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Bangalore, Indien, März 1984
»Rosa, komm mit mir. Nur zwei Wochen.«
»Onkel, Anil wird es nicht gefallen, wenn seine Frau so weit reist. Hast du Mama von deinen Plänen erzählt?«
Vikram lachte laut auf. »Erzählt? Du weißt, wie Rhya reagieren wird.«
»Vielleicht hat sie recht, es ist zu früh nach der Entwarnung.«
Vikram nahm die Lesebrille ab, die er aufgesetzt hatte, um denIndian Express zu überfliegen. »Wann werden die Frauen in dieser Familie erkennen, dass wir Männer in der Lage sind, im Leben unsere eigenen Entscheidungen zu treffen?«
»Mama wird nicht glücklich sein – sie hasst dieses Land. Lass uns an einen Ort mit etwas mehr Geschichte fahren. Nach London. Die Queen sehen?«
Vikram klopfte auf das Kissen des Rattansessels neben sich auf dem Balkon. »Setz dich. Ich muss dir etwas erzählen.«
Sie seufzte laut und ließ sich neben ihn plumpsen.
»Ich muss dorthin, um das Grab der Frau, die ich wirklich geliebt habe, zu besuchen.«
»Was?«
»Grace starb. Ich kehrte zurück nach Indien.«
»Grace? Wer war diese Grace?«
Vikram zögerte.
»War sie Irin?«
Vikram nickte, erhob sich und befühlte die zartlila Blüten des Jacarandabaums. »Ich muss das tun, Rosa.«
»Onkel, du klingst allmählich, als würdest du dich auf deinen Tod vorbereiten.«
»Ganz im Gegenteil, liebe Rosa. Ich möchte einfach nur am Grab der Frau stehen, die ich geliebt habe. Was ist daran falsch?«
»Warum erfahre ich erst jetzt davon?«
»Wenn ein Mann ein gewisses Alter erreicht hat, gibt es viele Dinge, die ihm durch den Kopf gehen und die er klären möchte, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet. Grace bedeutete mir alles. Ich habe sie mein Leben lang geliebt, und ich habe den tiefen Wunsch, still an ihrem Grab zu stehen. Ich würde mich geehrt fühlen, wenn du mich begleiten könntest.«
Rosa nahm Vikrams Hand. »Anil wird sich damit abfinden müssen, dass ich mit dir fliege. Erzähl mir von dieser Grace.«
»Grace? Grace wer?« Rhya tappte in ihrem baumwollenen Hausmantel über den Balkon und flocht ihr langes Haar, bereit, ins Bett zu gehen. Sie schaute zwischen ihrem Bruder und ihrer Tochter hin und her. Schließlich hörte sie auf, ihre Haare zu teilen. »Rosa, du solltest nach Hause gehen. Wird dein Mann sich nicht fragen, wo du bist?«
»Still, Mama, lass das altmodische Gerede.«
Vikram schüttelte unüberhörbar seine Zeitung, in der Hoffnung, die beiden Frauen vom Streiten abzulenken. »Wir werde