: Arno Wieckhorst
: Grundrechtsschutz durch Legislativverfahren Grundrechtlich induzierte Prozeduralisierung der Gesetzgebung und ihrer Kontrolle im Verfassungs- und Unionsrecht
: Mohr Siebeck
: 9783161552250
: Studien und Beiträge zum Öffentlichen Recht
: 1
: CHF 127.50
:
: Öffentliches Recht, Verwaltungs-, Verfassungsprozessrecht
: German
: 686
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Forderungen nach 'guter' Normsetzung sind für das Grundgesetz nicht neu. An den gesetzgeberischen Entscheidungsprozess gerichtete Rationalitätspostulate bleiben aber kontrovers und spalten auch das BVerfG. Arno Wieckhorst entwickelt eine grundrechtszentrierte Rekonstruktion legislativer Sorgfaltspflichten. Neben der Ermittlung, Bewertung und Abwägung von Tatsachen- und Interessenlagen werden auch legislative Begründungs-, Beobachtungs- und Nachbesserungspflichten einbezogen. Der Eigenwert bundesverfassungsgerichtliche Verfahrenskontrolle bei gesetzgeberischen Gestaltungsspielräumen wird gegenüber der Abwertung von Verfahrensfehlern verteidigt. So entsteht eine geschlossene Dogmatik des Grundrechtsschutzes durch Legislativverfahren als Ausprägung einer Prozeduralisierung der Grundrechte. Deren status negativus wie positivus processualis kann schließlich auf die Grundrechtecharta übertragen werden und so als Bezugspunkt auch einer unionsrechtlichen Gesetzgebungslehre dienen.

Geboren 1990; Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universitä Jena mit Schwerpunkt Deutsches und Europäisches Öffentliches Recht; Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Schiller-Universitä Jena; 2016 Promotion; 2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Wirtschaftskanzlei in Berlin; 2016-17 LL.M.-Studium an der Universität Edinburgh.
Cover1
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis10
Einleitung und Gang der Untersuchung20
Kapitel 1: Gesetzgeberische Rationalität in Rechtsprechung und Literatur – eine kritische Bestandsaufnahme26
A. Verfassungsrechtliche Bindungen26
I. Rechtsprechung des BVerfG und der Landesverfassungsgerichte27
1. Systemkonsistenz: Gebote der Systemgerechtigkeit, Folgerichtigkeit und Widerspruchsfreiheit27
2. Gebote der Bestimmtheit, Normenklarheit und Normenwahrheit31
3. Prozedurale Sorgfaltsanforderungen32
a) Ablehnende Judikate32
b) Kontextspezifische Herausbildung prozeduraler Sorgfaltsanforderungen35
aa) Planungs? und Strukturentscheidungen35
(1) Kommunale Neugliederungen36
(2) Hochschulstrukturentscheidungen38
(3) Kreditaufnahme bei Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts, Art. 115 Abs. 1 S. 2 Hs. 2 GG a. F39
(4) Fachplanerische Entscheidungen durch förmliches Gesetz40
bb) Gesetzgeberische Prognoseentscheidungen41
(1) Wirtschaftsbezogene Regelungen41
(2) Ausfüllung des Asylgrundrechts nach Art. 16a GG42
(3) Wahlrechtliche Sperrklauseln43
(4) Finanzausgleichsgesetze45
(5) Erforderlichkeit im Sinne des Art. 72 Abs. 2 GG47
cc) Typisierende Differenzierungen48
dd) Konkretisierung grundrechtlicher Schutzpflichtgehalte50
ee) Konkretisierung grundrechtlicher Leistungsgehalte50
(1) Hartz IV-Gesetzgebung I51
(2) Professorenbesoldung53
(3) Asylbewerberleistungsgesetz und Hartz IV-Gesetzgebung II54
(4) Richterbesoldung und Besoldungsordnung A56
(5) Privatschulfinanzierung58
c) Bewertung und Fazit60
II. Literatur63
1. Systemkonsistenz: Gebote der Systemgerechtigkeit, Folgerichtigkeit und Widerspruchsfreiheit64
2. Gebote der Bestimmtheit, Normenklarheit und Normenwahrheit67
3. Prozedurale Sorgfaltsanforderungen68
a) Antipoden Schwerdtfeger und Geiger / Schlaich69
aa) „Optimale Methodik der Gesetzgebung als Verfassungspflicht“69
bb) „Der Gesetzgeber schuldet gar nichts anderes als das Gesetz.“70
b) Status quo72
aa) Gegner72
bb) Befürworter78
(1) Beratungspflicht aus Art. 76 Abs. 3 S. 6 GG als Begründungsansatz79
(2) Demokratiezentrierte Begründungsansätze80
(3) Rechtsstaatszentrierte Begründungsansätze85
(4) Grundrechtsbezogene Begründungsansätze86
cc) Relativierungen89
(1) Echte Pflichten mit beschränktem Umfang89
(2) Bedürfnis nach einfachrechtlicher Konkretisierung90
(3) Obliegenheit, Darlegungslast, Beweislast91
c) Fazit93
B. Unionsrechtliche Bindungen94
I. Untersuchungsgegenstand94
II. Rechtsprechung des EuGH96
1. Gebot der Kohärenz96
2. Gebot der Bestimmtheit100
a) Inhaltliche Direktiven100
b) Bindung der Mitgliedstaaten102
3. Prozedurale Sorgfaltsanforderungen103
a) Äußere Anforderungen an das Rechtsetzungsverfahren103
b) Begründungspflicht105
aa) Art. 296 Abs. 2 AEUV105
(1) Inhaltliche Direktiven105
(2) Bindung der Mitgliedstaaten107
bb) Art. 41 Abs. 2 lit. c EuGRCh108
cc) Art. 47 EuGRCh110
dd) Allgemeine Rechtsgrundsätze111
ee) Fazit112
c) Verhältnismäßigkeit im Unionsrecht113
aa) Allgemeiner Rechtsgrundsatz113
(1) Prozedurale Bezüge113
(2) Bindung der Mitgliedstaaten116
bb) Beschränkung der Grundfreiheiten117
cc) Eingriffe in Unionsgrundrechte121
(1) Rechtssache Schecke GbR und Eifert122
(2) Rechtssachen Spanien / Rat, Vodafone u. a. sowie Afton Chemical124
(3) Rechtssache Schwarz126
(4) Folgerungen für das nationale Gesetzgebungsverfahren126
III. Literatur132
1. Gebot der Kohärenz132
2. Gebot der Bestimmtheit134
3. Prozedurale Sorgfaltsanforderungen134
a) Derivative Normativität mittels Selbstbindung135
b) Originäre primärrechtliche Normativität137
c) Unbewältigte Aspekte140
4. Fazit141
IV. Fazit: Bindungswirkung für den deutschen Gesetzgeber141
C. Abschließende Bewertung142
I. Rationalität und Transparenz als unbestimmte Grundbegriffe der Diskussion142
II. Dogmatische Anschlussfähigkeit als Kernfrage145
1. Gebote der Folgerichtigkeit, Bestimmtheit, Normenklarheit, Nor145