8.21 Uhr
Atemlos eilte sie das Treppenhaus des Hotels hinunter und verwünschte dabei innerlich den Fahrstuhl sowie jede einzelne Stufe, die sie nahm. Sie fingerte hektisch an ihrem grauen Rock herum, als sie durch die Lobby lief und presste ihre große Handtasche fest an sich. Rücksichtslos drängelte sie sich an einem älteren Herrn vorbei, um schneller zu der gläsernen Drehtür zu kommen. Sie war spät dran und verfluchte sich dafür, denn für gewöhnlich war sie nie unpünktlich und wollte auch heute die verlorene Zeit aufholen. Augenblicklich ärgerte sie sich über die drei Personen, die den älteren Mann ebenfalls überholt hatten und nach ihr in die Drehtür geschlüpft waren. Sie schienen sich im Schneckentempo zu bewegen. Immer langsamer drehte sich die Tür und blieb mit einem Mal abrupt stehen. Der Alarm erschallte laut. Erbost über die neuerliche Zeitverzögerung wandte sie sich um. Die drei Personen, die dicht hinter ihr standen und sie freundlich anlächelten, waren allesamt groß gewachsen, sodass sie zu ihnen aufschauen musste, was sie sogleich noch mehr ärgerte.
»Warum haben Sie das getan?«, fuhr sie den Mann, der links von ihr stand, wütend an.
Erstaunt hob dieser eine Braue. »Was soll ich denn getan haben?«
»Sie haben sich zurückgelehnt, das habe ich doch aus dem Augenwinkel gesehen!« Sie deutete auf die Glasscheibe hinter ihm. »Da! Hier kann man noch den Abdruck Ihres fettigen Haares erkennen.«
Der zweite Mann lachte laut auf und klopfte seinem Kumpel auf die Schulter. »Wir scheinen es hier mit einer Detektivin zu tun zu haben.«
Die Frau zur Rechten lachte ebenfalls.
»Finden Sie das etwa lustig?« Sie funkelte die drei böse an.
Verdutzt über den maßregelnden Ton sahen sie sich nacheinander an und lachten erneut laut heraus.
»Ja.« Der große dunkelhaarige Mann in der Mitte antwortete: »Sie sind wirklich ulkig. Sind Sie immer so ernst und freudlos?«
Ulkig? Ernst und freudlos? Geht’s noch?Sie verzog empört das Gesicht, schluckte aber eine schroffe Erwiderung herunter, da die Drehtür sich wieder in Bewegung setzte. Hocherhobenen Hauptes drehte sie sich um und fieberte ihrer »Befreiung« entgegen. Da jedoch gerade eine Frau mit Kinderwagen den Eingang des Hotels benutzte, ging es nur langsam vorwärts – zu langsam!
Sie warf einen verstohlenen Blick über die Schulter, um zu prüfen, ob der in ihren Augen ausgesprochen dämliche Idiot sich nochmals gegen die Tür lehnen würde. Unweigerlich musste sie dabei dem Gespräch der drei folgen.
»Zu zickig.«
»Willst du es trotzdem wagen?«
»Mmmh?«
»Wenn das die Herausforderung ist, die du meintest, dann sprich sie doch einfach nochmal an.« Die Stimme der Frau klang belustigt.
»Meinst du, das macht Sinn?«
»Warum nicht? Mehr als nein kann sie ja nicht sagen.«
»Mmmh, vielleicht ist sie doch zu konservativ ... und zu klein…«
Heftig fuhr sie herum und schaute abermals erbost in die Gesichter der drei. Langsam tippelte sie rückwärts. »Sagen Sie mal, geht’s Ihnen zu gut? Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, dass man wegen Beleidigung angezeigt werden kann …?«
»Was haben wir denn gesagt?«, kam es wie aus einem Mund.
»Dass ich ernst und freudlos bin und klein …« Schon als d