: Joanna Macy, Molly Brown
: Für das Leben! Ohne Warum Ermutigung zu einer spirituell-ökologischen Revolution
: Junfermann Verlag
: 9783955716578
: 1
: CHF 39.80
:
: Natur und Gesellschaft: Allgemeines, Nachschlagewerke
: German
: 384
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wir können immer das Leben wählen Klimawandel, radioaktive Verseuchung, Fracking, Genmanipulation. Diese entmutigende Liste zum Zustand unsere Welt ließe sich fortsetzen - und dennoch: Wir haben noch immer die Möglichkeit, zum Wohle einer lebenswerten Welt zu handeln. Denn: Wir können unsere Bedürfnisse erfüllen, ohne unser lebenserhaltendes System zu zerstören. Dafür haben wir das notwendige Wissen und die technischen Möglichkeiten. Alles was wir noch brauchen ist der kollektive Wille, beides in diesem Sinne einzusetzen. Dieses Buch ist ein Leitfaden. Es hilft uns, unsere natürliche Vitalität und Entschlossenheit zu entdecken und so die Selbstheilungskräfte unserer Welt zu unterstützen. Im Zentrum steht eine besondere Form der Gruppenarbeit, die Joanna Macy in den 1970er-Jahren begonnen und die sich seither stetig weiter entwickelt hat. Ungeachtet der sich rapide verschlechternden sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen hat sie Hunderttausenden Frauen und Männern rund um den Erdball geholfen, solidarisch und mutig zu handeln. Das Buch erschien 2003 erstmals in deutscher Übersetzung, unter dem Titel 'Die Reise ins lebendige Leben'. Es wurde gründlich überarbeitet und die aktuellen Entwicklungen wurden einbezogen.

Joanna Macy, Ökophilosophin, Aktivistin, Gelehrte für Buddhismus und in Systemwissenschaften, blickt auf 50 Jahre Engagement in der Bürgerrechtsbewegung, der Bewegung für soziale und globale Gerechtigkeit und der Arbeit für eine ökologische Bewusstseinsbildung zurück.

Vorwort


von Molly Brown

Bei einer Zusammenkunft von Interhelp 1987 traf ich Joanna Macy zum ersten Mal. Interhelp ist ein Netzwerk, das von Joannas Kolleginnen und Kollegen gegründet wurde, um sich gegenseitig darin zu unterstützen, auf die Bedrohungen für das gemeinsame Überleben zu reagieren. Unsere nächste Begegnung fand bei einem Workshop 1991 statt, bei dem ich ihre Vision der Atomwächterschaft kennenlernte. Diese Arbeit von Joanna zog mich besonders an, da ich meine Kindheit in derAtomic City von Los Alamos, New Mexico, verbracht habe. Es war für mich wie eine karmische Verbindung, mich mit den Problemen von radioaktiven Stoffen zu beschäftigen, und so begann ich, an dem Atomwächterschafts-Projekt, das Joanna ins Leben gerufen hatte, mitzuarbeiten. Als ich mich im nächsten Herbst an der Starr King Schule4, einer Fachhochschule zur Ausbildung für das unitarische Pfarramt in Berkeley, Kalifornien, eingeschrieben hatte, nahm ich an Joannas Seminar in Tiefenökologie teil. Das führte mich sowohl in die Welt des systemischen Denkens ein als auch in Tiefenökologie und engagierten Buddhismus und half mir, deren Gemeinsamkeiten zu verstehen.

Bald darauf arbeiteten Joanna und ich zusammen: redaktionelle Zusammenarbeit mit Wendy Oser, Fran Macy und anderen bei drei besonderen Ausgaben des MagazinsNuclear Guardianship Forum. Ferner unterrichtete ich mit ihr zusammen amCalifornia Institute of Integral Studies (CIIS)5 in einem einjährigen Kurs angewandte lebendige Systemtheorie. Meine Verbindungen zur Welt der Psychosynthese ermöglichten mir, am CIIS Vorträge und Workshops zu diesem Thema bis zum heutigen Tag zu halten.

Als mich Joanna fragte, ob ich als Koautorin bei der ersten Auflage dieses Buchs mit ihr zusammenarbeiten wollte, ergriff ich die Chance und konnte so meine Liebe zum Schreiben, meine Liebe zu dieser Arbeit und meine Liebe zu dieser Frau miteinander verbinden. Ich entdeckte meine eigene prophetische Stimme nach dem Vorbild von Joanna beim gemeinsamen Schreiben, und mein Mut zu schreiben, zu sprechen und für die Erde zu handeln festigte sich. Das war etwas, wonach ich mich mein Leben lang gesehnt hatte.

Um zu verdeutlichen, was mich zu dieser Arbeit berufen hat, möchte ich etwas über meine Lebensgeschichte erzählen. Die eindrücklichen Erfahrungen während meiner Kindheit in Los Alamos, New Mexico, verdeutlichten mir, was Hannah Arendt „die Banalität des Bösen“ genannt hat. Ich benötigte einen Großteil meines Erwachsenenlebens, um wirklich zu begreifen, wie grundlegend falsch die Ansichten der dort vorherrschenden wissenschaftlich-militärischen „Kultur“ waren – und ich fragte mich, wie sonst gute und liebevolle Menschen solches Unheil anrichten können.

Der Spielplatz meiner Kindheit war die Natur, denn Los Alamos ist in die bewaldeten Berge im Norden New Mexicos eingebettet. Von frühester Jugend an zählten Camping, Picknick und das Spielen draußen zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, und ich entwickelte eine enge Beziehung zu Bäumen, Bergen, Bächen und allen Kreaturen. Fast unbemerkt wurde ich durch die in dieser Region lebenden Kulturen der amerikanischen Ureinwohner und der Menschen spanischer Herkunft geprägt. Doch meine Familie war ein Teil der wissenschaftlichen Gemeinde, obwohl meine Eltern selbst keine Wissenschaftler waren. So lernte ich, den Gott der Wissenschaft zusammen mit dem christlichen Gott anzubeten. Ich erinnere mich daran, wie ich an Tagen der offenen Tür für Familien die seltene Gelegenheit hatte, hinter die Sicherheitszäune zu blicken und einen Teil von dem, was dort gemacht wurde, zu Gesicht zu bekommen. Die Apparaturen, die Nebelkammern (Teilchendetektoren), die Teilchenbeschleuniger, die Handschuhkästen und die Gewebeproben, die man unter Mikroskopen studieren konnte, verzauberten mich. Ich wünschte mir, wenn ich