: Katharina Gerwens
: Der letzte Tropfen Ein Krimi aus dem Bayerischen Wald
: Piper Verlag
: 9783492965941
: Bayerischer-Wald-Krimis
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die schöne Hildegard! Wer hätte gedacht, dass es mit ihr einmal so enden würde. Nun liegt sie tot im Teich des Fahrradhändlers. Jeder kannte die ermordete Immobilienmaklerin - und niemand mochte sie. Keine leichte Aufgabe für Kommissarin Franziska Hausmann also, jemanden zu finden, der nicht verdächtig ist: Ein Grundstücksbesitzer, den Hildegard übers Ohr gehauen hat? Die Frau des Autohändlers, mit dem sie ein Techtelmechtel hatte? Oder die grünäugige Dame, die der Kommissarin immer wieder über den Weg läuft? Franziska Hausmann ermittelt in Salzweg im Bayerischen Wald!

Katharina Gerwens schrieb als 15jährige Schülerin ihren ersten Liedtext für Udo Jürgens, dem viele weitere folgen sollten. Er war es auch, der sie darin unterstützte, sich dem Schreiben zu widmen. Nach ihrer Journalistik-Ausbildung arbeitete sie in verschiedenen Verlagen, später am Deutschen Jugendinstitut. Seit fast 20 Jahren ist sie als freie Autorin und Lektorin tätig und schreibt weiterhin Chansontexte. Mit ihrem erstveröffentlichten Krimi »Stille Post in Kleinöd« war sie für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Katharina Gerwens ist Mitglied des Syndikats (dem Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur) sowie der Mörderischen Schwestern (dem europäischen gemeinnützigen Verein deutschsprachiger Kriminalautorinnen). Als Mörderische Schwester war sie 2023 ehrenamtlich in deren fünfköpfiger Stipendienkommission tätig.  Katharina Gerwens lebt mit ihrem Mann in einem zweihundert Jahre alten Holzhaus auf dem niederbayerischen Land. Immer an ihrer Seite ist auch Katze Stella, deren ungewöhnlich laute Stimme eigenes Stimmrecht genießt - eine Schrei(b)-Kraft der besonderen Art ... 

1. Kapitel

»Ich hab eine Hand gesehen! Da ist eine Hand!«, rief Ferdinand Mohr, während er in den Hausflur gerannt kam.

Seine Frau Hedwig, die in der Küche gerade den Kaffee aufgoss und ihn schon durch den Garten hatte sprinten sehen, dachte wieder einmal, dass an ihrem Mann tatsächlich ein Schauspieler verloren gegangen sei.

Bedauerlicherweise hatte Ferdinand sich auf düstere Dramen und Katastrophenszenarien spezialisiert. Sie hätte es lieber gehabt, wenn Musicals oder Lustspiele zu seinem Genre gehört hätten, aber man konnte es sich ja nicht aussuchen. Nicht das Schicksal als solches und den Ehemann wohl auch nur in begrenztem Maße.

Sie setzte den Wasserkessel ab, hob beide Hände und sagte: »Eine Hand? Schau, ich hab sogar zwei davon. Das ist völlig normal.« Dabei versuchte sie ein Lächeln, um Ferdinand wieder in die Realität zurückzuholen. Ohne Brille sah er immer häufiger die Auswüchse seiner überbordenden Fantasie. Vor einer Woche waren sie beim Spaziergang am Stausee Oberilzmühle auf eine einsame dunkelrote Socke gestoßen. Ohne genau hinzuschauen, hatte ihr Mann sofort einen abgehackten und blutbesudelten Fuß darin vermutet und mit einem Schrei nach ihrem Arm gegriffen.

»Mit Brille wär das nicht passiert«, murmelte sie in seine Richtung. Dabei fiel ihr auf, dass Ferdinand ungewöhnlich blass um die Nase war. Auf seiner Stirn standen Schweißtropfen.

»Setz dich erst mal hin, und beruhige dich.« Sie schob ihn zur Eckbank und ahnte schon, dass heute aus dem gemütlichen Frühstück nichts werden würde. Ferdinand war viel zu aufgewühlt für ein normales Gespräch. Sie hatte wirklich kein Glück mit ihrem Ehemann.

Eigentlich hatte sie fest eingeplant, heute Zwetschgen einzukochen, die ihr Mann pflücken sollte. Das konnte sie nun wohl vergessen.

»Du musst den Hundinger anrufen, den Ewald«, sagte er aufgewühlt.

»So ein Schmarrn, der arbeitet doch gar nicht mehr. Der ist Rentner, genau wie du. Ihr seid doch beide gleich alt.« Hedwig schüttelte den Kopf über die Gedächtnisschwäche ihres Mannes, oder war es eher Verdrängung?

»Der ist nicht Rentner, der ist Pensionär, weil er nämlich vorher ein Beamter war. Und ich als ehemaliger Geschäftsmann bin nun Ruheständler. Da gibt’s Unterschiede. Wann merkst du dir das endlich mal!«

Wenn er ihr so widersprach, dachte Hedwig Mohr, ging es ihm offensichtlich schon wieder besser.

»Also, was genau ist passiert?« Sie stellte die Kaffeekanne auf den Tisch. »Und jetzt iss erst mal was.«

Aber ihm war offensichtlich der Appetit vergangen.

»Aus meinem Teich schaut eine Hand raus.« Er starrte auf den Tisch, schwieg und faltete seine Hände, als müssten sie sich aneinander festhalten. Sie bemerkte zum ersten Mal die Altersflecken auf seiner Haut.

»Also, du setzt jetzt deine Brille auf und schaust noch mal nach. Gewiss hast du dich geirrt. Das kennen wir ja. Allerweil dieses Theater mit unserem See. Du siehst ihn, und gleich hast du ein schlechtes Gewissen. Du hättest dir doch die Genehmigung holen sollen. Jetzt haben wir den Salat.«

Dass er ihr an dieser Stelle nicht widersprach oder sie belehrte, zeigte das Ausmaß seines Entsetzens. Er hatte einfach zu viel Fantasie. Hilfesuchend sah er sie an: »Magst du es dir anschaun? Mich gruselt’s.« Krächzend fügte er ein kleinlautes »Bittschön!« hinzu.

Hedwig Mohr nickte. »Wenn’s sein muss.« Da führte ja nun eh kein Weg mehr dran vorbei.

Sie folgte ihrem Mann durch den großen Garten. Trotz der seit Monaten herrschenden Trockenheit blühte und gedieh hier alles so prächtig, dass Spaziergänger, vor allem Hundebesitzer, staunend stehen blieben und sich fragten, wie die Mohrs das zustande brachten. Leider nutzten die Hunde derartige Wander