Kapitel I
»Omnes omnia bona dicere.«1
Als der junge Mark Robarts die Universität verließ, konnte sein Vater mit Recht behaupten, daß alle Menschen von diesem Sohn alles mögliche Gute zu ihm sprächen und sein Glück priesen, einen Sohn zu haben, der mit einem so vortrefflichen Charakter gesegnet worden war.
Dieser Vater war ein in Exeter lebender Arzt. Er besaß kein Privatvermögen, erfreute sich aber einer einträglichen Praxis, die ihn in den Stand gesetzt hatte, seine Familie mit allen Vorteilen und Annehmlichkeiten, die Geld verschaffen kann, zu erhalten und zu erziehen. Mark war sein ältester Sohn und sein zweites Kind, und wir müssen die ersten Seiten dieser Erzählung zu einer Aufzeichnung der guten Dinge verwenden, mit denen der Zufall und sein eigenes Betragen diesen jungen Mann beschenkt hatten.
Der erste Schritt, den er im Leben vorwärts tat, hatte seinen Ursprung in dem Umstand, daß er noch sehr jung als Pensionsschüler in das Haus eines Geistlichen kam, der ein alter und intimer Freund seines Vaters war. Dieser Geistliche hatte noch einen, aber nur einen einzigen weiteren Pensionsschüler – den jungen Lord Lufton, und zwischen den beiden Knaben hatte sich eine vertraute Verbindung entwickelt.
Lady Lufton hatte ihren Sohn einmal im Hause seines Erziehers besucht und bei dieser Gelegenheit den jungen Robarts eingeladen, seine nächsten Ferien in Framley Court zu verbringen. Er tat dies, und die Folge war, daß Mark mit einem Brief voller Lobeserhebungen von der verwitweten Lady nach Exeter zurückkam. Sie freute sich, schrieb sie, einen solchen Genossen für ihren Sohn zu haben, und sprach die Hoffnung aus, daß die Knaben während der Zeit ihrer Ausbildung beisammen bleiben möchten. Dr. Robarts war ein Mann, der von hochgestellten, vornehmen Leuten eine hohe Meinung hatte und keineswegs geneigt war, irgendeinen Vorteil, der für seinen Sohn aus einer solchen Freundschaft erwachsen konnte, zu verscherzen. Als daher der junge Lord auf die Lateinschule in Harrow geschickt wurde, ging Mark Robarts auch dorthin.
Daß der Lord und sein Freund sich oft zankten und dann und wann prügelten, ja, daß sie sogar einmal drei Monate lang kein Wort miteinander sprachen, dies hatte auf die Hoffnungen des Doktors durchaus keinen nachteiligen Einfluß. Mark brachte immer wieder einmal ein paar Wochen in Framley Court zu, und Lady Lufton sprach in ihren Briefen stets mit dem größten Lob von ihm.
Nach Beendung der Studien in Harrow gingen die Jünglinge gemeinsam als Studenten nach Oxford, und auch hier blieb Marks Glück ihm treu. Dieses Glück bestand mehr in der höchst noblen Art und Weise, auf die er lebte, als in wunderbaren Fortschritten auf der Bahn des Wissens. Seine Familie war stolz auf ihn und der Doktor ergriff gern jede Gelegenheit, um mit seinen Patienten über ihn zu sprechen, nicht weil er mehrmals Prämien und andere Auszeichnungen erhalten hatte, als vielmehr in Bezug auf sein tadelloses Benehmen im allgemeinen. Er hatte den allerbesten Umgang, er machte keine Schulden, er liebte Gesellschaft, mied aber sorgfältig gemeine Gesellschaft, trank gern ein Glas Wein, wurde aber nie betrunken gesehen; und, was die Hauptsache war, er war einer der beliebtesten Studenten der ganzen Universität.
Es galt nun zu bestimmen, welchem speziellen Fach dieser junge Hyperion2 sich widmen sollte, und Dr. Robarts wurde selbst eingeladen, nach Framley Court zu kommen, um die Sache mit Lady Lufton zu besprechen. Er kehrte von diesem Besuch mit der fast zur Überzeugung gewordenen Auffassung zurück, daß der geistliche Stand der Beruf sei, für den sein Sohn sich am besten eigne.
Lady Lufton hatte Dr. Robarts den weiten Weg von Exeter nach Framley Court nicht machen lassen, ohne dabei eine besondere Absicht zu haben. Das Patronatsrecht über die Predigerstelle in Framley stand der Familie Lufton zu und deren nächste Besetzung lag in Lady Luftons Händen, wenn dieses Amt vakant wurde, ehe der junge Lord fünfundzwanzig Jahre alt war, da das Recht später natürlich diesem zustand.
Mutter und Sohn kamen jedoch überein, Dr. Robarts in dieser Beziehung ein gemeinschaftliches Versprechen zu geben. Da der jetzige Geistliche von Framley über siebzig Jahre zählte und die Stelle jährlich ihre neunhundert Pfund einbrachte, konnte über die Rätlichkeit, daß der Sohn des Doktors sich dem geistlichen Stande widme, kein Zweifel bestehen.
Ich kann hierbei nicht unb