: Nicolas Cenway
: Badetage Thriller
: Größenwahn Verlag
: 9783957711359
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 300
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Tod, der nach dem Sterben kommt. Auf der Insel Galveston (Houston, Texas) wird an einem 30. Mai ein Ehepaar hingerichtet. Für diesen Mord wird eine deutsche Medizinstudentin zum Tode verurteilt. Genau ein Jahr später, wieder an einem 30. Mai, erfolgt dieselbe Art der Hinrichtung, diesmal ein Paar am Wörther See. Anwalt Tom Wolfert hat eine vielversprechende Zukunft vor sich: Eine luxuriöse Wohnung, den beruflichen Aufstieg und eine feste Beziehung. Als jedoch seine Schwester Jenny in Texas zum Tode verurteilt wird, stellt sich seine ganze Welt auf den Kopf. Sie ist unschuldig - dessen ist sich Tom sicher und begibt sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Doch die Geheimnisse, die er aufdeckt, katapultieren ihn mitten in ein Netzwerk aus Kindesmissbrauch, Gewalt, Erpressung - und mehreren Milliarden Dollar. Als wäre das nicht genug, begegnet er auch noch der mysteriösen Lena, die ihm auf Anhieb den Kopf verdreht. Mit fatalen Folgen.

Nicolas Cenway, Jahrgang 1952, Manager und Finanzcoach in Wirtschaft, Politik, Familien und sozialen Bereichen, schreibt Krimis und spielt Klavier und Schlagzeug. Er lebt in der idyllischen Oberpfalz, dort, wo auch sein Debüt-Thriller 'Badetage' - nach einer wahren Geschichte - spielt.

13



Am Morgen des dritten Tages trifft Tom Laurie Sheldon in ihrem Büro. Tom will wissen, wo Jennys Gefängnis liegt.

Die Anwältin holt eine Karte hervor und zeigt auf einen Punkt. »Hier, Gatesville, etwa – nach europäischer Rechnung – hundertfünfundzwanzig Kilometer nördlich von Austin, fünfundvierzig Fahrtminuten von Waco entfernt. Die Stadt Gatesville hat fünf Gefängnisse und das staatliche Gefängnis für Frauen, betrieben vom Texas Department of Criminal Justice. Eine dieser Einrichtungen, die Mountain View Unit, beinhaltet die Todeszelle für Frauen. Das ist etwas vier Meilen nördlich von Gatesville entfernt.«

Tom kann sich vage an einen Eintrag bei Wikipedia erinnern.Mountain View Unit is a Texas Department of Criminal Justice prison housing female offenders in Gatesville, Texas.  Ein Schauer durchfährt ihn. Female Offender – weiblicher Täter. Seine Jenny!

»Wie weit ist es dorthin, von hier aus?«

»Etwas über zweihundert Meilen. Drei bis vier Stunden Fahrtzeit. Wenn es dir passt, Tom, könnten wir morgen hinfahren.«

»Du würdest mich begleiten?«

»Ja, ich bin Jennys Anwältin in Nachfolge von Mr Garathy. Dann kommen Sie schneller zu ihr als ohne mich.«

»Das ist mir schon klar.«

»Okay, ich werde alles arrangieren. Unsere Handynummern haben wir ja bereits ausgetauscht – falls etwas dazwischen kommt. Ansonsten hole ich dich morgen früh gegen sieben Uhr ab. Okay?« 

Tom nickt. Er überlegt, ob er Laurie über seine Recherchen informieren soll. Schließlich hält er es für besser, seine Entdeckungen für sich zu behalten.

Nachdem er der Anwältin einige formale Fragen gestellt hat, verlässt er die Kanzlei und seine Uhr verrät ihm, dass genügend Zeit verbleibt, sich etwas von Houston anzusehen. Tom nimmt sich den Rest des Tages frei, um sich von seinen trüben Gedanken abzulenken. Er entscheidet sich zunächst für das Museum of Fine Arts, das größte texanische Kunstmuseum, besichtigt anschließend die restaurierte Downtown mit dem Schauspielhaus Alley Theatre und das Wortham Center, Heimstätte der Houston Grand Opera. Doch seine Absicht, sich mit diesen Aktionen wenigstens für ein paar Stunden freizumachen von den trüben Gedanken, scheitert an dem Kopfkino, das nicht weichen wird: seine Schwester in der Düsternis einer schmuddeligen Todeszelle.

Am frühen Abend nimmt er schließlich seinen letzten und einzigen Termin für diesen Tag wahr. In der Lobby des Sheraton erwartet ihn Lory Bowman, Jennys Hauptbelastungszeugin und ehemalige Freundin. Tom erkennt die 26-Jährige sofort wieder. Aus dem Au-pair Mädchen von damals ist eine junge Frau geworden. Sie begrüßen sich. Lory scheint etwas mulmig zumute zu sein. Ihre Begrüßung fällt verhalten aus. Tom sucht einen abgelegenen Platz aus, an dem sie ungestört reden können.

»Danke, dass du gekommen bist, Lory.«

»Schon gut.« Lory wirkt verlegen.

Tom muss sich zu dem nächsten Satz überwinden. Der Anwalt in ihm muss das Kalkül eingehen, ihr Vertrauen zu gewinnen und so zwingt er sich zu den Worten, die ihm schwerfallen. »Ich möchte eines vorwegschicken, Lory. Ich gebe dir keinerlei Schuld. Du musstest die Wahrheit sagen.«

Dankbar nickt sie Tom zu.

»Ja, das musste ich.«

»Darf ich dir dennoch die Frage stellen, ob du Jenny für schuldig hältst?«

Lory senkt die langen Puppenwimpern über ihren verlorenen Blick.