirgt unter ihrer harten Schale ein gebrochenes Herz ...

Seitdem Samantha weiß, dass man als Schriftstellerin völlig neue Welten erfinden kann, hat sie ihre Berufung entdeckt. Sie ist eine echte Romantikerin, hat ihren Freund aus der Highschool geheiratet und glaubt felsenfest an die große, wahre Liebe. Nach »Among the Stars« ist »Over the Moon« ihr zweiter Roman.

Kapitel 1

Veronica

Die Frau am anderen Ende des Raumes tötete mich mit Blicken, das spürte ich trotz der spärlichen Barbeleuchtung, und auch, wie sie ihr Gift in meine Richtung verspritzte. Wie eisblaue Glassplitter fuhren ihre blauen Augen über mein falsches blondes Haar, mein zu enges, zu kurzes rotes Kleid, meine ebenso purpurfarbenen High Heels. Ich hielt ihrem Blick stand, ohne zu blinzeln. Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass sie nicht wegsah.

»Okay«, flüsterte ich dem Mann neben mir ins Ohr. Ich fuhr mit einem Finger seinen Unterarm entlang und beugte mich näher zu ihm heran. »Wir haben ihre ganze Aufmerksamkeit. Jetzt leg mir beiläufig die Hand an den Rücken.« Ich schnaufte gereizt, als er mich berührte.»Zurück«, zischte ich. »Nicht so tief!«

»Sorry.« Sein ohnehin blasses Gesicht erbleichte nun vollends, und auf seiner Stirn bildeten sich Schweißperlen, in denen sich das Neon-Bier-Schild über der Bar spiegelte. »Ich bin nur etwas nervös. Was, wenn sie dahinterkommt?«

Ich nippte an meinem Whiskey und vergewisserte mich, dass die kleine Miss Mordlustig gegenüber uns nicht aus den Augen ließ.

Tat sie nicht.

»Keine Sorge. Ich hab das schon hundert Mal gemacht.« Ich reichte ihm mein leeres Glas. »Sie wird es nicht durchschauen. Und jetzt sei ein guter Junge, und hol mir noch einen Drink.«

Er stolperte davon und versuchte erfolglos, die Aufmerksamkeit des Barkeepers auf sich zu ziehen. Ich selbst begann im Geiste mit dem Countdown.

Fünf… vier

Ich wippte mit dem Fuß zum Takt des abgeschmackten Top 40 Hits, der aus den Lautsprechern plärrte.

Drei… zwei

Ich musterte meine manikürten Nägel, die ich in der gleichen Farbe lackiert hatte wie mein Kleid.

Eins

»Was machen Sie hier mit Scott?«

Ich blickte von meinen Nägeln auf und sah, dass die kleine Miss Mordlustig direkt vor mir stand, die Arme vor der Brust verschränkt und die Lippen geschürzt. Der Geruch eines blumigen Parfüms, das allzu reichlich aufgetragen war – wahrscheinlich nach einem langen Tag im Büro – drang mir in die Nase, und ich blinzelte, weil meine Augen zu tränen anfingen.

Die Frau hätte sogar einigermaßen hübsch aussehen können, wenn sie sich nur etwas mehr Mühe gegeben hätte. Sie hatte ihr glanzloses braunes Haar zu einem nachlässigen Knoten auf ihrem Kopf zusammengefasst und erinnerte so etwas an