: Marshall B. Rosenberg
: Vilma Costetti
: Gewaltfreie Kommunikation und Macht In Institutionen, Gesellschaft und Familie
: Junfermann Verlag
: 9783955716844
: 1
: CHF 19.90
:
: Gesellschaft
: German
: 120
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wie kann man mehr Macht erlangen, ohne andere zu unterdrücken oder sich zu unterwerfen? Die Gewaltfreie Kommunikation kennt zwei Konzepte von Macht: 'Macht über' und 'Macht mit'. Worin sie sich unterscheiden, darum geht es in diesem Buch. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, lautet: Wie ist es möglich, seine Macht zu vergrößern und dabei sowohl im Einklang mit den eigenen Werten und Bedürfnissen als auch mit denen der anderen zu handeln? Das Buch entstand auf der Grundlage eines Seminars, das Marshall Rosenberg vor einigen Jahren in Italien abhielt, in Zusammenarbeit mit Vilma Costetti. Im Austausch mit Seminarteilnehmern beleuchtet er verschiedene Machtbereiche, z.B. politische Macht und Macht in Unternehmen. Er untersucht auch, welche Rolle Macht in Schulen und Familien spielt und die Macht der Empathie und welche Bedeutung sie für unsere Gesundheit hat. In einfacher Sprache vermittelt dieses Buch einen sehr komplexen Sachverhalt. Es zeigt uns, wie wir uns theoretisch und auch praktisch eine Form der Macht zu Eigen machen können, deren größte Kraftquelle darin besteht, dass wir sie gemeinsam mit anderen ausüben.

Dr. Marshall B. Rosenberg (1934-2015) war international bekannt als Konfliktmediator und Gründer des internationalen Center for Nonviolent Communication in den USA. Die von ihm entwickelte Methode der Gewaltfreien Kommunikation hat sich als machtvolles Werkzeug herausgestellt, um Differenzen auf persönlichem, beruflichem und politischem Gebiet friedlich zu lösen. Dr. Rosenberg hat die Gewaltfreie Kommunikation in mehr als zwei Dutzend Ländern an Ausbilder, Schüler, Studenten, Eltern, Manager, medizinisches und psychologisches Fachpersonal, Militärs, Friedensaktivisten, Anwälte, Gefangene, Polizisten und Geistliche weitergegeben.

2. Gewaltfreie Kommunikation in der Politik


Wie lässt sich die GFK in der Politik anwenden?

V: Ich freue mich, dass ich Ihnen heute die Gelegenheit bieten kann, die Gewaltfreie Kommunikation direkt von ihrem Begründer Marshall Rosenberg kennenzulernen. Mein eigenes Leben hat sich durch diesen Kommunikationsprozess sehr zum Besseren verändert, beruflich wie familiär. Darüber bin ich sehr froh und ich weiß, dass es auch vielen anderen Menschen überall auf der Welt enorme Vorteile gebracht hat, diesen Prozess anzuwenden. Ich arbeite in verschiedenen Institutionen, vor allem in Schulen. Dort kann ich täglich spüren, was es für das Klassenklima bedeutet, ob Lehrer und Schüler Macht miteinander teilen oder ob die eine Seite Macht über die andere ausübt. Ich bin immer wieder ganz erfüllt, wenn ich Klassenkonferenzen sehe, die mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation stattfinden, und möchte deshalb diese Art der Kommunikation auch Menschen näherbringen, die in anderen Bereichen tätig sind. Heute soll es darum gehen, wie sich die Gewaltfreie Kommunikation in der Politik anwenden lässt, sei es von Vertretern einer Partei – also Menschen, die für bestimmt Wertvorstellungen stehen –, sei es von Mandatsträgern auf lokaler und regionaler Ebene oder von Parlaments- und Regierungsmitgliedern.

MBR: Ich möchte unsere gemeinsame Zeit produktiv nutzen und daher in das, was ich anzubieten habe, Ihre speziellen Interessen einbinden. Dazu würde ich gerne von Ihnen wissen, in welchem Bereich Sie Ihre Macht vergrößern möchten. In welchen Situationen erleben Sie es, dass sich Menschen anders verhalten als Sie es sich wünschen? Und in welchen Situationen hätten Sie gerne mehr Macht?

T: Dort, wo ich lebe, sprechen die Menschen nicht über ihre Gefühle. Wenn ich sage, dass Gefühle wichtig sind, schauen sie mich freundlich an, aber sonst bekomme ich keine Reaktion. Ich habe einen Doktor in Psychologie und bin nun in Rente. Öffentlich trete ich nicht als Psychologin auf, aber immer wieder treffe ich auf Mütter, die sich über ihre Kinder beschweren, oder auf Kinder, die sich über ihre Mütter beschweren. Als ich anregte, ein Kommunikationsseminar zu organisieren, reagierten alle mit Ausflüchten. Ich denke, ich bin nicht in der Lage, mich verständlich zu machen.

In welchen Bereichen möchte ich mehr Macht haben?

MBR: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, möchten Sie Ihre Macht dahingehend vergrößern, diesen Menschen einen Kurs anzubieten, der für sie nützlich sein könnte, aber man antwortet Ihnen, dies sei nicht möglich?

T: Ja.

MBR: Danke, das hilft mir weiter.

T: Bei mir sind es ganz verschiedene Situationen. Ich bin Erzieherin und arbeite in einer kommunal organisierten Wohngemeinschaft für Jugendliche. Im Team gibt es Konflikte zwischen den Kolleginnen und Kollegen. Ich bin zwar nicht direkt darin verwickelt, aber als Mitglied des Teams bin ich trotzdem betroffen. Die Kommunikation ist wirklich schwierig und zum Teil provozierend, schon fast beleidigend, und ich stelle fest, dass ich nicht in der Lage bin, daran etwas zu ändern. Hier hätte ich gerne mehr Macht, denn diese Konflikte haben leider auch Auswirkungen auf unsere Arbeit mit den Jugendlichen.

Außerdem arbeite ich in einer Gruppe, die sich mit Friedenserziehung beschäftigt. Vor Kurzem war ich dort unbewusst in einen Konflikt verwickelt und wurde beleidigt. Daraufhin habe ich versucht unter Zuhilfenahme meiner Kenntnisse der Gewaltfreien Kommunikation zu antwortete, das heißt Gefühle auszudrücken, nicht zu urteilen und zu beobachten, anstatt zu interpretieren. Aber die Reaktion der anderen war nur noch heftiger und sie sagten mir, sie seien nicht zu Spielchen bereit, denn es handele sich um einen echten Konflikt.

Dann möchte ich noch die Kommunikation in der Familie verbessern. Ich habe ein kleines Kind und nehme deshalb morgen am Familienseminar teil.

MBR: Danke.

T: