: Mary Higgins Clark, Carol Higgins Clark
: Im Wartezimmer des Himmels Roman
: Refinery
: 9783960480587
: 1
: CHF 6.20
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sterling Brooks hat sich sein Leben nach dem Tod anders vorgestellt. Anstatt es sich im Paradies gutgehen zu lassen, sitzt er seit Jahrzehnten im Wartezimmer des Himmels. Als der himmlische Rat ihn auf die Erde zurückschickt, damit er sich endgültig für einen Platz im Paradies würdig erweisen kann, setzt er alles daran, der kleinen Marissa zu helfen. Während die Wunschliste anderer Kinder ellenlang ist, hat diese nur einen großen Wunsch: Das Weihnachtsfest mit ihrem Daddy und ihrer Großmutter zu feiern. Diese haben sie nämlich vor einem Jahr allein zurückgelassen und weder Marissa noch Sterling ahnen, was hinter diesem mysteriösen Verschwinden steckt.

Mary Higgins Clark gehört zu den meistgelesenen Autorinnen von Spannungsliteratur und hat bereits über zwei Dutzend Romane veröffentlicht.

 


Es gibt nichts Schlimmeres, als mit anhören zu müssen, wie ein großes Fest vorbereitet wird, wenn man weiß, dass man nicht dazu eingeladen ist. Noch schlimmer ist es, wenn die Party im Himmel stattfindet, dachte Sterling Brooks. Man hatte ihn seit sechsundvierzig Jahren nach irdischer Zeitrechnung im himmlischen Warteraum schmoren lassen, direkt vor dem Himmelstor. Jetzt vernahm er den himmlischen Chor bei der Generalprobe für die Lieder, die das bevorstehende Weihnachtsfest einleiten würden.

»Vom Himmel hoch …«

Sterling seufzte. Das Lied hatte ihm immer gefallen. Er rutschte auf seinem Stuhl hin und her und schaute sich um. Dicht gedrängt saßen die Menschen in Kirchenbankreihen und warteten darauf, vor den Himmlischen Rat zitiert zu werden. Menschen, die gewisse Dinge zu verantworten hatten, die sie in ihrem Leben getan – oder nicht getan – hatten, ehe man sie in den Himmel einließ.

So lange wie Sterling hatte dort niemand gesessen. Er kam sich wie ein Kind vor, dessen Mutter vergessen hatte, es von der Schule abzuholen. Für gewöhnlich gelang es ihm, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, doch neuerdings fühlte er sich häufig einsam und verlassen. Von seinem Fensterplatz aus hatte er viele Bekannte aus seiner Zeit auf der Erde vorbeiziehen sehen – schnurstracks in den Himmel. Gelegentlich registrierte er schockiert oder auch ein wenig sauer, dass einige von ihnen nicht gezwungen waren, eine Zeit lang im himmlischen Warteraum zu verbringen. Sogar der Typ, der bei der Einkommenssteuer gemogelt und beim Golf einen falschen Punktestand angegeben hatte, schritt selig über die Brücke zwischen dem himmlischen Warteraum und dem Himmelstor.

Als er jedoch Annie erblickt hatte, war er zutiefst erschüttert gewesen. Vor ein paar Wochen war die Frau vorbeigeschwebt, die er geliebt, aber nicht geheiratet hatte, die Frau, die er stets hingehalten hatte. Sie sah so hübsch und jung aus wie damals, als sie sich kennen lernten. Er lief zur Rezeption und erkundigte sich nach Anne Mansfield, der Seele, die gerade am Aussichtsfenster vorbeigeflogen war. Der Engel schaute in seinem Computer nach und hob die Augenbrauen. »Sie ist vor ein paar Minuten gestorben, an ihrem siebenundachtzigsten Geburtstag. Als sie die Kerzen auspustete, erlitt sie einen Schwindelanfall. Was für ein beispielhaftes Leben sie geführt hat! Großzügig. Entgegenkommend. Sozial. Liebevoll.«

»War sie verheiratet?«, fragte Sterling.

Der Engel tippte etwas ein und verschob den Cursor, wie der Mann am Flugschalter auf der Suche nach der Reservierungsbestätigung. Der Engel runzelte die Stirn. »Sie war ziemlich lange mit so einem Depp verlobt, der sie ewig hinhielt, und es brach ihr das Herz, als er plötzlich starb. Ein Golfball hatte ihm den Schädel durchschlagen.« Der Engel drückte noch einmal auf den Cursor und schaute zu Sterling auf. »Oh, Verzeihung, das sind ja Sie.«

Sterling war kleinlaut zu seiner Bank zurückgeschlichen. Seitdem hatte er viel nachgedacht. Zugegeben, er war durch seine einundfünfzig Jahre auf Erden gerauscht, ohne je Verantwortung zu übernehmen. Stets war es ihm gelungen, sich von allem