Unser Zeitalter ist unstreitig das Zeitalter der Humanität, zumindest was England betrifft. Ein Mann, der seine Frau schlägt, ist für uns ein entsetzlicher Mensch, und ein Oberst, der seine Soldaten nicht zu leiten vermag, ohne sie schlagen zu lassen, ist uns fast ebenso verhaßt. Wir sind keine großen Freunde vom Hängen, und einige von uns gehen gar so weit, die Todesstrafe unter allen Umständen abzulehnen. Unsere Ärzte bedienen sich bei Operationen des Chloroforms, und man hat sogar angeregt, daß jene Schullehrer, die in gewisser Weise an den Lehren Salomons festhalten, ihre Operationen auf dieselbe vorsichtige Weise vollziehen sollen. Wenn Schande durchaus notwendig ist, nun, so möge man sie verhängen, jedoch ohne die körperliche Züchtigung.
Was die untergeordneten äußeren Zustände des Menschengeschlechts betrifft, ist unser Zeitalter unstreitig ein humanes. Männer, Frauen und Kinder sollen ihr Brot haben; sie sollen wenn möglich keine, oder doch so wenige Schläge wie möglich erhalten; sie sollen auch anständig gekleidet sein und die Pestilenz möge sich ihnen möglichst fern halten. Wenn ich diese Zustände untergeordnet nenne, so tue ich dies keineswegs in verächtlichem Sinne, denn sie sind es im Verhältnis, sofern der Körper tiefer steht als der Geist. Die Humanität unseres Zeitalters ist ohne Zweifel den materiellen Bedürfnissen desselben angemessen, und diese Bedürfnisse sind jene, die der unverzüglichsten Befriedigung bedürfen. Was jedoch die inneren Gefühle der Menschen gegenüber dem Nächsten betrifft, sowie die Geisteshaltung eines Menschen dem anderen gegenüber, ist unser Zeitalter in dieser Hinsicht nicht eines der außerordentlichsten Grausamkeit?
Der Hungrige stößt auf Mitgefühl, doch der Unglückliche und Erfolglose, der nicht hungrig ist, stößt auf keines. Wenn ein Mitmensch zerlumpt einhergeht, so trägt die Humanität sofort das Nötige bei, um seine Kleidung instand zu setzen, doch sie trägt nichts dazu bei, seine zerfetzten Hoffnungen instand zu setzen, solange nur sein äußerer Rock unversehrt und anständig ist.
Wer da hat, dem wird gegeben, wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat. Dies ist der Text, dem wir so gerne folgen, und Erfolg ist der Gott, den wir am liebsten anbeten. »Ach, habt Mitleid mit mir! Ich habe gekämpft und bin gefallen – ich habe so mannhaft und tapfer gekämpft und bin dennoch so gänzlich unterlegen – helft mir nur dieses eine Mal wieder auf, damit ich noch einmal mein Heil versuchen kann!« Wer schenkt wohl einer solchen Bitte Gehör? »Gefallen bist du? Und nun willst du Brot?« – »Nicht Brot, nur ein gütiges Herz und eine gütige Hand.« – »Mein Freund, ich kann mich nicht mit dir aufhalten, denn ich bin in großer Eile. Es ist ein Teufel von einem Rivalen hinter mir, der mir in diesem Moment leicht den Vorsprung abgewinnen mag. Verzeih mir, aber ich werde eben meinen Fuß auf deine Schulter setzen – nur auf einen Augenblick.Occupet extremum scabies.«1
Ja. Der Teufel hole den letzten, oder auch die drei oder vier letzten, wenn man so will; ja, alle anderen, nur nicht jene flinken Rosse, die sich in die vordersten Reihen zu drängen und sich bemerkbar zu machen vermögen. Dies ist die noble Losung, mit der die Jugend Englands nun zu Taten von – wie sollen wir sagen? – Geld verdienender Tätigkeit angetrieben wird. Man lasse jeden Ort, an dem der Mensch das Haupt stolz empor halten kann, den Lohn eines großen Wettkampfes, eines großen Vergleichs im Konkurrenzkampf sein. Wir wollen den Fehler der vergangenen Jahrhunderte ablegen. Für uns möge stets der Schnellste das Rennen gewinnen und der Sieg stets dem Stärksten zufallen, auf daß wir uns stets bewußt sind, wer der Schnellste und wer der Stärkste ist. Doch wie ist es mit jenen, die nicht schnell und die nicht stark sind?Vae victis!2 Sie mögen Schiffbruch erleiden. Sie mögen vielleicht Holz hauen oder können jedenfalls Wasser tragen3.
Wollten wir Lord Derby oder Lord Palmerston oder den Geist Lord George Bentinck4 befragen – oder uns gar an jene noch höherstehenden Autori