: Birgit Rabisch
: Duplik Jonas 7
: duotincta
: 9783946086253
: 1
: CHF 4.90
:
: Science Fiction
: German
: 191
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jonas Helcken droht nach einem schweren Unfall zu erblinden, doch ihm werden die Augen seines Dupliks Jonas 7 eingepflanzt. Als künstlich erzeugte Zwillinge dienen die Dupliks 'ihren' Menschen als lebende Ersatzteillager. Sie werden isoliert in Horten gehalten und ahnen nichts von ihrer Bestimmung. Angestachelt von seiner Schwester kommen Jonas Helcken allerdings Zweifel an der Rechtfertigung der Duplikhaltung und die beiden schmieden einen verwegenen Plan ... Wie sieht eine Gesellschaft aus, in der alles erlaubt ist, wenn es nur der Gesundheit des Menschen dient? Mit knapp 200000 verkauften Exemplaren präsentiert Birgit Rabisch einen Roman zum Thema Gentechnologie, der in einer Zukunft spielt, die sich bereits in unsere Gegenwart neigt: In 'Duplik Jonas 7' bringt das ein Kinderreim auf den Punkt: 'Eins, zwei, drei, du bist frei / bist du arm, stirbst am kranken Darm, / bist du reich, heilt dich Dupliks Leich'.' Reich sind natürlich nicht die Kinder, sondern deren Eltern ... [Es] kommen hier nur Menschen als Empfänger von Organen in Frage, deren Eltern vor der Geburt dafür gesorgt haben, dass es Klone ihrer Kinder gibt. Diese Entscheidung der Autorin ist ebenso wichtig wie auf den ersten Blick überraschend. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Birgit Rabisch studierte Soziologie und Germanistik und lebt als Autorin in Hamburg. Sie hat bisher zehn Bücher veröffentlicht, darunter den utopischen Roman 'Duplik Jonas 7', der zum Bestseller und Standardwerk für den Schulunterricht zum Thema Gentechnologie avancierte.

Der Todesautomat


Jonas wartet am Nachmittag vergeblich auf seinen Vater. Der lässt durch seinen Kundenbetreuer, Herrn Schulz, einen Blumenstrauß vorbeibringen, schöne Grüße ausrichten und sich entschuldigen. Welthandelskonferenz in Paris. In zwei Tagen kommt er zurück. Professor Reimann hält ihn über Jonas’ Genesung auf dem Laufenden. Wenn er irgendwelche Wünsche hat … Herr Schulz steht ihm zur Verfügung. Jonas bedankt sich bei Herrn Schulz und schickt ihn wieder weg. Er braucht nichts, was Herr Schulz ihm beschaffen könnte. Die stechenden Schmerzen haben nachgelassen. Jetzt braucht er nur noch eins: Licht!

Am nächsten Tag besucht Ilka ihn wieder. Er freut sich über ihren Besuch. Aber dann liest sie ihm einen Artikel über die Duplikhaltung vor, der morgen in ihrer NewslinePro Würde erscheinen soll. Mit einem erwartungsvollen »Hmm?« beendet sie ihren Vortrag.

»Willst du meine ehrliche Meinung hören?«

»Was sonst?«

»Also gut. Pathetisch, oberflächlich, unrealistisch. Ich weiß nicht, was an der Duplikhaltung unmenschlich sein soll, jedenfalls bei uns in den fortschrittlichen, strukturalistischen Gesellschaften. Dass es da in einigen Staaten Missstände gibt – nun gut, die haben einfach nicht unseren wirtschaftlichen und ethischen Standard. Aber das liegt ja nicht in unserer Verantwortung.«

»Du wirst in deinen Argumenten Papa immer ähnlicher!«

Das sitzt! Das ist die härteste Kritik, die Ilka an jemandem üben kann. Aber warum ist das nur so? Warum ist Papa für sie der Inbegriff des Verabscheuungswürdigen? Immer, wenn Jonas sie danach fragt, gibt sie ausweichende Antworten, beruft sich auf Papasunmögliche politische Ansichten. Trotzdem versucht Jonas es noch einmal.

»Ilka, warum hasst du Papa so?«

»Weil er ein Idiot ist. Komm, lass uns das Thema nicht wieder aufrollen.«

»Aber irgendetwas muss zwischen euch vorgefallen sein. Schon früher. Hat es … hat es vielleicht mit Mamas Tod zu tun?«

»Ich weiß nicht, warum wir jetzt darüber reden müssen. Außerdem – du hast dich ja für dein Recht auf Nicht-Wissen entschieden.«

»Was meine Genkarte angeht – ja. Aber was hat das … hat das mit Papa zu tun?«

Da Ilka schweigt, überlässt sich Jonas seinen eigenen Überlegungen.

Warum hat er sich eigentlich nicht gleich, als er volljährig wurde, an die Zentralerfassung gewendet und sich seine Genkarte erläutern lassen? Darauf hatte er schließlich einen Anspruch.

Aber er hatte sich für das Recht auf Nicht-Wissen entschieden, das nach heftigen Debatten als unveräußerliches Menschenrecht in der Verfassung verankert worden war. Er wollte nichts wissen von seiner