: Arthur Conan Doyle
: Die vergessene Welt
: apebook Verlag
: 9783961300822
: 2
: CHF 3.50
:
: Fantastische Literatur
: German
Der seltsame Professor Challenger und seine Reisegefährten machen während einer abenteuerlichen Expedition auf einem verborgenen Plateau, einem sogenannten Tepui, im südamerikanischen Dschungel erstaunliche Entdeckungen. Denn hier scheint, in totaler Abgeschiedenheit von der Außenwelt, die Zeit stehen geblieben zu sein. Das anfängliche Staunen weicht bald dem Entsetzen, denn es kommt zu Begegnungen, die sich niemand der Beteiligten jemals hätte träumen lassen. --- 'Die verlorene Welt' (im Original: The Lost World) ist ein 1912 erschienener Roman des britischen (schottischen) Schriftstellers Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930), der vor allem durch seine Sherlock-Holmes-Geschichten weltberühmt geworden ist. Seine Geschichte der Entdeckung einer Urzeit-Welt hat Doyle auf sorgfältigen wissenschaftlichen und historischen Recherchen aufgebaut, seine Beschreibungen der fremden Welt und ihrer Bewohner entsprechen dem Forschungsstand der Entstehungszeit des Werkes. Diese Geschichte aus der Professor-Challenger-Reihe des berühmten Schriftstellers Arthur Conan Doyle ist der literarische Vorgänger zu den erfolgreich verfilmten 'Jurassic Park'-Büchern von Michael Crichton. Der Text der vorliegenden Ausgabe folgt der Übersetzung von Karl Soll der deutschen Erstausgabe aus dem Jahr 1926 und enthält die Illustrationen der englischen Originalausgabe des Jahres 1912. Der Umfang des eBooks entspricht ca. 300 Buchseiten.

Erstes Kapitel


Es gibt überall Gelegenheit zu Heldentaten


Mister Hungerton, ihr Vater, war der taktloseste Mensch auf der Welt – ein flaumiger, fedriger, schmuddeliger Kakadu von einem Menschen, durchaus gutmütig, aber restlos eingestellt auf sein eigenes lächerliches Selbst. Wenn irgend etwas mich von Gladys hätte wegtreiben können, so wäre es der Gedanke an solch einen Schwiegervater gewesen. Ich bin überzeugt, dass er in der Tiefe seines Herzens glaubte, ich käme dreimal in der Woche zu den alten Kastanienbäumen herum, um das Vergnügen seiner Gesellschaft zu genießen, insbesondere aber um seine Ansichten über Bimetallismus – eine Materie, in der er eine Art von Autorität war – zu hören.

Länger als eine Stunde schon ließ ich an diesem Abend sein eintöniges Geschwätz über Verschlechterung des Geldes, über den angenommenen Wert des Silbers, die Entwertung der Rupie und die wahren Normen der Wechselkurse über mich ergehen.

»Stellen Sie sich vor,« rief er in einem Anfall von Heftigkeit aus, »dass alle Schulden in der Welt zu gleicher Zeit und sofort bezahlt werden müssten! Was würde unter den gegenwärtigen Verhältnissen geschehen?«

Ich gab die selbstverständliche Antwort, dass ich dann ein ruinierter Mann sein würde, worauf er von seinem Stuhl auffuhr, mir meinen gewohnten Leichtsinn, der es ihm unmöglich mache, irgendeinen ernsthaften Gegenstand in meiner Gegenwart zu diskutieren, vorwarf, wütend aus dem Zimmer stampfte und die Tür heftig ins Schloss warf, um sich für die Loge umzuziehen.

Ich war also endlich allein mit Gladys, und der Augenblick, der mein Schicksal entscheiden sollte, war gekommen! Den ganzen Abend hatte ich das Gefühl eines Soldaten, der das Signal erwartet, das ihn auf einen verlorenen Posten schickt, ein Gefühl, in dem die Hoffnung auf den Sieg mit der Furcht vor der Niederlage abwechselt.

Sie saß vor mir, ihr stolzes und zartes Profil hob sich klar gegen den roten Vorhang ab. Wie schön sie war! Und doch wie fern! Wir waren bisher gute Freunde gewesen, recht gute Freunde, niemals aber war es mir gelungen, über jenen Grad von Kameradschaftlichkeit hinauszukommen, wie er etwa zwischen mir und einem Kollegen von der Zeitung hätte bestehen können, – ganz aufrichtig, sehr liebenswürdig und völlig platonisch. Meine innersten Gefühle sind immer gegen ein weibliches Wesen eingenommen, das mir gegenüber frei und unbefangen ist. Diese Haltung ist kein Kompliment für einen Mann. Sobald der Gegensatz der Geschlechter erwacht, regen sich Furcht und Misstrauen, diese Erbschaft aus roheren Zeiten, als Liebe und Gewalt noch Hand in Hand gingen. Das gesenkte Haupt, die abgewendeten Augen, die stockende Stimme, die bebende Gestalt – all dies und nicht der freie Blick und die ungezwungene Antwort sind der wahre Ausdruck der Leidenschaft. Soviel hatte ich sogar schon während meines kurzen Lebens erfahren – oder lebte doch als Instinkt, wie wir das Rassengedächtnis nennen, in mir.

Gladys besaß alle echt weiblichen Eigenschaften. Einige hielten sie für kalt und gefühllos, aber dies Urteil war nicht zutreffend. Der zarte Bronzeton ihrer Haut, fast orientalisch in der Färbung, das rabenschwarze Haar, die großen sanften Augen, die vollen, aber entz