Was dieser Bahnhof braucht«, verkündete Gareth Hope eines Morgens im Sommer 2008, »ist eine Bahnhofskatze.«
Sein Kollege Andy Croughan lachte laut auf. Wenn die beiden Freunde beisammensaßen – wie sie es fast immer taten, nachdem der morgendliche Berufsverkehr vorbei war, um während der ruhigeren Phasen ihrer Schicht ein wenig zu plaudern –, kamen sie oft auf verrückte Ideen, aber diese hier schoss den Vogel ab. Eine Bahnhofskatze? Das wäre natürlich eine spaßige Sache, aber dazu würde es im Leben nicht kommen.
Die beiden wussten, dass das Halten von Katzen auf Bahnhöfen früher einmal Tradition gewesen war: Zu Zeiten der staatlichen Eisenbahngesellschaft British Rail hatten viele Bahnwärter vierbeinige Begleiter, und Gareth, der noch verhältnismäßig neu in dieser Branche war, bekam von seinen älteren Kollegen ständig erzählt, dass es früher in jedem Bahndepot Katzen gegeben habe, die sogar allmonatlich einen Lohnabrechnungszettel bekommen hätten. Soweit Gareth und Andy wussten, war diese Tradition jedoch inzwischen Geschichte, sie war der unaufhaltsamen Modernisierung der Bahn zum Opfer gefallen. Winston Churchill hatte man einmal dabei fotografiert, wie er mit der damaligen Bahnhofskatze der Liverpool Street Station in London schäkerte, und die Vorstellung, dass der Huddersfielder Bahnhof eine eigene Miezekatze bekam, schien ebenso der Vergangenheit anzugehören wie jener verehrte ehemalige Premierminister.
Doch obwohl – oder vielleicht gerade weil – die Vorstellung so weit hergeholt schien, wurde sie für Gareth und Andy im Lauf der nächsten Monate zu einem Lieblingsgesprächsthema, zumal in jenen Schichten, in denen die Zeiger der Bahnhofsuhr quälend langsam vorwärtsrückten und das Besprechen verrückter Ideen das Einzige zu sein schien, was die Zeit schneller vergehen ließ.
Die Arbeit bei der Bahn entsprach nicht Gareths ursprünglichen beruflichen Plänen. Er hatte zunächst einige Semester Informatik studiert, dann aber festgestellt, dass Programmieren nichts für ihn war. Da er einen Job brauchte, fing er Ende 2006 am Huddersfielder Bahnhof an, und zwar bei dem Team, das den Bahnsteigzugang kontrollierte – musste aber bald feststellen, dass auch diese Arbeit ihm nicht behagte. Damals gab es dort keine richtigen Bahnsteigsperren, sodass die Bahnmitarbeiter selbst die einzigen Barrieren bildeten, die die Leute am Schwarzfahren hindern konnten. Und öfter als er sich daran erinnern mochte, musste Gareth erleben, dass er, der gertenschlank und eher konfliktscheu war, im Zuge einer heftigen Auseinandersetzung von einem aggressiven Bahnkunden zu Boden gestoßen wurde. Er war daher erleichtert, als man ihn nach einem knappen Jahr von der Front abzog und stattdessen zum Bahnhofsansager ernannte (der seiner Tätigkeit hinter einer dicken Glasscheibe in der Geborgenheit eines Büros nachging). Aber die Arbeit auf dem Bahnhof empfand er immer noch als Übergangslösung – etwas, das er tat, während er sich darüber klar wurde, was er denn nunwirklich mit seinem Leben anstellen wollte. Allzu große Sorgen machte er sich darum allerdings nicht; mit seinen gerade mal einundzwanzig Jahren hatte er noch viel Zeit, sich das alles zu überlegen.
Bis es so weit war, arbeitete er jedoch wirklich gern auf dem Bahnhof. Die Atmosphäre unter den Kollegen hatte etwas Familiäres und erstreckte sich über Huddersfield hinaus auf das gesamte Streckennetz. Eisenbahner taten wirklich alles füreinander – so eine Branche war das. Als Gareth einmal in Südengland gestrandet war, musste er am nächsten Bahnhof lediglich seinen Dienstausweis vorzeigen, und die Kollegen rissen sich förmlich darum, ihn wohlbehalten wieder nach Hause zu befördern. Viele der sechsundzwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Huddersfield waren seit über zwanzig Jahren dort beschäftigt; sie kannten einander besser als die mei