Prolog
Darik, der Schmied, war der Letzte der Trostlosen. Der Landjunker brachte ihn mit einem Tritt in die Kniekehle zu Boden und riss seinen Kopf nach unten, sodass er kniete und die Linie zwischen dem saftigen grünen Gras und der verrotteten gelben Wüste der Fäulnis anstarrte. Nichts wuchs in dieser Fäulnis. Zugunsten seiner Magie hatte ein Zauberer vor vielen Jahren, noch bevor Dariks Eltern geboren worden waren, dem Land jegliches Leben ausgesaugt, und heute fand sich dort nichts als … Tod. Ein widerlich stinkender Wind blies Darik die langen braunen Haare ins Gesicht, und zehn Schritte von ihm entfernt weinte die erste Trostlose, während sie auf die Klinge wartete – Kina, das Hirtenmädchen, kaum älter als ein Kind und die einzige andere aus seinem Dorf. Die Stimme des Landjunkers, der sich riesig und stark in seiner grasgrünen Rüstung vor ihnen aufbaute, klang überraschend sanft, als er zu ihr sprach, mit einem Flüstern, das kaum lauter war als das Messer, das aus seiner Scheide glitt.
»Schsch, mein Kind. Gleich ist’s vorbei«, wisperte er, dann zog er das Messer durch ihren Hals, und ihre Tränen versiegten für immer. Darik spähte zwischen seinen zerzausten Haarsträhnen hindurch und sah Kinas Körper zucken, während schwallartig das Blut aus ihrer Kehle spritzte und dunkle, sich windende rote Muster auf dem stinkenden gelben Boden zeichnete – Silhouetten des Todes und des Lebens.
Er hatte gehofft, Kina zu heiraten, sobald sie mündig war.
Darik fror, aber es war nicht der Wind, der ihn zittern ließ. Ihm war kalt gewesen, seit die Zaubererjäger ihn geholt hatten. Es war das erste Mal seit fünfzehn Jahren gewesen, dass der Schweiß auf seiner Haut nicht von der unerbittlichen Hitze des Schmiedens stammte. Die Feuchtigkeit, die nun an ihm haftete, gehörte einer anderen Sorte Schweiß an, einem neuen Schweiß, einem kalten, verängstigten, animalischen Schweiß, der unaufhaltsam geflossen war, seit sie seine Handgelenke in Ketten gelegt hatten. So viel Zeit schien seitdem vergangen zu sein. Die Wochen, in denen sie durch das Müde Land marschiert waren, hatten sich wie ein einziger Traum angefühlt, aber im Nachhinein war der traumähnlichste Augenblick derjenige gewesen, als sie seinen Namen aufgerufen hatten. Es hatte ihn nicht überrascht – es war, als hätte er sich vor langer Zeit an einen Heckengeist verkauft und sein ganzes Leben lang nur darauf gewartet, dass jemand kam und seine Schuld eintrieb.
»Schsch, mein Kind. Gleich ist’s vorbei.« An einem weiteren Trostlosen tat das Messer seine Arbeit, und ein zweites Gewirr aus blutigen Sigillen spritzte auf den dreckigen gelben Boden. War dort ein Zeichen versteckt? Gab es eine Botschaft an ihn? An diesem Ort zwischen Leben und Tod, kurz bevor er die wässrige Dunkelheit umarmen würde, die die toten Götter verschluckt hatte, sprachen sie da nun mit ihm?
Oder war es einfach nur Blut?
Und Tod.
Und Angst.
»Schsch, mein Kind. Gleich ist’s vorbei.« Der Nächst